Der Dienstälteste hält den Laden dicht

Kurzes Durchatmen beim FSV Zwickau. Nach vier Spieltagen liegt der Fußball-Drittligist im Soll. Die vor Saisonstart mutmaßlich größte Baustelle wurde anders behoben als gedacht.

Zwickau.

Er hat fast alle Spieler beim FSV Zwickau kommen und gehen sehen. Davy Frick trägt seit 2011 das rot-weiße Trikot der Sachsenring-Nachfolger. Der dienstälteste FSV-Profi feierte zwei Aufstiege mit dem Verein, schaffte drei Jahre in Folge den Klassenerhalt in der 3. Liga. "Das macht mich sehr stolz", sagt der 29-Jährige, fügt aber in gleichem Atemzug an: "Man darf nicht den Fehler machen und sich darauf ausruhen. Im Hier und Jetzt geht es darum, Leistung zu bringen", will sich Frick den Rückblick auf das Erreichte fürs Karriereende aufheben.

Doch soweit ist es noch nicht. Sein Vertrag läuft zwar nach der Saison aus, doch den fußballerischen Ruhestand will der gebürtige Thüringer selbst bestimmen. Momentan geht er in der Mannschaft voran. Keine Minute fehlte er in den vier Spielen der Saison, die mit zwei Siegen, einer Niederlage und einem Remis gut für die Westsachsen angelaufen ist. Frick, eigentlich gelernter Spieler auf der Sechserposition im defensiven Mittelfeld, hielt außer beim Ausflug zu 1860 München (0:3) den Laden in der Abwehr dicht, wenngleich auch etwas Glück in einigen Situationen dabei war. "Neuland ist es für mich nicht. Ich habe immer mal in der Abwehr ausgeholfen", erklärt "Fricker", wie er im Spielerkreis gerufen wird, seine aktuelle Aufgabe.

Für den Posten des Abwehrchefs, den in der Vorsaison der heutige Sportdirektor Toni Wachsmuth sogar mit Torjägerqualitäten (zehn Treffer, davon sieben Elfmeter) ausfüllte, war eigentlich Neuzugang Christopher Handke auserkoren. Doch in der Vorbereitung kam der 30-Jährige mit einem Muskelfaserriss in der Wade aus dem Rhythmus und gehörte bisher nur beim 0:3 in München zur Startelf. Dort setzte Trainer Joe Enochs mit Blick auf die individuellen Stärken des Gegners auf eine Taktik mit Viererkette, in der Frick und Handke als Innenverteidiger agierten. Obwohl das Konzept scheiterte, ist eine Wiederholung des Systems mit denselben Personen denkbar. "Dreier- oder Viererkette ist nicht das Entscheidende. Wichtig ist, dass wir mutig auftreten und zeitig die Bälle anlaufen", meint Joe Enochs.

Die Variante mit Davy Frick in der Dreierkette birgt natürlich auch ein gewisses Risiko, die mit seiner Art, Fußball zu spielen, zusammenhängt. "Männerfußball halt", würde Frick sein robustes, zweikampfbetontes Spiel beschreiben - die Gefahr, dabei zu überdrehen, inklusive. Als er im ersten Saisonspiel in Meppen nach zwei Minuten wegen Foulspiels die Gelbe Karte sah, schoss ihm der Gedanke in den Kopf: "Na, das geht ja wieder gut los." Doch wie schon in der Vorsaison meisterte er die Situation, vermied einen Platzverweis und sorgte im Verbund dafür, dass hinten die Null stand. Frick: "Es ist schon so: Umso weiter man hinten spielt, desto höher ist die Gefahr, bei einem Fehler gleich ein Gegentor zu kassieren."

In den kommenden Punktspielen in Duisburg (17. August) und daheim gegen den 1. FC Kaiserslautern (26. August) wird die FSV-Abwehr sicher einem Stresstest unterzogen. Bange ist Davy Frick aber nicht. Er hat sich von Spielklasse zu Spielklasse positiv entwickelt, auch in seiner Einstellung zum Profisport. Kurioserweise gab vor anderthalb Jahren der damalige HFC-Trainer Rico Schmitt den Anstoß, der ihm das eine oder andere Kilo zu viel auf den Rippen attestierte. Seitdem hat der 1,86 Meter große Davy Frick zehn Kilo abgespeckt, bringt nun 86 Kilo auf die Waage und spielt und spielt und spielt. Trainer Schmitt dagegen ist derzeit auf Jobsuche, freut sich aber, wenn seine Worte einen Spieler voranbringen. "Bei meiner Äußerung damals waren die Gemüter im Spiel allseits erhitzt. Aber es macht Spaß, Davy zuzusehen. Er ist spielintelligent und robust im Zweikampf", lobt Schmitt. Der Chemnitzer beobachtet die Szene genau und zieht den Hut vor den Zwickauern, was in den vergangenen Jahren mit viel Teamspirit erreicht wurde. Seinen Rat damals an Frick will er auch gar nicht überbewerten: "Ein Spiel steht und fällt mit der Athletik. Das ist ein offenes Geheimnis."

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