Volksbank Mittweida: Trotz Krise auf Wachstumskurs

Die Genossenschaftsbank verzeichnet bisher keine Kreditausfälle bei ihren Firmenkunden und wertet das als Zeichen einer stabilen regionalen Wirtschaft. Sie punktet zudem im Innovationswettbewerb mit eigenen Projekten.

Mittweida.

Während international tätige Unternehmensberater und Börsenanalysten Krisenszenarien für deutsche Kreditinstitute begleitet von Gewinneinbrüchen und Kreditverlusten für das zweite Halbjahr prognostizieren, geben sich die Vorstände der Volksbank Mittweida, Leonhard Zintl und Michael Schla-genhaufer, zuversichtlich. Sie bauen ihren Optimismus auf eine robuste Wirtschaft der Region, die "größtenteils gut durch die Krise" komme. Und wenn es den Unternehmen der Region, also den rund 4000 Firmenkunden der Volksbank, gut gehe, "dann geht es auch der Volksbank gut", so Vorstand Zintl.

Die Mittelständler hierzulande hätten in den Vorjahren gut gewirtschaftet, deren Eigenkapitalquote sei gestiegen. Und so verzeichne die Volksbank bisher keine Kreditausfälle als Folge der Coronakrise. Nur in einem "überschaubaren Rahmen" hätten Unternehmen nach Stundung von Krediten oder Liquiditätshilfen gefragt. Soforthilfen des Staates hätten gut gegriffen. Das Kreditgeschäft ist eine Art Stimmungsbarometer. Wer nicht investiert oder sich Schulden nicht leisten kann, nimmt keinen Kredit auf oder kann ihn mangels Kapital nicht bedienen. Auch die Volksbank Mittweida selbst sei "extrem stabil unterwegs". Schlagenhaufer: "Wir sind weiter leicht auf Wachstumskurs, wenn auch nicht auf Vorjahresniveau." Zum Ende 2019 hatte die regionale Genossenschaftsbank Kundenkredite im Umfang von rund 1,78 Milliarden Euro ausgewiesen. Die 37.330 Kunden hätten Einlagen von rund 1,35 Milliarden Euro der Bank anvertraut. Das Eigenkapital der Bank stieg um 8,7 Prozent auf 260 Millionen Euro an. Ausreichend Eigenkapital ist wichtig, um Risiken beim Kreditgeschäft abfedern zu können.

Vorstandsmitglied Zintl geht zwar davon aus, dass sich dieses Risiko noch leicht erhöhen wird, "aber nicht bedrohlich". "Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise kommen zeitversetzt." Man werde sie voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr 2021 spüren. Und natürlich gebe es auch Betriebe, die jetzt finanzielle Engpässe haben. Aber nicht jede Branche sei von der Coronakrise gleichermaßen hart getroffen worden wie zum Beispiel die Gastronomie und Hotellerie, deren Betriebe aufgrund der Infektionsschutzauflagen zeitweise schließen mussten.

Die Volksbank habe ihre Kunden über das Kreditgeschäft hinaus auch in der Krise beraten, so zum Beispiel über Fördermittel, Stundungen von Sozialversicherungsbeiträgen oder zu Themen der Liquiditätshilfe. Dabei habe es sich als Vorteil erwiesen, dass die Volksbank Mittweida schon vor der Krise in die Digitalisierung investierte. Jeder der 178 Mitarbeiter habe ein Tablet, digitale Kundenberatung sei für die Bank nichts Neues und habe in der Krise an Bedeutung gewonnen. Ebenso wie das Online-Banking, welches etwa 83 Prozent der Kunden nutzen.


Genossenschaftsbank zählt erneut zu den Top 100 der innovativen Unternehmen

Zum dritten Mal in Folge ist die Volksbank Mittweida als eines der 100 innovativsten mittelständischen Unternehmen in Deutschland ausgezeichnet worden. Im Wettbewerb "Top 100" hatten sich nach Angaben von Volksbank-Vorstand Leonhard Zintl insgesamt 364 Unternehmen beworben. Veranstalter des Wettbewerbs ist die Firma Compamedia. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Nikolaus Franke, Professor für Innovationsforschung an der Wirtschaftsuniversität Wien. Bewertet wurde unter anderem, inwieweit die Vorstände Innovationsprozesse fördern und in welcher Weise sich Mitarbeiter in dieser Hinsicht einbringen können. Laut Zintl zähle die Volksbank in der Kategorie "Innovationsklima" zu den besten zehn deutschen Teilnehmern des Wettbewerbs.

Innovation macht sich bei der Volksbank Mittweida laut Vorstand Zintl unter anderem in Fortbildungsveranstaltungen für die Mitarbeiter bemerkbar, bei denen künftige Arbeitsmethoden, digitale Geschäftsmodelle und digitale Kundenberatung eine Rolle spielten. In sogenannten Zukunftswerkstätten würden Themen wie Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologien behandelt. Bei letzterem Thema sei der Standort Mittweida durch die gemeinsame Initiative von Volksbank, Hochschule und Stadtverwaltung auf dem "Weg zu einem Leuchtturm". Dem Transfer von Wissen zur Realwirtschaft soll künftig auch der Betrieb der "Werkbank 32", einem Innovations- und Gründerzentrum an der Bahnhofstraße in Mittweida, dienen. Ein Mieter in dem von einer Volksbanktochter betriebenen Zentrum ist das Blockchain Competence Center der Hochschule Mittweida. (jl)

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