Werner Helfen ist tot

Er war zeitweise Deutschlands bekanntester Fahrlehrer, ein engagierter Kommunalpolitiker und Chef der Gebietsverkehrswacht. Der Freiberger wurde nur 62 Jahre alt.

Freiberg.

Werner Helfen ist in der Nacht zum Mittwoch unerwartet verstorben. Der Fahrlehrer, Kommunalpolitiker und Chef der Gebietsverkehrswacht Freiberg wurde nur 62 Jahre alt. Der Freiberger war nicht nur leidenschaftlicher Fahrlehrer. Er hinterließ auch als Stadtrat und Kreisrat Spuren. Zuletzt warb er für die FDP im Landtagswahlkampf als Direktkandidat Stimmen ein. 1957 im rheinland-pfälzischen Ensch an der Mosel geboren, war Werner Helfen nach der Lehre zum Kfz-Mechaniker von 1976 bis 1988 Berufssoldat. Nach der Wende verschlug es ihn nach Sachsen. Er war geschieden, Vater zweier Kinder und lebte mit seiner neuen Partnerin in der Bergstadt.

Neben der Tätigkeit in seiner Fahrschule an der Anton-Günther-Straße engagierte sich Helfen auch als Vorsitzender der Gebietsverkehrswacht Freiberg. Unermüdlich machte er auf Unfallschwerpunkte aufmerksam. Bundesweite Bekanntheit erlangte er, als er im Februar 2015 in einem Fernsehbeitrag auf eine Gefahrenstelle zeigte, während hinter ihm ein Unfall passierte. Für die Sendung "Werner kann helfen" von Freiberg TV hatte er über Gefahren der Einmündung der Heinrich-Heine- in die Beethovenstraße sinniert, als es hinter ihm an genau dieser Ecke krachte. Das Video wurde ein Internet-Hit. Medien berichteten bundesweit davon.


Wenige Monate später bewarb sich Helfen als einer von fünf Kandidaten um das Amt des Oberbürgermeisters. Mit großem Einsatz zog er auch hier in den Wahlkampf und erhielt im ersten Wahlgang 6,2 Prozent der Stimmen. Vor dem zweiten Wahlgang hatten sich Christdemokraten und Liberale darauf verständigt, dass Helfen zugunsten von Holger Reuter (CDU) verzichtet; letztlich gewann Sven Krüger, damals SPD, heute parteilos.

Seit 2014 mischte Werner Helfen im Stadtrat mit und war im Gremium beliebt und geschätzt. "Er war ein überaus sympathischer und engagierter Mensch", würdigte ihn am gestrigen Mittwoch Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos). Er habe immer für die Sache gebrannt und habe immer versucht, sich für sein Hauptthema, die Verkehrssicherheit, einzusetzen. Laut Krüger habe Helfen seine rheinische Frohnatur ausgezeichnet. "Er wird fehlen." Ähnlich äußerte sich Linkenfraktionschefin Dr. Ruth Kretzer-Braun, die eigenen Aussagen zufolge ganz erschrocken, ja erschüttert gewesen war, als sie die Nachricht erhielt. "Er war ein fröhlicher, offener Mensch, einer, mit dem wir gut zusammengearbeitet haben", fuhr sie fort. Weitere Stadtratskollegen zeigten sich ebenfalls tief betroffen, darunter Roswitha Beidatsch von den Freien Wählern. "Man konnte mit ihm über alles reden. Er war unkompliziert, offen, konstruktiv und dabei sehr menschlich." AfD-Mann Marko Winter kommentierte: "Diese Nachricht macht betroffen. Wir kannten Werner Helfen als lebenslustigen Freiberger mit großem Herzen. Unser herzliches Beileid."

Helfen saß außerdem von 2014 bis 2019 für die FDP im Kreistag. "Er hat sich mit sehr großem Engagement für die Belange der Menschen und der Region eingesetzt. Im Kreistag habe ich ihn stets freundlich und im hohen Maße sachorientiert erlebt", zeigte sich Landrat Matthias Damm (CDU) betroffen. In der vergangenen Wahlperiode habe sich Helfen für die Pflege der Partnerschaften des Landkreises eingesetzt und sei Mitglied im Behindertenbeirat gewesen. "Mit menschlich angenehmer Art und Weise hat er Großartiges im Ehrenamt geleistet. Meine Gedanken sind bei seinen Angehörigen", so Damm. Mit "großer Bestürzung und Trauer" reagierte Volker Uhlig (CDU), langjähriger Landrat, auf die Nachricht. "Wir haben uns respektiert und geachtet." Helfen habe "in Freiberg einfach zur Stadt gehört", sagte Uhlig. Mit besonderen Aktionen, zum Beispiel mit der Verkehrswacht, habe er immer wieder für Akzente gesorgt. "Und früher sind wir auch zusammen Motorrad gefahren", so Uhlig.

Große Trauer auch bei den Liberalen. "Es ist unfassbar. Wir stehen alle unter Schock", sagte Sachsens FDP-Landeschef Holger Zastrow. Noch am Wochenende sei Werner Helfen für die Verkehrswacht beim Tag der Sachsen in Riesa gewesen. Laut Zastrow hat Helfen "liberale Politik im besten Sinne" gemacht. Er sei kein Redner, sondern ein Macher gewesen. Mit seinem Optimismus habe er andere angesteckt. Werner Helfen und seine Lebensgefährtin hätten ihn oft privat im Landgut Hofewiese in der Dresdner Heide, das er mit seiner Frau wiederaufbaut, besucht. Zastrow: "Unsere Gedanken sind bei seiner Lebensgefährtin und seiner Familie. Es ist ein harter Schlag."

"Werner Helfen war immer lebenslustig, optimistisch, sehr zuverlässig und für mich ein guter Freund und Weggefährte", sagte Volkmar Schreiter, der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Kreistag. Mit seiner heiteren Art und seinem Charisma habe Helfen immer eine positive Ausstrahlung gehabt. "Es tut uns unendlich leid, dass er so früh aus dem Leben gerissen wurde. Unser Mitgefühl gilt seiner Lebensgefährtin, die immer für ihn da war und ihn stets unterstützt hat", bemerkte Schreiter.

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