Sachsen braucht bis 2030 zusätzlich 16.000 Pflegekräfte

Die Krankenkassen bezahlen ab 2019 pro Heim eine halbe bis zwei Stellen mehr. Doch Geld allein reicht nicht.

Chemnitz.

In Sachsen arbeitet schon jeder 13. Beschäftigte im Gesundheitswesen - und der Arbeitskräftebedarf in der Branche steigt weiter: In den nächsten zwölf Jahren werden allein in der Pflege um die 16.000 zusätzliche Vollzeitstellen benötigt. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Statistischen Landesamtes in Kamenz. Demnach werden im Freistaat im Jahr 2030 rund 170.000 Beschäftigte gebraucht, um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu sichern. Die meisten davon werden Pflegekräfte sein. In die Berechnung flossen zudem freiberufliche Ärzte, Apotheken und der Einzelhandel im Gesundheitswesen ein. Mitte dieses Jahres waren laut Bundesagentur für Arbeit in Krankenhäusern und in der Pflege rund 120.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 8000 mehr als vor fünf Jahren. Darunter waren etwa 3300 Ausländer, die größten Gruppen sind Tschechen (524), Polen (310) und Slowaken (255). Im Juli gab es im sächsischen Gesundheitswesen 1445 freie Stellen, fast zweieinhalbmal so viele wie vor fünf Jahren.

Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zur Stärkung des Pflegepersonals beschlossen. Er sieht ab 2019 bundesweit zusätzlich 13.000 Stellen in der stationären Pflege vor. Jedes Pflegeheim erhält je nach Größe zwischen einer halben und zwei Stellen zusätzlich. Das Geld kommt von den Krankenkassen, weil damit vor allem der Aufwand für medizinischen Behandlungspflege finanziert wird.

Sachsens Sozialministerium setzt auf eine angemessene Bezahlung des Pflegepersonals, sieht das Land dabei aber auf einem guten Weg. Darüber hinaus hält es Ministerin Barbara Klepsch für die Verantwortung der Arbeitgeber, durch "erhebliche Anstrengungen" die Arbeitsbedingungen zu verbessern, "damit unsere Pflegekräfte ihren Beruf gerne und dauerhaft ausüben können". Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) verlangt raschere Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte. "Wer im Ausland eine Ausbildung zur Pflegefachkraft erfolgreich gemeistert hat, darf hier nicht von 16 verschiedenen Anerkennungsverfahren abgeschreckt werden", sagte BPA-Präsident Bernd Meurer. Zugleich stellt er fest: "Geld allein bringt keine Pflegefachkräfte."

Die Statistik gibt ihm recht - es fehlen schlicht die Menschen. Laut Arbeitsagentur gehen dem Arbeitsmarkt in Sachsen in den nächsten sechs Jahren mehr als 200.000 Menschen verloren. Grund ist der demografische Wandel. So verringert die Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 65 Jahren im Freistaat bis 2025 um über acht Prozent, im gleichen Maß nimmt die Altersgruppe der über 65-Jährigen zu - mit regional großen Unterschieden: In Dresden und Leipzig wird die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter zunehmen, in Chemnitz und allen Landkreisen hingehen sinken, am stärksten mit über 17 Prozent im Erzgebirge. "Wir brauchen Zuwanderung - gerade in der Pflege", sagte deshalb der Sprecher der Bundesarbeitsagentur in Chemnitz, Frank Vollgold.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vorgeschlagen, Fachkräfte aus Albanien und dem Kosovo anzuwerben. Dort gebe es viele junge Leute mit guter Ausbildung. Nur dauere die Visa-Erteilung zu lange. In Sachsen waren Ende 2017 54 Albaner und 24 Kosovaren im Gesundheitswesen beschäftigt.

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