Auch als Nummer zwei: Keeper Kamenz findet Zwickau cool

Fußball-Drittligist FSV will im Sachsenpokal den SV Tapfer 06 Leipzig nicht unterschätzen - und gleichzeitig einigen Profis aus der zweiten Reihe Spielpraxis einräumen.

Zwickau.

Ein bisschen schüchtern wirkt Matti Kamenz. Pressekonferenzen hat er auch noch nicht so viele in seinem Leben absolviert. Am Freitag saß der 1,87-m-Hüne mit seinem breiten Kreuz nicht ohne Grund vor den Journalisten. Denn am Sonntag wird der 21-Jährige sein erstes Saisonpflichtspiel für den FSV Zwickau bestreiten und in der 3. Runde des Wernesgrüner-Sachsenpokals beim SV Tapfer 06 Leipzig zwischen den Pfosten stehen. "Wenn alles normal läuft, sollte ich da nicht so viel aufs Tor bekommen. Wenn es aber doch in ein, zwei Situationen passiert, will ich auf alle Fälle da sein", erläutert der gebürtige Spremberger seinen Anspruch. Am Sonntag (Anstoß 15 Uhr) will er das im Bruno-Plache-Stadion im Stadtteil Probstheida untermauern.

Matti Kamenz ist beim FSV klar die Nummer zwei. Stammtorhüter Johannes Brinkies gehört zu den besten Keepern der dritthöchsten Spielklasse. Der 26-Jährige hat großen Anteil daran, dass die Zwickauer nach elf Spieltagen mit 15 Zählern so gut wie noch nie zu diesem Zeitpunkt in der 3. Liga dastehen. An der Hierarchie im Kasten gibt es dementsprechend nichts zu rütteln. Kamenz befindet sich deshalb im Zwiespalt der Gefühle: Einerseits kann er an der Seite von Brinkies noch einiges lernen. Andererseits benötigt ein junger Keeper Spielpraxis, um Abläufe unter nervlicher Anspannung zu automatisieren. "Für mich ist es auch als Nummer zwei cool, mit ,Pommes', Max und unserem Torwarttrainer zusammenzuarbeiten. Es hilft mir, besser zu werden", sagt Kamenz und meint damit Brinkies, Max Sprang (dritter Torhüter) sowie Coach Steffen Süßner. Kamenz weiß aber auch, dass er irgendwann den Schritt zur Nummer eins wagen muss: "Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren auf diesem Niveau im Profifußball zu spielen." Wann der Zeitpunkt gekommen ist, bleibt offen. Sein Vertrag in Zwickau läuft bis 2020. Steffen Süßner bezeichnet den Brandenburger als "toptalentiert". Der Wechsel im Sommer 2018 von Energie Cottbus zum FSV habe Kamenz definitiv weitergebracht, sagt Süßner: "Wenn du ewig bei deinem Heimatverein bleibst, besteht die Gefahr, dass sie dir dort die Fehler aus der Jugend weiter vorhalten." Und Chefcoach Enochs ist überzeugt: "Matti hat absolut die Qualität für die 3. Liga."

Auf dem Weg dahin kommt erst mal Tapfer 06 Leipzig. Dass Kamenz seine Spielchance erhält, hat auch mit der Erfahrung aus der Vorsaison zu tun. So war es für den Reservekeeper nicht einfach, als er vor einem Jahr aufgrund einer Verletzung von Brinkies plötzlich ins erste Glied rückte. In den fünf Drittligapartien gab es einen Sieg und vier Niederlagen. Danach kehrte Brinkies zurück. Joe Enochs: "Wir denken, dass es vorteilhaft ist, wenn man nicht völlig aus der Kalten reinkommt." Für den Fall, dass Brinkies mal ausfällt, will man künftig besser vorbereitet sein.

Der Trainer warnte gleichzeitig davor, den Gegner aus der 7. Liga auf die leichte Schulter zu nehmen: "Wir sind der Favorit, wollen das Spiel früh entscheiden", lautet seine Ansage. Die Eckdaten der Tapfer-Elf hatte Enochs am Freitag drauf, auch ohne das übliche Videomaterial: "Sie haben einen Torjäger, der diese Saison bereits siebenmal getroffen hat." Oliver Kober heißt der junge Mann, ist 1,85 Meter groß und soll einen starken linken Fuß haben. Gut zu wissen - auch für Matti Kamenz.


Leipziger empfangen FSV im Bruno-Plache-Stadion 

Der SV Tapfer 06 Leipzig ist 1906 unter demselben Namen gegründet worden. In der über 100-jährigen Geschichte wurde der Verein mehrmals umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß der Verein "Stahl Ost". 1951 kehrte man als Betriebssportgemeinschaft Motor Mihoma auf den alten "Tapfer"-Platz in der Torgauer Straße zurück.

1971 benannte sich die BSG erneut um und spielte bis zur Wiedervereinigung als Motor Mikrosa. Mit der Abwicklung der Mikrosawerke kam es zur Neugründung des FSV Tapfer 1990 Leipzig, bis sich der Verein 2006 anlässlich des Jubiläums wieder den Anfangsnamen gab.

Weil es auf dem Sportplatz im Stadtteil Sellerhausen keine getrennten Eingänge für Heim- und Gästefans gibt, findet das Spiel im Bruno-Plache-Stadion, der Heimstätte von Lok Leipzig, statt. Im Ligabetrieb liegt der SV Tapfer in der Landesklasse Nord (7. Liga) derzeit auf Tabellenplatz drei. Das Team trainiert in der Regel wöchentlich zweimal abends. (tp)

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