Schulspinde bleiben Streit-Thema

An der Frankenberger Lindgren-Grundschule sind zwar 180 Spinde aufgestellt. Ein Teil der Kinder ist aber immer noch auf eine Interims-Garderobe angewiesen. Selbst der Elternrat ist ratlos.

Frankenberg.

Auch fast vier Monate nach Beginn des Schuljahres sorgt der Aufbau neuer Schulspinde an der Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankenberg immer noch für Frust unter einigen Eltern der insgesamt 300 Mädchen und Jungen, die an der Einrichtung unterrichtet. Der ursprünglichen Ankündigung der Stadtverwaltung, wonach bereits Anfang August für die Kinder neue Schulspinde aufgebaut sein sollten, folgte bisher eine Planänderung nach der anderen.

Schulelternsprecher Sven Menzel, der sich bisher um Vermittlung zwischen Eltern, Schulleitung und Schulträger in der Sache bemühte, hat mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, dass es eine für alle zufriedenstellende Lösung gibt. "Keine einzige Zusage wurde jemals eingehalten oder findet heute in irgendeiner Form Beachtung", sagt Menzel. Dass es dem Schulträger derartige Probleme bereitet, in einer Grundschule ein paar Spinde zur Verfügung zu stellen, hätte er sich nie träumen lassen. Nach seinen Informationen seien nun seit Oktober 180 Spinde aufgestellt, die die Eltern in Einzelverträgen von einer Firma gemietet haben. Die Kosten von 30 Euro für ein Jahr akzeptiere die Mehrheit der Eltern, obwohl in anderen Schulen der Stadt Schulspinde kostenfrei zur Verfügung stehen. "Einzig die Art und Weise, wie uns Eltern diese Verträge aufgezwungen werden, stößt milde ausgedrückt auf Unverständnis", so Menzel. So sollte nach früheren Plänen der Stadt ein Wechsel des Spind-Anbieters möglich sein, was den Eltern entgegen gekommen wäre, die Vorbehalte gegenüber dem bisherigen Anbieter äußerten. Doch im Nachgang stellte sich heraus, dass die Stadt nicht aus dem Vertragsverhältnis mit der Firma aussteigen konnte. Das Unternehmen lehnte es auch ab, einen Generalmietvertrag mit dem Schulträger abzuschließen. So verzögerte sich das Aufstellen der Spinde, die Schüler mussten mit einer Notvariante leben, denn die alten - als zu klein bewerteten - Spinde waren längst abgebaut worden. So landeten Ranzen, Kleidung und zusätzliche Unterrichtsmaterialien der Kinder in zu Garderoben umfunktionierten Gruppenräumen. Und bis heute gehört diese Notlösung zumindest mit einem Raum noch zum Alltag. Laut dem Schulelternsprecher gebe es nun drei Gruppen von Kindern: Ein Teil verfügt bereits einen Spind. Weitere Kindern haben einen Spind bestellt, der aber noch nicht bereit steht. Diese Gruppe dürfe einen Raum als Garderobe nutzen. Für eine dritte Gruppe von Kindern, deren Eltern keinen Spind beantragt haben, stünden für ihre Sachen lediglich ein paar Haken zur Verfügung, welche den Bedarf bei weitem nicht decken. "Schulranzen, Sportbeutel, Schuhe und Kleidungsstücke nehmen dann den verbleibenden Fußboden in Beschlag", beschreibt Menzel die Situation.


Mit der will sich auch Anja Hänig, Mutter eines achtjährigen Schülers, nicht abfinden. Sie hatte bereits in der Sache eine Petition an den Landtag gerichtet, wendete sich nun genauso wie eine weiter Betroffene mit den Beschwerden an Schulträger, Bildungsagentur und Unfallkasse Sachsen, da sie nach eigenen Angaben auf Beschwerden zu den "chaotischen Zuständen" an der Schule keine Reaktionen der Stadtverwaltung erhalten habe. So sehen die Mütter mit der aktuellen Situation in der Not-Garderobe auch Unfall- und Brandschutz gefährdet.

Die Stadtverwaltung reagierte bis gestern Abend nicht auf die zu den erneuten Elternbeschwerden gestellten Anfragen der "Freien Presse". Bürgermeister Thomas Firmenich hatte noch Anfang des Monats erklärt: "Ich denke, wir sind jetzt auf einem soliden Weg."

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