Mordprozess: Beschuldigter galt als sehr gefährlich

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Dresden (dpa/sn) - Der wegen Mordes und versuchten Mordes an zwei Touristen in Dresden angeklagte junge Mann galt auch bei seiner Entlassung aus dem Jugendgefängnis als sehr gefährlich. In einer Fallkonferenz Mitte Juli 2020 wurde das von ihm ausgehende Sicherheitsrisiko als hoch eingeschätzt, sagte eine Referatsleiterin im Landeskriminalamt (LKA) Sachsen im Prozess gegen den 21-Jährigen am Oberlandesgericht (OLG) Dresden am Freitag aus. Zu dessen Minimierung habe man versucht, «alles was gesetzlich möglich ist, auszuschöpfen». Nähere Angaben zum taktischen Vorgehen durfte sie nicht machen. Abdullah A. musste sich unter anderem drei Mal pro Woche bei der Polizei melden.

Der Syrer, der 2015 als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland kam, gilt als islamistischer Gefährder. In dem aktuellen Verfahren wirft ihm die Bundesanwaltschaft vor, am 4. Oktober 2020 zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen von hinten niedergestochen zu haben. Einer starb, der andere überlebte knapp. Das Motiv sieht sie in der radikal-islamistischen Gesinnung des Beschuldigten. In Gesprächen mit einem Gutachter hat A. die Tat zugegeben und mit dem Ziel erklärt, seiner Meinung nach Ungläubige zu töten.

2018 wurde er am OLG wegen Propaganda für das Terrornetzwerk Islamischer Staat (IS) zu einer Jugendstrafe verurteilt, die nach Attacken auf Vollzugsbeamte verschärft worden war. Er war Ende September 2020 entlassen worden. Die Deradikalisierung in der Haft blieb ohne Erfolg, auch aufgrund zeitweiser Isolation von und wegen Corona-Maßnahmen. «Die Gespräche standen immer noch am Anfang», sagte die LKA-Beamtin. Zwischenzeitlich habe A. Veränderungswillen und Reue gezeigt, zum Haftende sei er in die alten Verhaltensmuster und Denkweisen zurückgefallen.

Bei der ersten «Gefährderansprache» fünf Tage nach der Bluttat verhielt sich A. abweisend. Und am 6. November 2021 rastete er in Untersuchungshaft aus, wegen einer Haftraumkontrolle. Er schrie, drohte den drei Beamten mit «Ich steche Euch alle ab», schlug und trat nach ihnen, attackierte sie mit dem Kopf und rief, bereits gefesselt, «Ich werde Euch alle töten» - Mitte März bekam er dafür einen Strafbefehl über 600 Euro unter anderem wegen versuchter Körperverletzung.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

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22 Kommentare
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  • 4
    3
    Pixelghost
    02.05.2021

    Die Erkenntnis zur Gefährlichkeit kommt nicht zu spät. Dass er gefährlich ist, wußte man - so stellt es ja der Artikel dar - bereits 2015, als er als Minderjähriger einreiste.

    Die ergriffen Maßnahmen haben offensichtlich nicht dazu geführt, dass er sich von seinem Denkmuster verabschiedet bzw. seine Gefährlichkeit auf die Öffentlichkeit keine negative Auswirkungen hat.

  • 10
    0
    1371270
    01.05.2021

    Die Erkenntnis zur Gefährlichkeit kommt leider zu spät.