Bettwanzen: Die Feinde im Bett

Lange Zeit galten sie als ausgerottet: Bettwanzen. Jetzt sind sie wieder auf dem Vormarsch, auch in sächsischen Schlafzimmern. Ein Forscherteam und Spürhunde verfolgen die Blutsauger.

Chemnitz/Dresden.

Auf der Mauer auf der Lauer sitzt 'ne kleine Wanze. So ganz stimmt das Liedchen nicht. Denn die Wanzen, um die es hier geht, sitzen nicht auf der Mauer, sondern lauern in Betten. Noch vor 20 Jahren galten Bettwanzen als nahezu ausgerottet. Mittlerweile verbreiten sie sich wieder weltweit. "Ja, die Tierchen sind auch bei uns im Lande auf dem Vormarsch", bestätigt Richard Hargesheimer, Vorsitzender des Schädlingsbekämpferverbandes Sachsen, mit etwa 30 Mitgliedsbetrieben. "Das kommt vom Handel und Wandel in der heutigen Zeit. So wie Krankheiten, die ausgemerzt schienen, kommen auch Schädlinge wieder." Denn die sind reiselustig. "In Hotels oder anderen Herbergen hüpfen sie ins Gepäck und schon sind sie unterwegs in alle Himmelsrichtungen. Vor allem in Großstadt-Hotels, die international gut frequentiert sind, machen sie zunehmend Probleme." Die Blutsauger verstecken sich etwa in Matratzenritzen, im Bettzeug, hinter Bildern, in Steckdosen. Sie kriechen in die winzigsten Räume. "Sie tragen nicht umsonst den Beinamen Tapetenflundern. Die sind wirklich platt wie 'ne Flunder", weiß Hargesheimer.

Der Laie, so der Schädlingsbekämpfungsmeister aus Freital, werde den Parasiten allein kaum Herr. Da ist der Fachmann gefragt. "Aber ich muss gleich sagen, obwohl das manchem nicht passt, ohne Chemie gehts oft nicht." Doch die sei ja nicht mehr "so aggressiv wie vor 20 Jahren". "Insider werden jetzt schreien, dass es ja auch mit Hitze oder Kälte geht. Stimmt. Hitze etwa wird mit einer speziellen Apparatur erzeugt, bis auf 55 Grad Raumtemperatur: Bettwanzen, egal in welchem Entwicklungsstadium, denaturieren ab 45 Grad. Die Stoffwechselvorgänge der Tiere brechen zusammen, sie sterben. Aber das ist ein Riesenaufwand, den kann man nicht überall anwenden.

Generell haben die Wanzen eine große Resistenz gegen Abwehrstoffe entwickelt. Weil das so ist, hat sich ein internationales Forscherteam, darunter Klaus Reinhardt, Professor für Angewandte Zoologie an der TU Dresden, mit den Blutsaugern beschäftigt. Die Wissenschaftler haben das Genom der Wanze entschlüsselt. Mit 14.220 identifizierten Genen kann es Erklärungen für viele Aspekte der Lebensweise der Tierchen liefern. "Wir erhoffen uns neue Erkenntnisse darüber, wie es die Parasiten geschafft haben, gegen die meisten Pestizide Resistenzen zu entwickeln", sagt Reinhardt, der sich schon viele Jahre mit den "wissenschaftlich hochinteressanten Lebewesen" beschäftigt. Auf der Suche nach neuen wirksamen Mitteln gegen die Insekten könnten die Gene entscheidende Hinweise liefern. "Es war eine spannende internationale Zusammenarbeit. Trotzdem können wir noch nicht klären, warum sich im Genom der Bettwanze so viele DNA-Stücke von Bakterien befinden - 800 wurden entdeckt", sagt Reinhardt, der aus Chemnitz stammt.

Wenn sich die Blutsauger oder anderes Ungeziefer mal eingenistet haben, sollte der Kammerjäger her, so der Rat von Hargesheimer. Professionalität sei gefragt. "Wir wissen Bescheid über die Biologie und das Verhalten von Schädlingen, ihre gesundheitsgefährdende und wirtschaftliche Bedeutung, über Bekämpfungsmethoden und -verfahren, neue Werkstoffe und deren Wirkungsweisen." Wichtig sei die Diagnose, um welchen Schädling es sich handele. "Die lässt sich schlecht am Telefon, am besten vor Ort stellen." Doch der Ruf nach dem Schädlingsbekämpfer macht vielen Probleme. Denn auch heute noch gilt sein Besuch oft als Zeichen mangelnder Sauberkeit. Doch der Experte sagt, mangelnde Sauberkeit begünstige Schädlinge, schaffe sie aber nicht. Ungeziefer niste sich oft auch in die sauberste Wohnung ein. Er erinnere sich an eine "piekfeine ältere Dame". Die Wohnung sei klinisch rein gewesen. Trotzdem, es gab Brotkäfer - "die kommen am häufigsten vor." Als die Frau in den Urlaub fuhr, gewährte der Sohn dem Kammerjäger Eintritt. "In den Schränken war alles bestens - die Wäsche fein eingetütet. Aber in einer Ecke lag ein Kirschkernkissen - ein Käferparadies." Ein Spürhund hätte das Kissen wohl schneller gefunden. Ja, es gibt Bettwanzen-Spürhunde: die Hundestaffel am Flughafen Frankfurt/M., deutschlandweit einzigartig. Drei Supernasen arbeiten bereits, eine ist in der Ausbildung. Da es bei Fraport möglich ist, jeden Tag mit den Hunden zu trainieren, dauert die Lehre dort nur vier bis sechs Monate. Ausgebildete Hunde sind täglich im Einsatz. Sie arbeiten in Flugzeugen, Hotels und Firmen.

ww.svssachsen.de

Sechs Millimeter lange Plagegeister

Die Parasiten sind rostrot bis dunkelbraun. Es sind blutsaugende Insekten, die bis sechs Millimeter lang werden. Die viergliedrigen Fühler sind kurz. Der Körper ist extrem flach - deshalb der Beiname "Tapetenflunder". Die Mundwerkzeuge, mit denen die Tiere in die Haut stechen und Blut saugen können, sind unter dem Körper der Tiere verborgen.

Einen Befall erkennt man meist erst, wenn man gebissen wurde: Mehrere in Reihe liegende rote Stellen, sogenannte Wanzenstraßen, in Verbindung mit Juckreiz. Die Übertragung von Krankheiten konnte den Parasiten bisher nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Zeichen für die Wanzen sind auch schwarze Flecken an der Tapetenkante - Kotpunkte. (fp)

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2Kommentare
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  • 1
    0
    Pixelghost
    19.05.2016

    Wenn man den Laptop mit in den Staaten hatte, sollte man ihn möglichst gleich ganz entsorgen - wegen der BAD BUGS :-)

  • 1
    0
    Suedbahnhof
    19.05.2016

    Einen "Vorteil" haben bed bugs, sie können nicht fliegen, sie kriechen. Der erfahrene 'Exterminatior' in den USA kommt u.a. mit einem feinen Silikatmehl, dessen Koerner unterm Mikroskop scharfkantige Ränder zeigen. Das Pulver wird in der Wohnung/Schraenken verteilt, teils sogar in die Ritzen der dort weit verbreiteten Holz/Parkettboeden mit Hilfe eines Rüttel/Vibrationsgeraets eingebracht. Für die Wanzen sind die Körnchen wie Glasscherben, sie ritzen sich daran auf und vertrocknen. Man muss das zwei Wochen durchziehen und schläft sozusagen als Köder. Am Ende saugt man das Pulver weg bzw laesst es vom Bekämpfer mit _seinem_ Staubsauger wegsaugen.

    Man sollte die psychologische Komponente nicht unterschätzen, Bekannte haben nach der Diagnose "bed bugs" tagelang am Küchentisch geschlafen oder sind zu Freunden gezogen. Manche Leute leben monatelang mit den Dingern, ohne es zu merken. Erst wenn mal Freunde übernachten und völlig zerstochen am nächsten Morgen aufwachen ist es dann klar. Die bed bugs gehen nicht an jeden.

    Eine Luftmatratze ist übrigens ein sicherer Schlafplatz.

    Wer aus den Staaten zurückkommt und dort in preiswerten Hotels / Absteigen übernachtet hat, sollte seine Koffer und Taschen nach der Rückkehr entsorgen und alles sofort waschen, bevor es in die Schränke kommt. Paranoide stecken auch den Laptop bei 60 grad Umluft für eine halbe Stunde in den Ofen..



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