Lange Leitung zum schnellen Internet

Vizelandrat Lothar Beier wohnt in Leuterwitz, um das die Datenautobahn bislang einen Bogen macht. So wie ihm geht es tausenden Mittelsachsen. Und die müssen sich teils noch bis 2024 gedulden.

Freiberg.

Selbst Mittelsachsens Vizelandrat Lothar Beier hat zu Hause noch kein schnelles Internet. Er wohnt im kleinen Leuterwitz, einem Ortsteil von Leisnig. Von Internetfernsehen kann Beier nur träumen. "Mir kommt es vor, als würde die Verbindung immer langsamer", sagt der erste Beigeordnete in der Kreisverwaltung. Dabei zieht der 62-Jährige seine Augenbrauen hoch. Und fast hätte die Datenautobahn auch in Zukunft einen Bogen um Beiers Grundstück gemacht. Denn als er auf die interaktive Karte auf der Homepage des Landratsamtes klickte, war dessen Erschließung beim Breitbandausbau-Projekt des Kreises nicht geplant. Inzwischen sieht das anders aus. "Ich kann also hoffen", sagt Beier.

Sein Wohnort zählt zum sogenannten Cluster B, einer Region mit sechs Kommunen rund um Döbeln (Kriebstein eingeschlossen), in der der Landkreis fast 2800 förderfähige Anschlüsse ausgemacht hat. An denen liegt also eine Bandbreite von weniger als 30 Megabit pro Sekunde (MBit/s) an. Und so wie hier koordiniert der Kreis den Breitbandausbau auf Glasfaserbasis in fünf weiteren Regionen mit insgesamt 31 Orten Mittelsachsens, die zu Clustern zusammengefasst wurden.

Ziel ist, auf der Datenautobahn Geschwindigkeiten je Anschluss technisch bis mindestens 1 GBit (entspricht 1024 Mbit) pro Sekunde zu erreichen. Doch rechnet Mittelsachsens Breitbandkoordinator Mattias Borm damit, dass frühestens Ende 2024 alle vom Kreis verfolgten Projekte zum Breitbandausbau beendet sein können. Über den Stand der Vorbereitung hat er am Mittwochabend den Kreistag informiert.

Demzufolge seien jetzt die Zuschüsse von Bund und Land für Vorhaben zum Breitbandausbau für fünf der sechs Regionen (Clustern) bewilligt. Bis Jahresende ist von einer vollständigen Bewilligung aller Projekte auszugehen, so Borm. Das Gesamtvolumen der zu erwartenden Kosten für den vom Landkreis koordinierten Ausbau der Netze belaufe sich auf rund 240 Millionen Euro.

Am nächsten dran an einem Baubeginn ist das Cluster A. Zu der Region gehören Burgstädt, Claußnitz, Hartmannsdorf, Königshain-Wiederau, Lunzenau, Mühlau und Taura. Hier sei ein Baubeginn Ende 2020 realistisch. Das Ausbauvolumen beträgt in der Region knapp 18Millionen Euro, als förderfähig erkannt sind etwa 1300 Anschlüsse von Haushalten.

In anderen Regionen, wie im Cluster D (Erlau, Königsfeld, Mittweida, Teile von Rochlitz und Seelitz), sind Orte erst spät zum Projekt des Landkreises hinzugestoßen, so wie Mittweida und Erlau im September. Das bedeute aber laut Borm nicht, dass diese Vorhaben nun bei der Realisierung hinten an stehen. Denn der zeitliche Vorsprung anderer Regionen bei der Beantragung von Fördermitteln schmelze auf Tage zusammen. Bei allen sechs Clustern stehen hinter den Terminprognosen für eine Konzessionsvergabe an einen Telekommunikationsanbieter und für den Baubeginn die Jahreszahlen 2020 und 2021 mit je zwei Fragezeichen im Plan des Breitbandkoordinators.

Nicht nur beim Warten auf Fördermittelbescheide muss sich der Landkreis in Geduld üben. Auch die europaweite Ausschreibung der Konzessionsverträge mit Telekommunikationsanbietern braucht Zeit. Laut Borm müsse man allein für das Verfahren mit sechs bis neun Monaten rechnen. Und er erwartet keine einfachen Verhandlungen mit den Unternehmen. Die Erfahrung hat die Stadt Mittweida schon gemacht: Verhandlungen waren gescheitert, weil nur ein Anbieter sich auf die Ausschreibung gemeldet hatte, aber mit einem doppelt so hohen Preis kalkulierte, als von der Kommune für den Internet-Ausbau geplant. Ähnlich war es Erlau ergangen, das anfangs noch in Eigenregie den Breitbandausbau vorantreiben wollte, sich dann aber ebenfalls dem Landkreis anschloss.


Kommentar: Zu hohe Erwartungen

Wer glaubte, dass die Internet-Offensive des Landkreises Mittelsachsen zu schnellen Ergebnissen führt, wird enttäuscht vom jüngsten Bericht des Koordinators des Landkreises. Denn der offenbart, dass die Hürden auf dem Weg zum schnellen Internet fast so hoch sind wie die Erwartungen, die mit der großzügigen Förderung des Bundes und des Landes verknüpft worden sind. Nicht nur beim Thema Breitbandausbau wird klar, dass allein mit Geld des Staates die Probleme im ländlichen Raum nicht so schnell gelöst werden können. Auch bei anderen Vorhaben stellen Kommunen immer wieder fest, dass sie das Geld gar nicht verbauen können oder wenn, dann nur zu teils horrenden Preisen. Die Firmen, so auch Telekommunaktionsunternehmen, haben offensichtlich gar nicht die Kapazitäten, um eine so hohe Anzahl an Projekten im ländlichen Raum umzusetzen. Also gewinnen im Wettbewerb nur jene Vorhaben, die auch besonders lukrativ erscheinen, was die Preise nach oben treibt.

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