Hainichener Bürgermeister will im Amt bleiben

Seit 14 Jahren ist Dieter Greysinger Stadtoberhaupt. Nun strebt er eine dritte Amtsperiode an. Wenige Tage vor der Wahl hat ihn "Freie Presse" daheim besucht.

Hainichen.

Ein Ortsfremder würde in dem Eigenheim in der Hainichener Gartenstadt sicher nicht die Heimstatt des hiesigen Bürgermeisters vermuten. Hängt doch unübersehbar eine Flagge des FC Nürnberg am Rand des kleinen Grundstücks. Für Dieter Greysinger ist das kein Widerspruch zur Heimatliebe. "Ich lebe seit 28 Jahren hier, fühle mich eher als Hainichener, verleugne aber nicht meine Herkunft", sagt der gebürtige Franke, dessen Dialekt ihn in Telefonaten mit Fremden noch heute oft zu Franken zuordnen lässt.

Dass er im Privatleben aber eben auch Anhänger des Nürnberger Clubs ist, verhehlt der Rathauschef nicht. Immerhin spielten einst zwei seiner Onkel bei dem früheren Rekordmeister. Und seit dem Aufstieg des FC im Mai hängt die Fahne draußen. Greysinger hat aber auch Sympathie für den RB Leipzig, fährt zu dessen Spielen, wenn es die Zeit zulässt. Und ist Mitglied im Mittelsachsen-Fanclub des RB. Im Haus setzt sich die Fußball-Leidenschaft nicht so offenkundig fort. Hier dominiert eine anderes Hobby von Greysinger. So hängen im Flur zahlreiche Fotos von den Reisen, er selbst hatte vor seinem Umzug nach Hainichen im Jahr 1990 eine Weltreise unternommen. Das Fernweh von damals steckt bis heute in Greysinger. Angetan haben es ihm vor allem exotischen Ziele, jenseits der von Touristen ausgetretenen Pfade. Doch eine Sportaffinität findet sich auch im Haus - versteckt hinter dem Wohnzimmersofa, wo der Heimtrainer steht. Wenn Greysinger vom Alltagsstress abschalten will, steigt er in die Pedale. Fußball spiele er aber kaum: "Das mache ich nur, wenn es um nichts geht."

Ganz im Gegensatz zu seiner erneuten Bewerbung um den Posten des Bürgermeisters. Den Wettbewerb mit seinem Herausforderer sieht Greysinger "sportlich", nimmt den Wahlkampf ernst. Obwohl er mit der Verwaltungsarbeit beschäftigt ist, verteilt er auch selbst Wahl-Werbeflyer, geht zu Vereinen und stellt sich auf den Wochenmarkt.

Das Risiko einer Abwahl sei ihm bewusst. So wie bei der ersten Wahl 2004, nach der sein Arbeitsverhältnis als Sozialversicherungskaufmann bei der Krankenkasse Barmer endete. Auch bei der jüngsten Wahl 2011 hatte Greysinger einen so eindeutigen Sieg mit 78 Prozent der Stimmen zuvor nicht als gesetzt gesehen. Jetzt habe er zumindest kein schlechtes Gefühl: "Wenn ich durch die Stadt gehe, habe ich den Eindruck, dass ich bei vielen Leuten akzeptiert bin", sagt der 53-Jährige. Auch vor dem Hintergrund habe er sich keine Gedanken darüber gemacht, was er tun sollte, wenn er diese Wahl nicht gewinnt.

Mit der Aufregung vor dem entscheidenden Stichtag am 16. September soll die Familie nicht so stark belastet werden. Obwohl seine vier Jahre jüngere Frau und der 13-jährige Sohn in der Phase noch öfter auf ihn verzichten müssen, als sonst. Mit der Tatsache, dass der Ehemann und Vater Bürgermeister ist, könnten beide gut umgehen. Seine Frau begleite ihn zwar zu Empfängen, sei aber nie zu einer Stadtratssitzung gekommen. Im Gegenzug ist sein Beitrag an der Arbeit daheim "nicht unbedingt groß", wie er gesteht.

Umso stärker ist die Präsenz von Greysinger in der Stadt: Kaum eine Veranstaltung oder Mitgliederversammlung der Feuerwehren und Vereine lässt er aus. "Einmal im Monat gehe ich in die Kirche, einmal zum Spiel vom HFV", meint der Rathauschef, der auch ein Mandat im Kreistag hat. Die Parteimitgliedschaft - seit 1996 ist Greysinger in der SPD - spiele in dem Gremium genauso wie in der Kommunalpolitik eine "nachgeordnete Rolle".

Den Posten als Bürgermeister zu übernehmen, habe er nie bereut. "Ich liebe den Beruf ", sagt Greysinger.

Das Wahlforum der "Freien Presse" findet am 11. September, 18.30 Uhr, im Landgasthof Ottendorf, Nossener Straße 18 in Hainichen statt. Eintritt frei. Welche Fragen haben Sie an die Kandidaten Joachim Fänder und Dieter Greysinger? Schreiben Sie an:

red.mittweida@freiepresse.de


Sieben Fragen an Dieter Greysinger

1. Was ist Ihr Lieblingsplatz zuhause?

Mein Heimtrainer. Von dem verfolge ich Nachrichten, Filme und Fußballspiele, sorge ein wenig für Fitness.

2. Was ist Ihr Lieblingsort in Hainichen?

Das Rathaus, mein Wohnhaus und der Rahmenberg wegen des Blicks auf die Stadt.

3. Ihre Hobbys?

Reisen und Skifahren. Gerne besuche ich ein gutes Fußballspiel. 4. Was bringt Sie auf die Palme?

Unehrlichkeit, Unaufrichtigkeit und Menschen, die nur an sich denken.

5. Welchen Lebenstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?

Da fällt mir auf Anhieb nichts ein.

6. Was macht einen guten Bürgermeister aus?

Er sollte bürgernah sein, merken, wo Bürgern der Schuh drückt. Er sollte sachliche Kritik vertragen können und lernfähig sein.

7. Was sollte ein guter Bürgermeister nicht tun?

Er sollte nicht aufbrausend sein und nicht denken, weil er Bürgermeister ist, ist er unfehlbar. (jl)

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1Kommentare
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  • 0
    0
    Tauchsieder
    07.09.2018

    Zur Frage 5. fällt mir der Striegistalradweg ein.



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