Zwickau: Fünf Tore und eine blutige Nase

Mit dem Rücken zur Wand hat Fußball-Drittligist FSV einmal mehr abgeliefert und den Halleschen FC 5:1 bezwungen. Vor allem auf einen Spezialisten konnte sich Trainer Joe Enochs verlassen.

Zwickau.

Nur ganz kurz brach sich die Gewohnheit ihren Bann, als die Spieler und Betreuer des FSV Zwickau nach dem Abstiegskrimi gegen den Halleschen FC einen Kreis auf dem Rasen bildeten und sich gegenseitig die Arme auf die Schultern legen wollten. Doch die Worte des Trainers kamen sicher auch in Zeiten der Abstandsregeln an. Nur so wie in den 90 Minuten zuvor kann die Mannschaft den Abstieg verhindern, hieß das Credo. "Wenn wir eklig und in den Zweikämpfen sind, wenn wir uns nur mit unserem Fußball und nicht mit dem Schiri oder Gegner beschäftigen, haben wir Erfolg", schätzte Joe Enochs den mit 5:1 (1:0) höchsten Saisonsieg ein.

Die Erleichterung war im leeren Stadion zum Greifen. Denn "verlieren verboten" hieß das Motto ebenso für den HFC, der nach der 1:5-Klatsche ohne große Gegenwehr noch eine dritte Halbzeit zu absolvieren hatte. In der heimischen Arena in Halle empfingen rund 150 verärgerte Fans den Mannschaftsbus. Viele Argumente hatten die Profis nicht. "Bei dem Ergebnis eigentlich gar keines", sagte auch ein resigniert ausschauender Trainer Ismail Atalan. Der Coach gab sich allerdings nach dem Debakel verbal noch erstaunlich moderat. Er glaube an die Mannschaft und daran, dass sich die Spieler in den verbleibenden acht Partien nicht hängenlassen. Genau das soll allerdings im Profifußball schon vorgekommen sein, wenn Abstiege weiterlaufende Verträge ungültig machen und Spieler so ablösefrei wechseln können.

Atalan führte die Niederlage vor allem auf den Unterschied bei Standardsituationen zurück. Bei den ruhenden Bällen vermisste er die Mentalität bei seinen Kickern, während die Zwickauer eine Reihe Ecken und Freistöße der Hallenser gut verteidigten. Dass den Gästen mit Sebastian Mai ein großgewachsener Mann für solche Situationen fehlte, erwähnte Atalan nur nebenbei. Der FSV traf gleich dreimal nach Freistoß und zwei Eckbällen, die von René Lange getreten wurden. Der 31-Jährige, neben Morris Schröter und Davy Frick einer der drei verbliebenen Aufstiegshelden von 2016, erwischte einen Sahnetag, zirkelte die Bälle mit Schnitt und Schmackes in den Strafraum. Dort fand er mit den Stürmern Elias Huth (1:0) und Ronny König (2:0) oder Frick (4:1) dankbare Abnehmer, die Enochs in sein Lob integrierte. "Dass die Bälle gut reinkommen, ist die eine Sache. Aber die Laufwege haben auch gut gestimmt. Und es hat auch mit Mentalität zu tun, den Kopf hinzuhalten", sagte der Trainer.

Der älteste Drittligaprofi, Ronny König, hielt seinen in der 49. Minute hin, bekam dabei aber auch die Faust von Halle-Keeper Kai Eisele auf die Nase. Nach kurzer blutstillender Behandlung bereitete der seit vergangenen Dienstag 37 Jahre alte Torjäger noch das 3:0 von Nils Miatke sowie das 5:1 durch den eingewechselten Gerrit Wegkamp vor. Ein Tor erzielt, zwei vorbereitet - Ronny König lieferte ab in diesem so wichtigen Spiel. Man darf gespannt sein, ob der Haudegen noch ein Jahr dranhängt, sollte Zwickau den Klassenerhalt in dieser Coronasaison schaffen. Auch René Langes Kontrakt endet am 30. Juni. Dass Zwickau möglicherweise auf Lange, König, Keeper Johannes Brinkies (alle auslaufende Verträge) oder Kaiserslautern-Leihgabe Huth in den letzten beiden Saisonspielen im Juli verzichten muss, sollte nicht passieren. Laut Sportdirektor Toni Wachsmuth habe es bereits Gespräche gegeben, "die konkret werden, wenn es soweit ist." Enochs geht davon aus, dass es bis zum Klassenerhalt "noch ein weiter Weg ist. Wir sollten auf dem Teppich bleiben", warnte der Trainer, der in den 90 Minuten verbal an der Linie vorlebte, wie man sich im Abstiegskampf ohne Zuschauer gegenseitig pushen muss.

Der klare Triumph, der erste seit 16. Februar (1:0 gegen Duisburg), sollte Auftrieb geben. René Lange vermied es aber, nach dem für die Stimmung eminent wichtigen Dreier euphorisch zu werden. "Es war auf jeden Fall kein 5:1, sondern ein enges Spiel im Abstiegskampf. Halle war immer noch griffig", sagte der Linksfuß auch mit Blick auf das zwischenzeitliche 1:3. Trotz Anweisung von Co-Trainer Robin Lenk konnte Marius Hauptmann den Hallenser Niklas Kastenhofer nach einer Ecke nicht ausreichend am Kopfball hindern. Dennoch tat der FSV in der Partie sogar noch etwas fürs Torverhältnis. Und schon am Dienstag soll bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern in München noch etwas Zählbares hinzukommen. Ob dies mit der Zwickauer Waffe über Standards passiert, interessiert letztlich nur am Rande. "Wir würden gern mal wieder zwei Siege in Folge landen", drückte Davy Frick seine Sehnsüchte aus. Gelungen ist das dem FSV in dieser Saison noch nicht.

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