Wirtschaft
Erste Banken und Sparkassen zahlen Anlegern wieder Zinsen

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Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, im Juli den Leitzins anzuheben, bringt Bewegung in den Markt. Doch lohnt sich jetzt Sparen wieder?

Chemnitz.

Noch bevor die Europäische Zentralbank (EZB) am 21. Juli ihren ersten geplanten Zinsschritt seit März 2016 vollzieht, können Sparer wieder Zinsen für ihr Geld bekommen. Nach einer Studie des Finanzportals "biallo.de" scheint die Zinswende auch bei den Sparkassen angekommen zu sein. Die aktuelle Biallo-Erhebung zeigt, dass rund 45 Prozent aller Sparkassen mittlerweile Festgeldzinsen bezahlen.

Die EZB hatte zuletzt angekündigt, den Leitzins im Juli um 0,25 Basispunkte zu erhöhen, um die hohe Inflationsrate in Deutschland zu bekämpfen. Damit wächst auch der Druck auf die Banken und Sparkassen, ihre Zinsangebote anzupassen.

Wegen der Negativzinsen der Zentralbank sahen sich die Bankhäuser in der Vergangenheit gezwungen, von ihren Kunden vor allem bei höheren Einlagebeträgen Verwahrentgelte und Negativzinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten zu verlangen. Festgeld wurde vielfach gar nicht mehr angeboten. Der Hintergrund: Die EZB verlangt für kurzfristig verfügbare Gelder, die bei der Zentralbank angelegt werden, einen Negativzins von minus 0,5 Prozent, der von vielen Banken wiederum an ihre Kunden weitergegeben wird.

Mit der Ankündigung der Zinswende beginnen auch die Banken ihre Negativzinsen wieder zurückzufahren. So hat die Online-Bank ING Deutschland bereits zum 1. Juli ihren Freibetrag für Negativzinsen von 50.000 auf 500.000 Euro heraufgesetzt. Auch die Volksbank Chemnitz will nach der Zinserhöhung reagieren. "Sollte die Europäische Zentralbank die Zinserhöhung wie angekündigt umsetzen, werden wir diese Anpassung an unsere Kunden weitergeben und ab dem 1. August 2022 vollständig auf die Erhebung von Verwahrentgelten verzichten", erklärte Gunnar Bertram, Vorstand der Volksbank Chemnitz.

Selbst wenn es jetzt wieder Angebote für Festgeld gibt, bleibt es wegen der aktuell steigenden Zinsen allerdings fraglich, ob sich eine solche Geldanlage für Sparer lohnt. Denn nach der Biallo-Studie möchten die Sparkassen ihre Kunden vor allem zu langfristigen Geldanlagen motivieren. So unterbreiten bundesweit lediglich 27 der rund 370 Sparkassen ein konkretes Angebot für einjähriges Festgeld.

Anleger können während der Laufzeit des Festgeldvertrages nicht von steigenden Zinsen profitieren, da der Zins für den gesamten Anlagezeitraum festgeschrieben ist. Den höchsten Zinssatz für einjähriges Festgeld einer Sparkasse zahlt die Stadtsparkasse Augsburg mit 0,65 Prozent. Bei einer Inflationsrate von mehr als 7 Prozent ist das noch sehr wenig. Das Bankhaus Klarna zahlt sogar bei einer Laufzeit von sechs Monaten etwas mehr.

Die "Geldanlage in Krisenzeiten" ist auch Thema eines Online-Expertengesprächs der "Freien Presse" am Mittwoch ab 18 Uhr.

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