Warum die Wand eine Geschichte erzählt

Regenbogen, Blumen und die Spinne Bobbi zieren eine Mauer an der Mittweidaer Kita "Regenbogen". Die Motive durften die Kinder selbst auswählen.

Mittweida.

Jens Ossada hockt in einem weißen Overal und mit Mundschutz an der Außenwand auf dem Gehweg vor der Awo-Kindereinrichtung "Regenbogen" in Mittweida und sprüht bunte Farben daran. Neugierig stehen die Mädchen und Jungen am Zaun ihres Spielgartens und beobachten ihn dabei. Der Künstler lässt sich dadurch nicht stören, auch gibt er gern Auskunft auf die Fragen der Knirpse. Sie haben immerhin im Vorfeld die Motive ausgesucht. "Ein Regenbogen sollte auf jeden Fall mit dabei sein und die Sonne, die Springspinne Bobbi, eine Grille und natürlich die Maus. Damit wird auf über 40 Metern eine bunte Geschichte erzählt", berichtet lachend Jens Ossada, dessen 782. Kunstobjekt damit entsteht.

Dass die "Regenbogen"-Kinder jetzt so eine farbenfrohe Wand haben, hängt mit einer Lesung in der Kindereinrichtung zusammen. Buchautor Karl-Heinz Nebel hatte das Buch "Bobbi", das seine Tochter Christine schrieb und illustrierte, vorgestellt. Ihr Werk entstand innerhalb des Projektes "Steh-Auf-Geschichten" im Müllerhof Mittweida und erzählt die Geschichte einer jungen Springspinne, die nach einem mächtigen Sturm im Sommerwald ihre Familie verliert, sich fortan auf die Suche nach ihr macht und dabei jede Menge andere Insekten kennenlernt.

Der Ehrenberger Künstler Jens Ossada selbst hatte die Idee, die modernisierte Mauer entlang der Johann-Sebastian-Bach-Straße mit Motiven aus dem Kinderbuch zu zieren. Er betreut das Projekt "Steh-Auf-Geschichten" organisatorisch mit.

Aus dem Grundgedanken entstand zunächst eine Mal-Aktion in der Kindertagesstätte. "Ziel dabei war, den Kindern einen Zugang zur künstlerischen Gestaltung zu ermöglichen und kreative Ideen auf das Papier zu bringen. Daraus habe ich das XXL-Wandbild zusammengestellt, über die Hälfte ist im Groben bereits fertig", erklärt der 40-Jährige, der schon mehrfach Wände mit seiner Graffitikunst verzierte. So gestaltete er beispielsweise mit Schülern aus Lunzenau eine Wand gegenüber vom Heimathaus in Lunzenau.

Seine größtes Werk befindet sich allerdings in Düsseldorf. Auf 400 Quadratmetern sprühte er dort den Produktionsprozess der Papierherstellung auf eine Betonwand. Hier in Mittweida sind es immerhin 70 Quadratmeter. Der Freistaat Sachsen fördert die Graffiti-Aktion. Das Material selbst wird von Jens Ossada und mehreren Unterstützern zur Verfügung gestellt. Dazu zählen die Stadtverwaltung Mittweida, die Stiftung Musik-Kunst-Natur und der Müllerhof in Mittweida.

Damit die bunte Wand lange erhalten bleibt, bekommt sie zum Abschluss eine Wachsschicht. Zuvor wird durch die ganze Geschichte der Schriftzug "Steh auf - erzähl deine Geschichte" gesprüht. Je nach Wetterlage wird das Wandbild in den nächsten Tagen fertiggestellt.

In der Kindertagesstätte "Regenbogen", die seit 1994 in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Südsachsen gGmbH ist, werden gegenwärtig rund 100 Mädchen und Jungen von 14 Erzieherinnen betreut. 2019 wird das 40-jährige Bestehen der Einrichtung als Kindertagesstätte gefeiert.

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