3. Liga
Erzgebirge Aue setzt Gerd Schädlich ein Denkmal – „Er hätte gesagt: Hört mit dem Mist auf!“

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Der FC Erzgebirge Aue hat seinem einstigen Erfolgstrainer ein Denkmal gesetzt. „Freie Presse“ hat mit alten Wegbegleitern über Gerd Schädlich gesprochen.

Aue.

Er war direkt, sagte, was er dachte, und war stets reflektiert und ehrlich. Darüber hinaus prägte er die Vereine, die er trainierte, wie kaum ein anderer zuvor - oder wie es ihm kaum einer nachmachen könnte: Gerd Schädlich. Mehr als zwei Jahre schon liegt der Tod des legendären Trainers zurück, noch länger die Arbeit an der Seitenlinie - sein Vermächtnis bei seinen Ostclubs aber ist allgegenwärtig. Nun hat der FC Erzgebirge Aue seinem einstigen Erfolgscoach ein wahres Denkmal gesetzt. Ab sofort befinden sich die Geschäftsstelle des Vereins sowie das Erzgebirgsstadion am Gerd-Schädlich-Platz 1. Die neue Adresse weihten die Lila-Weißen am Freitag vor 80 Fans nach Reden von Oberbürgermeister Heinrich Kohl und Vereinspräsidenten Roland Frötschner feierlich ein.

Schädlichs erfolgreiche Trainerkarriere

"Seine Erfolge sprechen für sich. Man kann einmal aufsteigen und den Verein auf diese Art und Weise etwas wachküssen. Da kann Glück dahinterstecken und viel Positives zusammenkommen. Aber wenn man das mehrmals schafft, mit mehreren Vereinen, dann ist es kein Zufall.", sagt der Co-Trainer des FC Erzgebirge, Jörg Emmerich, der jahrelang unter Schädlich kickte und später gar mit ihm zusammen arbeitete, über die Leistungen des einstigen Fußballlehrers.

Gerd Schädlich, der als Spieler für den FC Karl-Marx-Stadt auflief und aufgrund einer Verletzung seine Laufbahn im Alter von 26 Jahren beenden musste, trainierte ab 1978 zahlreiche kleinere Ostvereine, bei denen er gute Ergebnisse erzielte - Resultate, die ihm nach der Wende auch ein Engagement beim FSV Zwickau ermöglichten. Mit den Westsachsen feierte Schädlich 1994 den Aufstieg in die 2. Bundesliga - selbiges gelang ihm 2003 mit dem FC Erzgebirge Aue, den er vier Jahre zuvor übernommen hatte. 2011 krönte er sich und seine Arbeit mit dem nächsten Erfolg: Schädlich führte den Chemnitzer FC mit dem Aufstieg in die 3. Liga zurück in den Profifußball.

Seine besondere Art, Mensch zu sein

"In erster Linie war er ein sehr ehrlicher und fleißiger Arbeiter, ein gerader Charakter und jemand, der nicht nur diesen Verein maßgeblich mitgeprägt hat", sagt Aue-Sportchef Matthias Heidrich, der wie auch Jörg Emmerich jahrelang unter Gerd Schädlich Fußball spielte.

Beide, sowohl Emmerich als auch Heidrich, haben ihn kennengelernt - und insbesondere von ihm gelernt. "In der Sache war er sehr klar und sehr konsequent. Wenn es um den Fußball ging, hat er wenig bis gar keine Kompromisse gemacht und alles andere untergeordnet", sagt Emmerich, der ihn "eine gefühlte Ewigkeit" kannte. Unter Schädlich spielte der Defensivakteur zunächst in Aue, dann in Chemnitz, ehe er ihn beim CFC als Sportdirektor gar begleitete. "In entspannten Phasen und abseits des Feldes konnte man gut mit ihm lachen", so Emmerich, dem vor allem Schädlichs Humor in Erinnerung geblieben ist: "Das Erste, was mir einfällt, ist sein spezieller Humor. Der etwas andere, trockene Humor, der erst im Nebensatz zum Vorschein kommt."

Für Heidrich ist Schädlich eine Identifikationsfigur - einer, der es geschafft habe, alle auf seinem Weg mitzureißen; einer, der es Jahr für Jahr immer wieder gepackt habe, Charaktere auf den Platz zu stellen, die vorangehen. "Aus meiner Sicht gibt es hier niemanden im Umfeld des Vereins, der nicht ausschließlich Positives mit ihm assoziiert. Er war jemand, der es geschafft hat, alle auf dem Weg mitzunehmen. Und dass das nicht ganz einfach ist, viel Arbeit bedeutet, das merke ich selbst im täglichen Erleben. Aber mit seiner Art Mensch zu sein, hat er das überragend gemacht", blickt Heidrich, der im menschlichen Umgang viel von Schädlich gelernt habe, zurück.

Der 46 Jahre alte, gebürtig aus Hoyerswerda stammende Ex-Profi begann seine Laufbahn beim FSV Hoyerswerda - sein Trainer war ein Bekannter: "Gerd kannte mich schon aus der Zeit in meiner Heimat. Er ging nach Aue und teilte mir mit, dass er mich nachholen möchte. Dann waren wir im gemeinsamen Trainingslager in der Türkei, ich stand am Buffet und nach Absprache mit Gerd kam Co-Trainer Lutz Lindemann auf mich zu und sagte: ‚Wie stehst du zu der Aussage, dass du nächste Saison zu uns kommst?", erzählt Heidrich eine Anekdote über seinen anschließenden Wechsel nach Aue und über Gerd Schädlichs Charakter. "Es ist ein Beispiel für seine Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit."

Gerd Schädlich hat für seine Erfolge bei den Veilchen und für seine Art, Mensch zu sein, Legendenstatus erreicht.
Gerd Schädlich hat für seine Erfolge bei den Veilchen und für seine Art, Mensch zu sein, Legendenstatus erreicht. Bild: Paul Steinbach

Fundament für alles was folgte

Ähnliche Anekdoten erzählt auch Jörg Emmerich, der stets auf den letzten Drücker in die Kabine gekommen sei und Schädlich damit verrückt machte. Doch für Erzgebirge Aue seien vor allem die Erfolge bedeutend: Erst die Regionalliga gehalten zu haben, als alle Ostclubs aufrüsteten, dann den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen, das sei das gewisse Fundament für alles gewesen, was seither folgte: "Er hat gezeigt, dass auch der Verein aus der kleinen Stadt etwas leisten und sich im Profifußball etablieren kann", erklärt Emmerich, weshalb Schädlichs Ehrung mehr als verdient sei.

"Mit der neuen Adresse setzt man ihm nicht nur ein Denkmal, sondern verbindet seinen Namen und sein Wirken nun auf ewig mit dem Standort", sagt Heidrich und ergänzt in typischer Gerd-Schädlich-Manier: "Er hätte abgewunken und wohl gesagt: ‚Lasst mich mit dem Schmarrn in Ruhe, hört mit dem Mist auf!‘ Er war das Gegenteil eines Selbstdarstellers. Aber das ist alles richtig so."

Jörg Emmerich und Gerd Schädlich in der Saison 2003/2004 beim FC Erzgebirge Aue.
Jörg Emmerich und Gerd Schädlich in der Saison 2003/2004 beim FC Erzgebirge Aue. Bild: Imago
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