"Ich gehe mit einem guten Gefühl"

3. Fußball-Liga: Nach zehn Jahren verlässt Sportdirektor David Wagner den FSV Zwickau - Als Trainer angefangen und zweimal aufgestiegen

Zwickau.

Es wird für David Wagner am Samstag, 13.30 Uhr, gegen Preußen Münster das letzte Heimspiel als Sportdirektor sein. Nach zehn Jahren beim Fußball-Drittligisten FSV Zwickau übergibt der 44-Jährige sein Amt an den scheidenden Kapitän Toni Wachsmuth. Mit David Wagner führte Thomas Prenzel folgendes Interview.

Freie Presse: Mit welcher Gefühlslage rechnen Sie bei Ihrem letzten Saisonspiel für den FSV?

David Wagner: Ich bin selbst gespannt darauf. Ich denke, die Freude über den Klassenerhalt wird auf jeden Fall vorherrschen. Aber sicher wird es sehr emotional.

Hat Ihr Abschied etwas mit der Budgeterhöhung für die erste Mannschaft, die vom DFB in der Nachlizenzierung beanstandet wurde, zu tun?

Absolut nicht. Mir ist Ende des vergangenen Jahres klar geworden, dass ich eine Auszeit vom Fußball möchte. Ich habe über zehn Jahre in verschiedenen Positionen für den Verein gearbeitet, und das immer mit Herzblut. Das zieht auch sehr viel Energie. Die Budgeterhöhung war mit dem Vorstand abgestimmt. Es hat gar nichts damit zu tun.

Wenn Sie zehn Jahre zurückschauen, was empfinden Sie bezüglich Ihrer Arbeit beim FSV?

Zuallererst überwiegt die Freude und der Stolz, was wir gemeinsam im Team - und so habe ich mich auch immer betrachtet - erreicht haben. Wenn ich mir überlege, dass ich 2010 in der ersten Mannschaft in einem schlecht riechenden Baucontainer am Westsachsenstadion angefangen habe und jetzt im Büro unseres neuen Stadions sitze, der Verein sich zudem im Profifußball etabliert hat, dann erfüllt mich das mit Stolz und auch mit Dankbarkeit.

Zu Beginn ging es noch etwas vogelwild zu. Als Co-Trainer wurden Sie vom Verein beauftragt, einen Chefcoach zu suchen ...

Ja, 2009 hatte ich als A-Jugend-Trainer angefangen. Ein Jahr später hat man mich gefragt, ob ich Co-Trainer der ersten Mannschaft werden möchte. Der FSV stand damals vor der Insolvenz. Das Thema hat den Verein ja immer begleitet. Ich habe damals mit Nico Quade gesprochen, der vorher in Gera Trainer und zu dem Zeitpunkt frei war. Nach einer Stunde sind wir uns einig gewesen, dass wir es gemeinsam anpacken. Die Insolvenz konnte damals zum Glück abgewendet werden. Jeder Einzelne im Verein hatte seinen Anteil daran. 2011/12 sind wir dann von der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen.

In der haben Sie dann Torsten Ziegner, wieder einen Aufstiegstrainer, verpflichtet.

Das war ein Gemeinschaftsprojekt. Ich hatte Torsten gefragt, wie lange er noch in seinem hohen Fußballeralter in der Regionalliga rumgurken will, und ihm verständlich gemacht, dass es besser wäre, als Trainer an meiner Seite zu stehen. Damals war vom Verein kommuniziert worden, dass Nico Quade aufhört.

Und vor dieser Saison lagen Sie auch mit Ziegners Nachfolger Joe Enochs richtig.

Er ist ein Glücksfall für Zwickau. Für ihn war es sicher nicht leicht, von außerhalb hierherzukommen und einen erfolgreichen Trainer zu beerben. Mit seiner Kompetenz und seinen menschlichen Qualitäten passt er 100 Prozent zum FSV.

Als Sportdirektor sind Sie vor allem für den Spielerkader verantwortlich. Wie beurteilen Sie Ihre Quote für die Neuzugänge vor und in dieser Saison?

Ich denke, eine Einschätzung darf nicht nur auf den neuen Spielern beruhen. Wir hatten vor dieser Spielzeit eine Monsteraufgabe, nämlich die auslaufenden Verträge von vielen Leistungsträgern wie Brinkies, König, Könnecke, Miatke, Frick, Antonitsch oder Lange zu verlängern. Das ist uns gelungen. Und diese Profis haben das Gerüst gebildet, eine tolle Saison gespielt und ihre Rolle als Führungsspieler sehr gut ausgefüllt. Dadurch haben wir auch schwierige Situationen, die es durchaus gab, gut überstanden.

Von den elf Neuen überzeugte vor allem das Trio Reinhardt, Lauberbach und Gaul, oder?

Ja, gerade Lion ist ein junger Spieler, der sich in dieser Saison einen Stammplatz erkämpft und mit seinem unbändigen Willen gezeigt hat, wohin die Reise führen kann. Auch Bonga, Kartalis oder Hoffmann waren gute Verpflichtungen. Bei allem müssen wir immer bedenken: Der FSV kann keine Ablösesummen zahlen und ist in der Gehaltsstruktur - und darauf habe ich immer geachtet - so aufgestellt, dass wir in der Regionalliga nach Talenten schauen müssen - in der Hoffnung, dass sie sich zum Drittligaspieler entwickeln. Dass dies nicht jeder schafft, ist auch logisch.

Haben Sie noch am Kader für die kommende Saison mitgewirkt?

Ich habe nur unterstützend Gespräche geführt. Die Entscheidungen liegen klar bei Toni Wachsmuth und dem Trainerstab.

Gibt es einen Fehler, den Sie in den zehn Jahren gemacht haben und sich nicht verzeihen können?

Nein. Ich sagte ja, dass wir immer im Verbund Entscheidungen getroffen haben - und ich habe das immer mit vollster Überzeugung getan. Mir waren Meinungen der Sportlichen Leitung immer wichtig. Aber klar ist auch: Wenn man viele Entscheidungen treffen muss, gibt es gerade auch bei den Transfers mal das eine oder andere, was man im Nachgang anders gemacht hätte. Dazu stehe ich, ansonsten wäre ich kein Mensch.

Wo sehen Sie den FSV Zwickau in drei Jahren?

Ganz schwere Frage. Ich kann Ihnen höchstens sagen, was ich mir wünsche: nämlich, dass der Verein sich wirtschaftlich entwickelt, sich weiter im Profifußball etabliert und das, was wir gemeinsam aufgebaut haben, fortführt. Ich wünsche mir, dass die Mannschaft weiter ein klares Gesicht hat - mit Mentalität, Leidenschaft, Identifikation.

Wie lange werden Sie es ohne Fußball aushalten?

Da bin ich selbst gespannt drauf.

Was werden Sie beruflich in Zukunft tun?

Ich will das alles, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, erst einmal sacken lassen. Aber ich bleibe in Zwickau, werde mich in der Photovoltaik-Branche (Umwandlung von Sonnenenergie in Strom/Anm. d. Red.) selbstständig machen.

Also wird man Sie auch im Stadion beim FSV sehen?

Ja, ich bin lebenslanges Mitglied. Und wir gehen im Guten auseinander, auch weil wir in den zehn Jahren unsere Ziele erreicht haben.

Sehen Sie Ihren Job beim scheidenden Kapitän Toni Wachsmuth künftig in guten Händen?

Ja. Es war sehr wichtig für mich, dass ich mein Amt mit dem Klassenerhalt und einem guten Gewissen übergebe. "Wachser" (Toni Wachsmuth/Anm. d. Red.) lebt die Werte des Vereins. Und so wird er auch diesen Job ausführen. Ich gehe mit einem guten Gefühl.

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