Blindenreporter vermitteln besonderes Stadionerlebnis

Der FC Erzgebirge Aue offeriert in der 2. Fußball-Bundesliga erstmals ein ganz spezielles Angebot - für sehbehinderte Fans.

Aue.

Ihren Platz haben Michael Thriemer und Karsten Gahler auf der Pressetribüne des Sparkassen-Erzgebirgsstadions gefunden. Sie genießen wie die Journalisten, die für die Heimspiele des Fußball-Zweitligisten Aue akkreditiert sind, gute Sicht aufs Spielfeld. Die brauchen die beiden auch: Sie sind die neuen Blindenreporter des FC Erzgebirge.

Jede Situation auf dem Rasen versuchen Thriemer und Gahler allein mit Worten wiederzugeben. Ein hartes Stück Arbeit, findet Gahler: "Das ist schwer mit der Reportertätigkeit im Fernsehen und Radio zu vergleichen." Ein TV-Reporter muss viel weniger reden. In eine Vollreportage im Radio fließt nicht nur das Geschehen auf dem Feld ein, auch Hintergrundwissen über Spieler, Spielsysteme und Gegner. Damit will ein guter Radioreporter glänzen und im besten Fall auch richtig überzeugen. "Mehr schildern, weniger bewerten", sagt Gahler, der erstmals als Blindenreporter arbeitet. "Bei uns geht es darum, dass die Blinden das Spiel miterleben, ein ganz besonderes Stadionerlebnis haben." Michael Thriemer aus Burkhardtsdorf, schon länger Stadionsprecher des SV Tanne Thalheim und Hallensprecher beim Ringerverein Thalheim, fand schnell Spaß an dieser neuen Herausforderung. "Sprechen ist einfach mein Ding", so der 36-Jährige.

Blindenreportagen gibt es in der Bundesliga schon länger. Dass nun auch die Veilchen den besonderen Service für Menschen mit Handicap anbieten, ist dem ehemaligen Behindertenfanbeauftragten Sebastian Kreißig zu verdanken. Erste Überlegungen hatte es schon vor anderthalb Jahren gegeben. Es folgten zwei Probeläufe mit ausgeliehener Technik. Nachdem die Proben gelungen waren, wurde über eigene Technik nachgedacht. "Die Aktion Mensch hat die Anschaffung gefördert", sagt Thriemer. Bei der Technik handelt es sich um einen stationären Sender, der vor den Reportern auf dem Tisch steht. Die Sehbehinderten können überall im Stadion sitzen oder stehen. Sie tragen einen Empfänger und hören die Reportage über Kopfhörer. Der Empfang sei im gesamten Stadion gewährleistet. "Sie kaufen sich ganz normal ihre Eintrittskarte und melden sich beim Fanbeauftragten, dass sie einen Empfänger benötigen, den sie vorm Spiel erhalten", erklärt Thriemer, der sich auf weitere Mitstreiter freut. Mario Dörfler gehört schon dazu, perspektivisch soll es mal einen Pool von bis zu fünf Blindenreportern geben, die in der Lage sind, als Duo zu arbeiten.

Beim FC Erzgebirge freut man sich über das neue Angebot. Pressesprecher Peter Höhne: "Solche Initiativen muss man unterstützen. Und das machen wir natürlich auch." Selbst für Spiele, bei denen es auf der Pressetribüne wegen der vielen Journalisten eng wird, lasse sich eine Lösung finden.

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