Männel-Doktor baut nun Lichterhäuser

Der Eppendorfer Werner Forberger tritt als "Arzt" für Engel und Nussknacker kürzer, weil die Farbpreise gestiegen sind. Seine detailgetreuen Nachbauten bietet der 88-Jährige weiter an.

Eppendorf.

Werner Forberger ist zwar eigentlich kein Baumeister, sondern gelernter kunstgewerblicher Maler. Dennoch interessiert sich der Eppendorfer für verschiedene Gebäude in der Region - auf besondere Weise. Fast täglich arbeitet der 88-Jährige in seiner kleinen Werkstatt, um sogenannte Lichthäuser zu bauen, also Häuser mit Beleuchtung.

Trotz seines Alters kann von Ruhestand demnach keine Rede sein - Forberger hat immer gut zu tun. "Das erste Haus dieser Art habe ich schon vor rund 70 Jahren gebaut", sagt er. Und: "Mittlerweile sind es deutlich mehr als 100 Exemplare geworden."

Dabei entstehen nicht nur Fantasiemodelle. Hauseigentümer können sich vielmehr bei Forberger den Nachbau ihres Anwesens bestellen. "In der Regel schaue ich mir dann alles von außen an und erstelle auf der Grundlage von Fotos in Eigenregie einen maßstabgerechten Nachbau. So habe ich zum Beispiel schon das Hotel 'Trakehnerhof' in Großwaltersdorf, 'Oehmes Gasthof' in Borstendorf, den 'Lotterhof' in Augustusburg oder die Eppendorfer Kirche nachgebaut", informiert der erfahrene Bastler.

Für eine einfaches Gebäude plant er mit rund 20 Stunden Arbeitszeit. "Kommen viele Details dazu - verzierte Balkons oder Erker -, kann es auch schon mal 50 Stunden dauern, bis alles fertig ist. Schließlich soll der Nachbau dem Original sehr nahe kommen", stellt Werner Forberger klar. Die Auftraggeber kamen bisher nicht nur aus der unmittelbaren Region, sondern auch aus den Altbundesländern. Auch wenn Forberger eigentlich sein Rentnerdasein in Ruhe genießen könnte, befindet sich der Senior fast ständig in Bewegung. Viele Jahre betätigte er sich auch als Männel-Doktor. Denn Nussknacker, Engel oder Bergmänner, die im Laufe der Zeit Schaden nahmen, bekamen von Forberger wieder neuen Glanz verliehen.

Da jedoch mittlerweile die Materialkosten, insbesondere für Farben, beträchtlich gestiegen sind, will er diesen Service jetzt nicht mehr anbieten. "Der Aufwand wird mir zu groß. Ich habe noch Restbestände aufzuarbeiten, danach kümmere ich mich nur noch um die traditionellen Lichthäuser", sagt Forberger, der während seines Berufslebens seiner Branche als kunstgewerblicher Maler nur bedingt treu gewesen ist. "Nach meiner Lehre, die ich im Jahre 1949 abschloss, verdiente ich 99 Pfennige die Stunde. Deshalb ging ich relativ schnell zur Talsperre Sosa, strich dort als Maler Wände an und verdiente das Dreifache", blickt er zurück.

Später leitete er elf Jahre lang hauptamtlich den Eppendorfer Dorfclub, um dann bei Ratiomat-Küchen bis ins bewegte Jahr 1989 Küchen anzustreichen und zu lackieren.

Seit er Rentner ist, wurde sein erlernter Beruf wieder Hobby. Nachbauen, sagt der Fachmann, lasse sich dabei "grundsätzlich fast alles". Mit Blick auf die Advents- und Weihnachtszeit hat der Eppendorfer Werkzeuge und Material längst bereitgelegt.

Erreichbar ist Werner Forberger in Eppendorf, Borstendorfer Straße 46 - und unter der Telefonnummer 037293 436.

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