Wald nach Munitionsfunden gesperrt

Die Wanderwege in dem Gebiet in Auerswalde dürfen nicht mehr betreten werden. Was genau dort liegt, ist unklar. Die Spuren reichen aber bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück.

Lichtenau.

Der Wald in Lichtenau nördlich des Gewerbegebietes Auerswalde ist ein beliebtes Ausflugsziel für Anwohner: "Viele gehen dort spazieren, joggen oder fahren Rad. Der Wald liegt einfach sehr günstig", sagt Julia Bitterlich, die in der benachbarten Waldsiedlung wohnt. Mit Erholung im Grünen ist dort nun aber erst einmal Schluss. Die Gemeindeverwaltung hat alle Wanderwege in dem Gebiet sperren lassen, berichtet Martin Lohse, Referent des Bürgermeisters. Grund seien Munitionsfunde.

Laut Lohse hat ein Spaziergänger Munition entdeckt und die Polizei informiert. Um was es sich genau handelte, sei nicht bekannt. Nach "Freie Presse"-Informationen soll aber ein größeres Geschoss gefunden worden sein. Der Kampfmittelräumdienst der Polizei habe daraufhin die Gemeinde in Kenntnis gesetzt, die wiederum Absperrbänder und Verbotsschilder an den Wegen angebracht hat. Der 22 Hektar große Wald ist zwar in Privatbesitz, für die Wege sei aber die Gemeinde verantwortlich, sagt Lohse. Nach seinen Auskünften bestehe keine Gefahr für Anwohner, es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Kontrolliert werde die Einhaltung des Zutrittsverbots in unregelmäßigen Abständen. Verstöße würden als Ordnungswidrigkeit geahndet.

Anwohnerin Diana Helms ist gern in dem Wald unterwegs, hat aber Verständnis für die Sperrung. "Man macht sich Gedanken, was bei Hitze mit der Munition passieren kann." Der Fund kommt für sie indes nicht überraschend. "Wir wussten schon immer, dass dort etwas liegt. Meinen Kindern habe ich deswegen verboten, die Waldwege zu verlassen", sagt Helms.

Tatsächlich ist Auerswalde schon in einem Bericht des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 1996 als Verdachtsstandort für Rüstungsaltlasten erfasst. Hintergrund ist, dass das Gelände von Anfang bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts militärisch genutzt wurde. So soll sich nahe des heutigen Bahnhofs Oberlichtenau von 1913 bis 1919 ein königlich-sächsisches Artillerie-Depot befunden haben. Im Wald selbst habe die Wehrmacht in den 1930er-Jahren ein acht Hektar großes Sperrgebiet samt Munitionsdepot und tief im Boden liegender Bunkeranlagen eingerichtet, berichtet Frank Stumvoll. Der Ottendorfer hat den Wald 2002 erworben. Seinen Recherchen zufolge wurden in dem Depot unter anderem Granaten gelagert. Es sei nach Ende des Zweiten Weltkriegs geräumt worden. Offenbar wurden aber nicht alle Munitionsreste beseitigt. In den 1960er-Jahren sei ein Kind bei einer Explosion im Wald verletzt worden, woraufhin erneut nach Munition gesucht wurde, berichtet Stumvoll. "Ich war davon ausgegangen, dass der Wald damals ordentlich beräumt wurde."

Nach dem neuerlichen Fund habe er sich mit dem Kampfmittelräumdienst besprochen, sagt der Waldbesitzer. Die Experten hätten eine Sperrung empfohlen. "Ich habe dann erst selbst abgesperrt, das haben Spaziergänger aber ignoriert." Daraufhin habe die Gemeindeverwaltung Absperrbänder und Hinweisschilder angebracht.

Wie geht es nun weiter? Anwohnerin Helms hofft auf eine umfassende Lösung des Problems. "Es wäre schön, wenn alles restlos beseitigt würde", meint sie. Das sieht auch Stumvoll so. Er betreibt Forstwirtschaft in dem Gelände. "Im Moment darf ich aber gar nichts machen. Dabei müssten derzeit die kleineren Bäume gepflegt werden."

Nach seinen Informationen wird eine Privatfirma im September oder Oktober erste Untersuchungen vornehmen. Danach werde festgelegt, in welchem Umfang der Wald beräumt werden muss. Weil bei der Räumung nach dem Zweiten Weltkrieg Granaten vor Ort gesprengt und einzelne Teile weit verstreut wurden, könne es passieren, dass der gesamte Wald durchsucht werden muss. Diese Arbeiten würden sich wohl bis über den Sommer 2019 hinziehen, hat Stumvoll in Erfahrung gebracht. Der Wald bliebe so lange komplett gesperrt. Für den Besitzer würde das Einnahmeausfälle bedeuten. "Ich nehme das aber so hin. Mir ist an einem sicheren Grundstück gelegen", sagt Stumvoll.

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