Die erste interaktive Wabenbrücke der Welt wurde im Jahr 2015 in Chemnitz eingeweiht. Noch immer gilt das Objekt aus Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung als wegweisend.
Die erste interaktive Wabenbrücke der Welt wurde im Jahr 2015 in Chemnitz eingeweiht. Noch immer gilt das Objekt aus Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung als wegweisend. Bild: Dirk Hanus/Archiv
Sachsen
Aus diesen Stoffen sind neue Erfolge gestrickt

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Watte aus Hanf, Brücken aus Textil, Mode aus Seide und Kaschmir, Klamotten mit Markenbewusstsein - so wird Tradition verwebt.

Kaum eine Branche unterlag in den vergangenen Jahren einem solch immensen Strukturwandel wie die sächsische Textilindustrie. Wo einst die Webstühle und Strickmaschinen laut ratterten und klapperten, wurde es nach der Wende schnell ziemlich still. Dass der Freistaat, vor allem aber Südwestsachsen inzwischen in Sachen Textilhandwerk- und -entwicklung aber wieder eine große Rolle spielt, liegt an Netzwerken wie dem in Chemnitz ansässigen Verbund "Sachsen!Textil". Die Experten wissen: "Der Markt verlangt zunehmend nach einfach zugänglichen, regionalen und nachhaltigen textilen Lösungen." Seit mehr als über 20 Jahren tragen Initiativen wie diese zur Restrukturierung der deutschen Textilindustrie bei.

Watte aus Hanf

Seit dem Jahr 2000 betreute "Sachsen!Textil" nach eigenen Angaben 110 Forschungsprojekte mit über 350 beteiligten Unternehmen und Instituten. Hinzu kamen 23 Marketing- und Vertriebskooperationen mit 89 Firmen sowie vier Projekte der grenzüberschreitendenden Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien. Etwa 90 Prozent der in Forschungsprojekten beteiligten Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen. Ein aktuelles Beispiel für nachhaltiges Arbeiten ist die Entwicklung von Watte aus Hanffasern. Diese könnten später Einsatz in nachhaltigen Hygiene- und Medizinprodukten sowie als Substitut für petrochemische Faserstoffe und Baumwolle finden.

Leichtbau aus Textilien

Ebenfalls in Chemnitz angesiedelt, zeigt sich das Sächsische Textilforschungsinstitut e.V. (STFI) seit mehr als 30 Jahren als Innovationspartner und Dienstleister der Industrie. Textile Werkstoffe haben die Entwicklung in der Region von jeher geprägt. Und so beschäftigen sich die Mitarbeiter des STFI heute vor allem mit Themenschwerpunkten rund um technische Textilien, Vliesstoffe, textilen Leichtbau, Funktionalisierungen, Recycling, Digitalisierung und Industrie 4.0. Ein Beispiel für textilen Leichtbau zeigt sich mitten in der Chemnitzer Innenstadt: Ein echter Hingucker ist die an der Haase-Fabrik aufgebaute interaktive Wabenbrücke. Sie hat eine Spannweite von etwa 32 Metern und einer Laufbreite von 2,50 Metern. Sie basiert auf einer Leichtbau-Konstruktion aus Tragsegmenten aus glasfaserverstärktem Kunststoff in Kombination mit Stahl sowie in Verbundbauweise. Die Brücke entstand als Ergebnis eines dreijährigen Forschungsprojektes der Chemnitzer Firmen Fiber-Tech Group und Steelconcept sowie des Bauunternehmens Hentschke aus Bautzen in Zusammenarbeit mit der Professur für Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der Chemnitzer Universität sowie des Sächsischen Textilforschungsinstituts. Durch eine LED-Beleuchtung in den Waben seien neben einer gleichmäßigen Beleuchtung auch verschiedene Lichtszenarien möglich, die Passanten beim Überqueren der Brücke über im Bauwerk integrierte textilbasierte Sensoren auslösen können.

Nachhaltigkeit im Design

Als Modemekka ist Chemnitz vielleicht nicht gerade bekannt. Und trotzdem kommen aus der Stadt einzigartige Designerstücke. Dafür sorgt auch die Unternehmerin Doreen Thierfelder mit ihrem gleichnamigen Label. Die Chemnitzerin schneidert auf Maß. Das hat sie in ihrer Lehre und im anschließenden Designstudium an der Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg erlernt. Die Welt der großen Couturiers entdeckte sie nach ihrem Studium während eines einjährigen Arbeitsaufenthaltes in der Modemetropole Paris. Sie hat in den vergangenen Jahren festgestellt: "Viele Kunden lassen ihre Kleidung anfertigen und legen Wert auf gute Passformen, eine langlebige Verarbeitungsqualität und hochwertige Stoffe." Vor allem würde das Thema Nachhaltigkeit bei vielen ihrer Kundinnen und Kunden eine große Rolle spielen. "Es wird nach der Zusammensetzung der Farbpigmente gefragt und nach der Herkunft der Rohstoffe." Seit sich Doreen Thierfelder im Jahr 2005 in Chemnitz selbstständig gemacht hat, ist ein nachhaltiges Herstellungskonzept für sie Topthema. Bei den genau angepassten Schnitten entstehen nahezu keine Restmengen. Die Designerin ordert bei lokalen Zulieferern. Die Stofffärbemittel enthalten keine schädlichen Zusätze. Knöpfe werden von Hand angenäht. "Umweltschutz ist in der Mode ein Riesenthema", sagt Doreen Thierfelder.

Pure Wohlfühlmode

Mitten im Vogtland wird produziert, doch die Wurzeln des Unternehmens "Edelziege" liegen in der Mongolei - einem Herkunftsland des feinsten aller Naturprodukte, der Cashmere-Wolle. Atemberaubende Landschaften, unendliche Weite, extreme klimatische Bedingungen, jahrtausendalte Traditionen - und Cashmere: Mit all diesen Dingen ist Saruul Fischer, die Inhaberin des Modelabels "Edelziege", nach Angaben auf ihrer Webseite aufgewachsen. Da lag es nahe, mit dem kostbaren Naturprodukte ihrer Heimat die Brücke zu schlagen in ihre Wahlheimat Deutschland. Seit 2008 designt, produziert und vertreibt Saruul Fischer luxuriöse Cashmere-Produkte.

Lässige Markenbotschafter

Hoodies, Shirts, Beanies und Caps: So heißen Klamotten heute. Das Fashion- und Lifestyle-Labels "lumipöllö" aus dem Erzgebirge - der Begriff stammt aus dem Finnischen und heißt Nachteule - produziert individuell gebrandete Kleidung für Firmen, Vereine und Veranstaltun-gen. Seit 2012 gibt es "lumipöllö". Skateboarder, Snowboarder und Skifahrer gehören zum Kundenkreis, Rad- und Motocross- Sportler.

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