Gnadenfrist für einen Gasthof

Keine guten Aussichten für die "Drei Rosen". Die Stadt will das über 150Jahre alte Rasthaus abreißen. Doch noch gibt es Hoffnung für das Traditionsgebäude in Dittersbach.

Frankenberg.

Die Frankenberger Stadträte entscheiden am Mittwoch über die Zukunft eines Gasthofes, mit dem viele Einheimische Erinnerungen an gesellige Stunden verbinden dürften. Direkt an der Bundesstraße169 prägt der Fachwerkbau nicht nur das Bild der Äußeren Hainichener Straße, sondern das Haus Nummer 7 hat auch ortsgeschichtliche Bedeutung. "Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Kulturdenkmal", sagt André Kaiser, Pressesprecher des Landkreises Mittelsachsen. Trotzdem soll der Landgasthof abgerissen werden.

Laut dem Frankenberger Beigeordneten Ralf-Peter Regner steht das Gebäude seit vielen Jahren leer. Es sei sehr stark baufällig und solle daher abgerissen werden. Datiert wird der Bau des Gasthofes auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. In der Liste der Kulturdenkmale des Freistaates ist das Objekt mit der Nummer 09244266 vermerkt.


Die Stadt bemüht sich laut Regner um Fördermittel für den Abriss des Komplexes. Das Geld soll an den Eigentümer des Hauses weitergeleitet werden, erklärt er. Eigentümer der "Drei Rosen" ist die kommunale Wohnungsgesellschaft Frankenberg. Die bot das Haus auch am gestrigen Montag noch im Internet zum Verkauf an. Zu dem ehemaligen Gasthof gehört das Flurstück 277/7 in der Größe von circa 2600 Quadratmetern. Zum Bauzustand der früheren Pension wird bei der Offerte nichts mitgeteilt. Dafür taucht das besagte Grundstück als Thema auf der Tagesordnung der Stadtratstagung auf. Die Räte sollen am Mittwoch demnach beschließen, dass eine Teilfläche auch des Flurstücks 277/7 verkauft wird.

Laut dem Beigeordneten Regner sehe der rechtskräftige Bebauungsplan des Industriegebietes in Dittersbach an der Stelle des Gasthofes eine Grünfläche vor.

Eigentlich sollte der Antrag auf Abriss der Immobilie längst bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises vorliegen, erklärt Ralf-Peter Regner. "Der schlechte Zustand ist ausreichend dokumentiertund die Notwendigkeit des Rückbaus begründet", so Regner. Das Papier sei urlaubsbedingt aber noch nicht abgeschickt, schränkt er ein. Kreissprecher André Kaiser bestätigt, gegenwärtig liege noch kein Abriss-Antrag vor.

Öffentliche Sitzung des Stadtrates Frankenberg am Mittwoch ab 19 Uhr im Ratssaal des Rathauses am Markt 15. Wenn der Stadtrat in seiner alten Besetzung am morgigen Mittwoch zu seiner außerordentlichen Sitzung zusammenkommt, geht es gleich mehrfach um den Ortsteil Dittersbach. Zum einen soll ein Pachtvertrag im Energiepark unterzeichnet werden. Zum anderen soll der Landgasthof "Drei Rosen" abgerissen werden. Besucher der Sitzung hören zudem den Bericht des Bürgermeisters Thomas Firmenich.


Letzte öffentliche Hinrichtung: Geständige Giftmörderin nahe der "Drei Rosen" geköpft

Nicht nur die "Drei Rosen" selbst stehen für Ortsgeschichte. In unmittelbarer Umgebung fand 1835 auch die letzte öffentliche Hinrichtung im Amt Frankenberg in Sachsen statt. Angeblich fanden sich bis zu 20.000Schaulustige ein, als hier eine Giftmörderin traurige Berühmtheit erlangte.

Die Hingerichtete, Christiane Concordie Beyer, war die Tochter des Berbersdorfer Erbrichters Carl Christoph Beyer und dessen Gattin Christiane Friederike, geborene Gölbrich. Die junge Frau liebte den Pappendorfer Gutsknecht August Krell. Ihre Eltern allerdings hatten beschlossen, dass eine Heirat mit dem vermögenden Gutsbesitzer Johann Carl Gotthelf Seltner aus Mühlbach eine bessere Partie wäre. Auch wenn der zehn Jahre älter als ihre Tochter war. Geplant, getan. Am 17. April 1834, einen Tag vor ihrem 25. Geburtstag, ehelichte die junge Frau den ungeliebten Seltner. Der kam aber schon am 12. Mai elendiglich zu Tode: Seine frischvermählte Gattin hatte vom Kammerjäger Rattengift organisiert und dem Kaffee ihres Mannes beigemischt. Damit die Sache nicht aufflog, brockte sie noch Kuchen in das ohnehin schon stark gesüßte Heißgetränk. Das Opfer wand sich in Krämpfen. Gegen Mitternacht verstarb der Mann schließlich.

Die Obduktion ergab, dass der Mann keines natürlichen Todes gestorben war. Als einzige Verdächtige kam seine Witwe in Haft. Alsbald legte sie ein Geständnis ab. 1835 verhängte der für seine Härte bekannte Leipziger Schöppenstuhl als Urteil einen

grausamen Tod auf dem Rad. Der sächsische König gab mehreren

Gnadengesuchen statt und milderte die Hinrichtung schließlich zum Tod durch das Schwert.

Die Seltnerin, wie die Frau genannt wurde, saß über 500 Tage in Schloss Sachsenburg ein. Während der Haft brachte sie ein Mädchen zur Welt. Das starb aber nach drei Monaten bei der Schwester der Verurteilten. Die Giftmörderin selbst kam am 29. September 1835 durch das vom Frankenberger Scharfrichter Carl Friedrich Fischer geschwungene Schwert zu

Tode. Ihr Schädel ist heute Teil der Sammlungen des Anthropologischen Museums in Dresden. (dahl)

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 1 Bewertung
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    WolfgangPetry
    30.07.2019

    Es ist ein unmöglicher Vorgang, einen Gasthof "zum Verkauf anzubieten", ohne 1. einen Preis zu nennen (variiert der Preis je nach Kaufinteressent?), ohne 2. das Angebot auf Plattformen wie immoscout und anderen breit zu veröffentlichen, und 3. wegen erwartbar fehlender Käufer auch noch Steuergelder für den Abriss eines 150 Jahre alten Hauses zu generieren. Traurig und würdelos.

  • 5
    1
    Interessierte
    30.07.2019

    Schönes Gebäude ; noch paar Rosestöcke rings´rum und einen Biergarten ...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...