Nach Anschlag aufs "Mangal": Zukunft des Lokals offen

Vor einem Jahr wurde das Restaurant angezündet. Der Wirt kämpft weiter mit den Folgen der Attacke und hat einen Wunsch.

Frankenberg.

Von weitem sieht alles ziemlich normal aus. Ein großes Schild mit der Aufschrift "Mangal" lockt an der Straße der Nationen in das gleichnamige türkische Restaurant. Doch kommt man näher, wird deutlich, dass nichts mehr ist, wie es einmal war. Viele kleine gelbe Blätter liegen auf der Terrasse, die Tische und Stühle, die dort einmal für die Gäste standen, sind weggeräumt. Die Eingangstür aus Holz und Risse in den großen Fenstern sind noch immer Zeugnisse des Anschlags vor einem Jahr. Ein Blick durch die Fenster zeigt: Im Restaurant selbst sieht es sauber aus. Nahezu nichts erinnert mehr an das Feuer und den Schutt, der danach dort lagerte. In der Nacht zum 18. Oktober 2018 waren unbekannte Täter in die Gaststätte eingedrungen, hatten an drei Stellen Benzin ausgeschüttet und Feuer gelegt. Sie nahmen keine Rücksicht auf die Hausbewohner, darunter Kinder.

Der Anschlag auf das türkische Lokal reihte sich im Sommer und Herbst vergangenen Jahres ein in eine Folge von Angriffen auf ausländische Restaurants in Chemnitz. Das Polizeiliche Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes (LKA) übernahm die Ermittlungen, weil ein politisch motivierter Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann. Bis heute dauern die Ermittlungen an, teilt Staatsanwältin Jana Brockmeier mit. Es werde in verschiedene Richtungen ermittelt, es sei keine Aussage dazu möglich, wie lange die Untersuchungen noch dauern werden, sagt die Staatsanwältin. Täter konnten bisher jedoch nicht ermittelt werden, so Brockmeier. Hausbewohner hatten in der Nacht einen Knall gehört. Sie sahen nach Ausbruch des Brandes drei Personen vor dem Lokal. Laut Polizei sollen die Männer mit einem roten Pkw der Kompaktklasse geflüchtet sein.

Wenige Wochen später besuchte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig Wirt Ali Tulasoglu in seinem ausgebrannten Lokal. Später traf er auch Kanzlerin Angela Merkel, sprach mit ihr über den Anschlag und die Ungewissheit, die ihn seit dem Angriff quält. Auch heute belaste ihn der Umstand, noch immer nicht zu wissen, wer sein Restaurant verwüstete. "Ich möchte wissen, wer das war", sagt Tulasoglu. Obwohl er das "Mangal" zunächst wiedereröffnen wollte, nahm Tulasoglu dann doch Abstand von seinem Vorhaben. In Chemnitz weiter eine Gaststätte zu führen, sei ihm "zu heiß", sagte er. Mittlerweile hat er die Räume an der Straße der Nationen gekündigt und in seinem Wohnort Frankenberg ein neues Lokal eröffnet. Doch mit der Attacke auf das "Mangal" hat Tulasoglu noch lange nicht abgeschlossen. "Nachdem ich von dem Angriff in Halle gehört hatte, konnte ich die Nacht danach nicht schlafen. Alles kam wieder hoch."

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