Grüner Freitag: Wenn weltweit Schüler fürs Klima streiken

Für diesen Freitag sind auch in Sachsen Demonstrationen angemeldet - wie reagieren Lehrer, Politiker und Eltern?

Dresden/Chemnitz.

An diesem Freitag soll es den weltweit größten Schülerstreik geben - auch in Chemnitz wurde eine Demonstration angemeldet. "Freie Presse"-Redakteur Tino Moritz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Worin unterscheidet sich der Freitag von den vergangenen "Fridays for Future"-Protesten?

In den sozialen Netzwerken wird von den Organisatoren seit Tagen für die Beteiligung an einem "internationalen Großstreik" geworben. In weltweit mehr als 1000 Städten in über 70 Ländern wollen junge Menschen für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens demonstrieren. Es werde damit "den größten Klimastreik geben, den die Welt je gesehen hat", schreibt die Chemnitzer Regionalgruppe auf ihrer Facebook-Seite.

Was heißt das für Sachsen?

Zu den etwa 170 Städten in Deutschland, für die Proteste angekündigt sind, gehören mit Dresden, Leipzig und Chemnitz drei aus Sachsen. Wie viele Schüler letztlich kommen werden, darüber will etwa der Chemnitzer Demonstrationsanmelder Marvin Müller nicht spekulieren. Der 18-jährige Schüler vom Beruflichen Schulzentrum für Gesundheit und Sozialwesen rechnet vorwiegend mit Teilnehmern aus Chemnitz, aber auch aus Städten wie Zwickau, Werdau und Flöha. Weil sich die Demonstranten erst ab 12 Uhr auf dem Neumarkt sammeln, um ab 13 Uhr auf dem inneren Stadtring zu demonstrieren, geht Müller davon aus, dass viele vorher noch zur Schule gehen.

Wie reagieren die Schulleiter?

Das Kultusministerium weist darauf hin, dass Schüler "nur in besonderen Ausnahmefällen auf Antrag der Erziehungsberechtigten vom Unterricht zeitlich begrenzt befreit werden" könnten. Die Teilnahme an Demonstrationen sei "als unentschuldigtes Fehlen zu werten". Die Entscheidung treffe der Schulleiter, der "auf die Einhaltung der Schulpflicht achten und auf Zuwiderhandlungen angemessen reagieren" müsse, so Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Bei allem Verständnis für das Anliegen der Schüler dürften "Regeln und Pflichten nicht so einfach über Bord geworfen" werden: "Was wäre, wenn übermorgen Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts eine Kundgebung gegen Asylbewerber organisieren würden oder für den Waffenbesitz an der Schule eintreten würden?" Marvin Müller bestätigt, dass die Schulleiter auf diese Rechtslage hinwiesen, gleichzeitig aber aus ihrer Sympathie für das Anliegen der Schüler keinen Hehl machten. "Das Schlimmste, das den meisten Schülern passieren kann, ist ein unentschuldigter Fehltag", sagt Müller. Er hat auch viel Zustimmung einzelner Lehrer registriert.

Dürfen Lehrer sich beteiligen?

Der Chemnitzer Kreisverband der Gewerkschaft GEW wandte sich in einem Offenen Brief "mit solidarischen Grüßen" an die Kollegen. Darin sicherte er dem "demokratisch selbstständigen Handeln der Schüler" seine Unterstützung zu und ermutigte auch die Lehrer dazu, die Schüler in ihrem Engagement zu unterstützen. Diese würden mit den Protesten "wichtige Erfahrungen gelebter Demokratie" erwerben. Zudem sei "gut nachvollziehbar, dass sie dies während der Unterrichtszeit tun, denn nur so kann öffentliche Aufmerksamkeit für deren Ziele generiert werden". Gleichwohl könne man aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht zum Streik aufrufen. Dennoch stieß der Brief im Kultusministerium auf Missfallen. "Mit ihrer Unterstützung für den Regelbruch torpediert die GEW alle Bemühungen derjenigen Lehrerinnen und Lehrer, die sich Tag für Tag für die Umsetzung des Erziehungsauftrags an ihren Schulen engagiert einsetzen", teilte das von Christian Piwarz (CDU) geführte Ressort mit.

Wie reagiert Sachsens Politik auf "Fridays for Future"?

Am Dienstag gab die Staatskanzlei einen erst in einem Vierteljahr anstehenden Termin bekannt: Am 22. Juni - einem Samstag - werde es eine "Sächsische Klimakonferenz für Schülerinnen und Schüler" in Leipzig geben. Laut Staatskanzleichef Oliver Schenk ging die Initiative von Ministerpräsident Michael Kretschmer (beide CDU) aus. Dieser sieht in der Konferenz einen Beitrag, "um zu informieren, zu diskutieren und sich über Fragen des Klimaschutzes und politische Weichenstellungen auszutauschen".

Zu der Konferenz lädt Kretschmer gemeinsam mit dem Landesschülerrat ein. Wie steht der eigentlich zum Freitagsstreik?

Der Landesschülerrat begrüßt das Engagement, mit dem sich "endlich" herauskristallisiere, "dass Schüler so gar nicht politikverdrossen sind". Zugleich wird den Teilnehmern an den Protesten aber empfohlen, sich "für die Zeit der Demonstrationen Freistellungen zu besorgen, um unnötige Maßnahmen der Schulleitung zu vermeiden". Für die Klimakonferenz wünscht sich die Schülervertretung, dass es dann konkrete Ergebnisse geben werde, die von der Landespolitik anschließend auch umgesetzt werden.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
21Kommentare
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  • 3
    4
    Freigeist14
    14.03.2019

    Maleo@ Sie werden von mir keinen vorbehaltlosen Kommentar zur E-Mobilität finden. Der Individual -Verkehr als Zukunftsmodell ist elektrisch oder mit Verbrenner ein Irrweg . Das will nur keiner hören im Fahrzeugbau- Land . Aber so wie gern auf das Potenzial der Batterie der Zukunft verwiesen wird ist ebenso das Potenzial des Verbrenner-Motors nicht ausgereizt . Nur haben die Chinesen eben verstanden ,das das Know-how der Europäer beim Verbrennungsmotor uneinholbar ist . Und setzen deshalb vollständig auf ihren Vorsprung beim Batterie -Antrieb . Deshalb sollte Europa dem nicht blind folgen und den Verbrennungsmotor im Hybridantrieb weiter verbessern .

  • 6
    4
    Malleo
    14.03.2019

    Freigeist
    Kleiner Tipp.
    Hören Sie sich mal die Diskussion im Umweltausschuss des Bundestages zur UN Klimakonferenz an.(youtube)
    Im wissenschaftlichen Streitgespräch hören Sie Prof. Levermann, Potsdam und Prof. Shavin, Jerusalem.
    Wissenschaft ist keine Demokratie, wo die Mehrheit Recht haben muss.
    Um beim CO2 zu bleiben….
    Sollte man unter nachfolgenden Erkenntnissen für oder gegen E- Mobilität sein?
    Allein bei der Herstellung der Batterie für ein Mittelklasseauto werden 17 to CO2 freigesetzt.
    Ein Verbrenner darf dafür adäquat schon mal 200.000 km fahren.
    Beim aktuellen Energiemix mit 55% aus nicht erneuerbarer Energie tanken
    die E- Autos Kohle.
    Also kommt man locker schon auf 500.000 km klassische Autofahrt.
    Ich bin deshalb weit davon entfernt aus einer selbst von Wissenschaftlern höchst kontrovers geführten Diskussion über den Klimawandel, den es schon immer gegeben hat, Empfehlungen von Politikern zu akzeptieren, Jugendliche zum Demonstrieren zu animieren.
    Denn gleichzeitig beschließen die Berliner Kleindarsteller den Grenzwert von NOx schon mal um 10 myg überschreiten zu dürfen, um Fahrverbote zu umgehen!
    Wie nennen Sie das??

  • 6
    4
    Freigeist14
    14.03.2019

    Maleo@ Sie schwadronieren hier von "sachlichen Argumenten " gegen die Klimawandel-Debatte und liefern nicht den geringsten stichhaltigen Beitrag dafür . Man muss nicht leichtgläubig sein ,den von Menschen beschleunigten und beängstigenden Klimawandel als nicht unvermeidlich hinzunehmen .

  • 2
    10
    BlackSheep
    14.03.2019

    Mal wird sich beschwert das sich die Jugend ausser fürs Handy für nichts interessiert, dann wird sich beschwert das Sie sich für etwas engagiert, na was nu? Natürlich lässt sich die Jugend leicht instrumentalisieren, aber ich habe die Hoffnung die merken das und dann läufts anders.

  • 8
    5
    Einspruch
    14.03.2019

    Ob legitimiertes Schulesschwänzen dauerhaft zu tolerieren ist, glaube ich nicht.
    Die Kinder könnten auch einen echten Beitrag zum Umweltschutz leisten.
    Zum Beispiel Müllvermeidung und Trennung. Das fängt schon damit an, das man in der Schulpause nicht zu MC Donalds rennt, Fertigfraß reinschlingt, den überflüssigen Verpackungsmüll dan unterwegs irgendwo entsorgt. Oder sich nicht mit Papas Auto bis ins Klassenzimmer fahren lässt, nicht jedes Jahr ein neues Smartphone braucht und so weiter. Auch weggeworfene Zigaretten sind das reinste Gift. Alles Kleinigkeiten, aber nicht unwichtig.

  • 10
    11
    Malleo
    14.03.2019

    Die Geschichte beweist: Unwissende und leichtgläubige Kinder sind nachweisbar leicht zu instrumentalisieren und zu missbrauchen, wenn es darum geht das Staatswesen moderner Diktaturen gegen vermeintliche Feinde, Abweichler und Andersdenkende zu verteidigen. Das funktioniert offenbar auch in Demokratien oder solchen Ländern, die sich zumindest dafür halten.
    Die Barbaren, gegen die das Klima heute von den Guten zum eigennützigen politischen Vorteil verteidigt und geschützt werden muss, sind in erster Linie die Ungläubigen und Ketzer, die Klimaleugner und -skeptiker, die Bösen - deren auch nur leise geäußerte Zweifel mittlerweile mit eklatanten Glaubensverstößen und purer Gotteslästerung gleichgesetzt werden.
    Ihnen begegnet man nicht etwa mit sachlichen Argumenten, sondern mit Unsachlichkeit, Verachtung und Ausgrenzung.
    Es ist beängstigend und besorgniserregend, was heutzutage dem Steuerzahler als 'gesicherte' wissenschaftliche Erkenntnis zu dessen eigenem finanziellen Nachteil durch unredliche Wissenschaftler und Politiker verkauft wird. Auch weil nach dem österreichischem Autor Alfred Polgar die Menschen viel leichter eine Lüge glauben, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.

  • 7
    4
    Tokeah
    14.03.2019

    Der Unterrichtsausfall muss eigenverantwortlich von den Schülern entsprechend kompensiert werden, indem der Stoff entsprechend über die Fächerbücher u.a. nachgeholt wird. Den Schülern zu unterstellen aus Nichtsnutzigkeit zu agieren ist nicht zu akzeptieren. Sicher,besser mag Ausnahmen geben. Es gibt aber auch Schüler, die an den FFF-Demos nicht teilnehmen und dann im ihren Schulen von Lehrern unterrichtet werden. Und nein, das habe ich nicht so hingeschrieben, es ist wirklich so. Ich habe Kinder, die statt Demo dem Unterricht folgen.

  • 11
    8
    noersch
    14.03.2019

    Und alle Kinder und Jugendlichen geben ihr Smartphon samt Ladegerät um ab um das Klima zu retten?

  • 13
    7
    saxon1965
    14.03.2019

    Man sollte den Demonstranten im Geografie-Unterricht mal zeigen, wie groß Deutschland, die EU und China sind. Auch dass die s. g. Schwellenländer noch bis 2030 so viel CO2 produzieren dürfen wie sie wollen, aber wir unsere Braunkohlekraftwerke stilllegen wollen.
    Meines Wissens hat die Erderwärmung auch etwas mit den zunehmenden Sonneneruptionen und dem schwindenden Abstand zur Sonne zu tun.
    Wir Menschen können die Klimaerwärmung höchstens verlangsamen, um 100 Jahre hinauszögern, Vorkehrungen treffen (ansteigender Meeresspiegel), unsere Wälder umbauen u. ä., aber verhindern...?
    Das hat nichts damit zu tun, dass es eine Schweinerei ist, wenn Regenwälder wegen BIO-Sprit, Nutella und Möbel abgeholzt, Meere mit Plastik vermüllt und Erdgas durch Fracking gewonnen wird.
    Da sollten die Kinder mal lieber gegen den Kauf amerikanischen Fracking-Gases, argentinischen Rindfleisches, der Ausplünderung von Bodenschätzen in Dritte-Weltstatten für ihre Handys und Elektroautos demonstrieren.
    Aber vielleicht liege ich da ja auch völlig falsch?

  • 16
    11
    marienthal
    14.03.2019

    Ich glaube den meisten Jugendlichen geht es nicht mal darum um das Klima zu kämpfen, sondern einen Tag frei zu haben

  • 14
    8
    Zahlemann
    14.03.2019

    @Blackadder, wenn ihnen der Verkehr zuviel ist, dann nehmen sie doch das Fahrrad und wenn sie es wirklich ernst meinen und hinter der Klimademo stehen, dann machen sie einen Tag Urlaub um mittags schon voll dabei zu sein.

  • 12
    7
    Hinterfragt
    14.03.2019

    @Blackadder;
    Sie haben geschrieben:
    "...Sie können gerne morgen in die Stadt kommen und ..."

    Ich antwortete: "...die zu diesen Zeiten ehrlich arbeiten..."

    Sie schreiben darauf:
    "... Die Schüler ja nicht. Es ist ja auch eine Schülerdemo...."

    Lesen Sie auch was Sie schreiben?

  • 13
    11
    ralf66
    14.03.2019

    @Blackadder, sie sollten sich nicht einreden, dass wenn die Mehrheit, auch die der Wissenschaftler, die für diese Schüler-Demos sind, gleichzeitig rechtlich, fachlich und wissenschaftlich die Wahrheit gepachtet haben. Das Thema Klima- und Umweltschutz ist zur Zeit in erster Linie eine Modeerscheinung, wo viele denken, hier muss ich mitmachen, sonst geht schon bald die Welt unter!

  • 17
    9
    Deluxe
    14.03.2019

    Wieviele Unterrichtsstunden da in der Summe wohl ausfallen? Ist es nicht durch Lehrermangel schon schlimm genug?

    Wieviel Physik und Geographie geht dabei z.B. unwiederbringlich verloren? Fächer, in denen man etwas über die Zusammenhänge in der Natur lernen könnte...auch übers Klima, seine Entstehung und seine naturwissenschaftlichen Grundlagen.
    Dort könnte man auch lernen, Klima und Wetter zu unterscheiden...das können heutzutage die wenigsten.

    Man sollte diesem Spuk seitens der Politik ein Ende bereiten. Die gesetzliche Handhabe wäre da. Es gibt die Schulpflicht und die zählt.
    Sonst werden Wiederholungs-Schwänzer teilweise von der Polizei zuhause abgeholt und in die Schulen gebracht, während es hier den Segen der Regierungschefin und des Präsidenten gibt?

    Das kann eigentlich nicht sein und verstößt gegen bundesdeutsches Recht.

  • 7
    18
    Blackadder
    14.03.2019

    Ach so. No was:

    https://rp-online.de/politik/deutschland/fridays-for-future-12000-wissenschaftler-unterstuetzen-schuelerbewegung_aid-37425781

    12.000 Wissenschaftler unterstützen Schülerbewegung

  • 7
    17
    Blackadder
    14.03.2019

    @hinterfragt: Die Schüler ja nicht. Es ist ja auch eine Schülerdemo. Ich selbst arbeite freitags auch nicht bis 16 Uhr - wie viele Chemnitzer nicht, wenn man sich den Verkehr so ansieht - und werde etwas später auch dazu stoßen.

  • 14
    7
    mathausmike
    14.03.2019

    @Hinterfragt:Den Nagel auf den Kopf getroffen,super!

  • 13
    4
    Tauchsieder
    14.03.2019

    "Hinter.....", klassicher Konter, ein Schenkelklatscher!

  • 22
    8
    Hinterfragt
    14.03.2019

    @Blackadder; Es soll noch Leute geben, die zu diesen Zeiten ehrlich arbeiten ...

  • 8
    23
    Blackadder
    14.03.2019

    @hinterfragt: Sie können gerne morgen in die Stadt kommen und sich das ganze ansehen. ab 12 Uhr Neumarkt, 16 Uhr dort große Abschlusskundgebung.

  • 23
    10
    Hinterfragt
    14.03.2019

    "...Die Teilnahme an Demonstrationen sei "als unentschuldigtes Fehlen zu werten". Die Entscheidung treffe der Schulleiter, der "auf die Einhaltung der Schulpflicht achten und auf Zuwiderhandlungen angemessen reagieren" müsse..."

    Es darf ganz laut gelacht werden...
    Nach den "Freibriefen" von Merkel und Steinmeier wird da sicherlich keiner etwas tun.

    "...aber auch aus Städten wie Zwickau, Werdau und Flöha..."
    Die müssten dann aber relativ zeitnah loslaufen, dass man Pünktlich ankommt, denn Bus, Bahn, Auto, ... erzeugen Feinstaub, Stickoxid, CO2 ...
    Und vor allem eines, KIPPEN zu Hause lassen, das hält die Chemnitzer Luft schon mal etwas sauberer ...



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