KZ-Gedenkstätte: Fronten im Streit verhärten sich

Einigkeit prägte die Einweihung des Erinnerungspfades am ehemaligen KZ Sachsenburg. Doch hinter den Kulissen brodelt es.

Frankenberg.

Der Streit zwischen der Stadt Frankenberg und den Initiatoren der Gedenkstätte KZ Sachsenburg verschärft sich. Wegen eines "unabgestimmten" Fördermittelantrages behält sich Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) rechtliche Schritte gegen Anna Schüller und den Verein Geschichtswerkstatt vor. Sein Vorwurf: versuchter Subventionsbetrug. Vereinsvorsitzende Schüller hat dagegen den Eindruck, Firmenich wolle sie "mit Vorwürfen einschüchtern".

Der Konflikt zwischen der Stadt, die Träger der Gedenkstätte in Sachsenburg ist, und dem Verein entzündet sich an einem inzwischen zurückgezogenen Antrag zur Gedenkstättenförderung. "Stadt und Stadtrat nahmen Anfang dieses Jahres mit Befremden zur Kenntnis, dass Frau Schüller, gemeinsam mit anderen Beteiligten, einen Antrag zur Gedenkstättenförderung eingereicht hatte, in dem eine Ko-Finanzierung der Stadt mit 110.000 Euro beziffert war", sagte Firmenich. Der Bürgermeister nannte dieses Vorgehen "unabgestimmt und unehrlich". Seiner Ansicht nach sei das "versuchter Subventionsbetrug".


Anna Schüller bezeichnete diese Darstellung als "stark verkürzt". Sie erklärte: "Der Antragsteller war die Ostrale - Zentrum für zeitgenössische Kunst. Es handelte sich dabei um einen Projektantrag bei der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft für ein künstlerisches Ausstellungs- und Multiplikatorenprojekt im Fabrikgebäude in Sachsenburg." Ostrale-Chefin Andrea Hilger und Ekkehardt Oehmichen von der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg (LAG) hätten Schüllers Geschichtswerkstatt gefragt, ob sie den inhaltlichen Teil des Antrages gestalten könne. Darauf habe sich ihre Aufgabe als Kooperationspartner beschränkt. "Es war innerhalb des Projektteams nicht Aufgabe der Geschichtswerkstatt, sich um eine Ko-Finanzierung zu bemühen", betonte Schüller. Die finanziellen Absprachen hätten Ostrale und Oehmichen geführt. Nachdem ihr die Stadt mitgeteilt hatte, dass eine finanzielle Beteiligung nicht in Aussicht gestellt werde, bat Schüller die Ostrale, den Förderantrag zurückzuziehen. "Das ist umgehend geschehen." Im April war der umstrittene Antrag Gegenstand eines Treffens von Verwaltungsspitze und Initiatoren. Der Bürgermeister erklärte dort, dass wegen des unabgestimmten Vorgehens keine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich sei. Schüller sagte inzwischen, dass sie "keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit mit der Stadt Frankenberg" sehe.

Die Ostrale bestätigte am Mittwoch Schüllers Darstellung. Nach dem besagten Gespräch mit dem Bürgermeister sei der Antrag auf Förderung zurückgezogen worden.

Mit Fördermitteln der Stiftung Sächsische Gedenkstätten von 135.000 Euro rechnet hingegen die Stadt für den Pfad der Erinnerung, wovon bislang drei Tafeln stehen. Bis Jahresende sollen es weitere zehn Tafeln werden. Mit Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) hat die Gedenkstätte eine prominente Befürworterin. "Hier wurden die Henker des Naziregimes für die KZ ausgebildet", sagte sie mit Blick auf Sachsenburg. (mit dpa)

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