Verein erhält das Gestrige für morgen

Altmittweidaer zeigen im Heimathaus eine Ausstellung zur Dorfgeschichte. Die Männer sind alle 70 Jahre und älter. Junge Mitstreiter werden dringend gesucht - um das Alte zu erhalten und an die Jungen weiterzugeben.

Altmittweida.

Bewahrenswertes Kulturgut oder reif für den Abfallhaufen der Zeitgeschichte? Für die Mitstreiter des Heimatvereins Altmittweida ist die Frage klar beantwortet: Die in ihrer schmucken Heimatstube verwahrten Sachzeugen berichten auf unwiederbringliche Weise aus dem Leben in ihrer Gemeinde. Doch finden im von Computer und digitalen Applikationen geprägten Alltag die Arbeitsmittel der Vorgängergenerationen wie eiserner Feldpflug, emaillierter Aufwaschzuber oder griffelbeschriebene Schiefertafel überhaupt noch Anklang?

"Wir sind die glorreichen Fünf", sagt darauf Franz Vielmeier, der am Wochenende zusammen mit Sigrun Bemmann den obligatorischen Öffnungsdienst der Heimatstube innehatte und eine überschaubare Anzahl Schaulustiger zum Ausflug in die Vergangenheit einlud. Sein einem legendären Actionfilm entlehntes Zitat will der Endsiebziger durchaus als kleine Kampfansage verstanden wissen: "Eine Handvoll aktiver Mitglieder hält das Vorhaben Heimatstube eisern am Leben und möchte dieses Kleinod nicht verloren sehen. Lassen sich unsere Gäste auf einen Besuch ein, sind sie begeistert, werden bei ihnen im Anblick der Utensilien ungezählte Erinnerungen wach", sagt Vielmeier. Doch die Zukunft der Sammlung sei gefährdet, der Verein habe seit geraumer Zeit keine interessierten Einheimischen mehr zur regelmäßigen Mitarbeit gewinnen können. Und angesichts der Coronapandemie sei auch die Anzahl der Besucher erheblich zurückgegangen. "Gerade hier startende Klassentreffen waren zu Beispiel eine feste Größe für das Beisammensein und Erinnerungen an früher", so der Schatzmeister des Vereins. Trotz der derzeit nicht gerade rosigen Lage, bleibt er mit seinen Gleichgesinnten entschlossen: "Wir müssen über die Organisation und Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit nachdenken." Es stehe die Frage: Wie kann die kleine Interessengemeinschaft den Museumsbetrieb aber auch die Sammlungstätigkeit samt Nachforschungen und Inventarisierungstätigkeit aufrecht erhalten? Als durchweg 70-Jährige sei der Kräfteverschleiß in der Truppe schon zu spüren. Zur im November anstehenden Mitgliederversammlung sieht er mit den Gemeindeverantwortlichen Redebedarf zu einer Reformation der Vereins- und Ausstellungstätigkeit.

Vorerst sieht Vielmeier die jeden zweiten Samstag im Monat gebotene Öffnungszeit noch abgesichert, ebenso könnten die regelmäßigen Arbeitstreffen gestemmt werden. "Für uns gilt ein solches Heimatmuseum als eindrucksvolles Element selbstbestimmter Gemeindearbeit, die zu Hunderten zählenden Exponate zeigen unseren Werdegang. Das sollte einfach nicht verloren gehen."

Während der 2009 in Altmittweida begangenen 800-Jahr-Feier wurde der Impuls gegeben, angesichts des zusammengetragenen und ausgestellten Materials zur Ortsgeschichte einen Heimatverein zu gründen. 2010 wurde dieser Schritt vollzogen und mit der zwölf Monate später geschaffenen schmucken Heimatstube hatten die Akteure um Vereinschef Hans Steinhoff ein solides Ausstellungsdomizil. "Was einst unser Ortsleben bestimmte, ist jetzt größtenteils im Museum nachzuvollziehen. Bestes Beispiel ist die Landwirtschaft, die den Lebensrhythmus hier prägte", so Vielmeier

Angesichts der Teile des Inventars des früheren Lebensmittelladens Walter Müllers zum Beispiel würden bei Einheimischen durchaus Emotionen wach: Waage, Sauerkrautfass und Preisliste lassen thematisch in Vergangenes eintauchen. "Seit einiger Zeit haben wir eine Spendensammlung laufen, um zwei Vereinsfahnen aus den Jahren 1869 und 1889 restaurieren zu lassen. Dieses Vorhaben liegt uns derzeit sehr am Herzen, doch dazu bedarf es eines Betrages im hohen vierstelligen Bereich." Die dem früheren Turnverein gewidmeten Schmuckteile berichten von jenen Tagen, in denen Altmittweidaer Könner des Umschwungs und der Rolle waren.

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