Ein Muster an Beharrlichkeit

Ein 40. Geburtstag ist kein bemerkenswerter. Im Fall eines Gelenauers liegt die Sachlage etwas anders, denn die Hälfte dieser Zeit hat er als Aktiver keinen Ringkampf seiner Mannschaft verpasst - einmalig weit und breit.

Gelenau.

Teamkapitän, Vereinsaushängeschild, Vorstandsmitglied, Nachwuchstrainer, Kleinbusfahrer: So richtig viel von dem, was es im Ring- und Stemmklub "Jugendkraft 1898" Gelenau zu tun gibt, bleibt gar nicht übrig. Allein könnte dies Daniel Franke dennoch niemals bewältigen. Und doch ist er ein Unikum. Denn seit dem Jahr 2000 hat er keinen Kampf versäumt - weder in der Bundes- noch in der Regionalliga. Deshalb aber musste er am Sonntag nicht die vielen Hände schütteln, sondern weil er 40 geworden ist.

33 Jahre davon steht er auf den Matten, die für ihn die Welt bedeuten. Aus dem Wandzeitungsplakat "Ringen macht Spaß! Möchtest Du mitmachen?" ist Lebensinhalt geworden, sogar ernster manchmal. Denn dieser Aufforderung, die 1986 in der August-Bebel-Schule Zschopau hing, ist Daniel Franke gefolgt. Sie hat ihn geprägt. Denn seit er damals als Erstklässler die Matte betrat, ist er nicht mehr von dieser losgekommen. Der inzwischen 40-Jährige hat etwas geschafft, das in Deutschland vermutlich einmalig ist: Er steht vor seiner 20. Saison in der Männermannschaft des RSK Gelenau und hat nicht einen Kampf versäumt.

Verletzt? Nie. Krank? Nie. Ausreden? Nie. Familienfeier? Gilt nicht. Wenn Gelenaus Männer ringen, dann ist Daniel Franke einfach da. Alles ordnet er dieser selbstauferlegten Bestimmung unter. Im Gegenteil, sollte der Trainer mal auf die Idee kommen, den Altmeister schonen zu wollen, erntet er finstere Blicke. "Es gibt ja auch keinen Grund, ihn rauszulassen. Daniel macht immer noch flott mit und gewinnt trotz seines hohen Ringkampfalters noch etwa die Hälfte aller Duelle. Davor kann ich nur den Hut ziehen", zollt Björn Lehnert seinem zwei Jahre älteren Schützling höchsten Respekt. Frankes Zahlen sprechen für sich. In den 301 Mannschaftsduellen, die sein Heimatverein in all den Jahren bestritt, stand er auf der Matte. 203-mal hat er diese als Sieger verlassen und allein 739 Punkte für seinen Heimatklub errungen. Einsamer Rekord.

"Daniel ist ein Musterbeispiel für Beharrlichkeit. Als ich mit dem Mannschaftsringen angefangen habe, war er gefühlt ein alter Hase. Dabei bin ich nur zwei Jahre jünger", sagt sein Trainer, der einst mit Daniel Franke die ersten Griffe in Zschopau erlernte. Zwischendurch hatten sich die Wege wegen Studium, Sportschule, Lehre und Beruf getrennt, jetzt kämpfen die beiden wieder Seite an Seite. Und Björn Lehnert wird sich weiterhin auf seinen Kapitän verlassen können. Denn der beißt sich durch, Woche für Woche - mit Bandagen, Eis-Spray oder Platzwunden, auf tausenden Kilometern Straße in Nord-, Ost- und Westdeutschland, um zu den Wettkampforten zu gelangen. Als Knirps ist er für ein Eis als Schnellster die Kletterstange hochgekraxelt oder war Erster im Hindernislauf. "Nie auf dem Rücken liegen", hat ihm sein erster Trainer eindringlich eingeredet - und erkannt, dass der Siebenjährige dies von der ersten Minute an verinnerlicht hatte. Aus dem zerbrechlich wirkenden Knirps ist ein drahtiger Mann geworden, dessen Sohn Felix bald nach Leipzig ans Sportgymnasium wechselt, wo auch Daniel trainiert und sein Abi ablegt hat. Bis in die internationale Spitze hat es der ehrgeizige Schwarzschopf nicht geschafft, doch er war zweimal Medaillengewinner bei deutschen Jugend- und ist neunmaliger Champion bei deutschen Veteranenmeisterschaften. Noch wehrt er die meisten Attacken seiner jüngeren Kontrahenten ab - nahezu gleich gut in beiden Stilarten, was ebenso nicht alltäglich ist.

Wenn diese Zeilen in den Druck gehen, bricht er mit Frau Ivonne und den Kindern in den Urlaub nach Kroatien auf. Doch sein Trainer darf sicher sein, dass er am 31.August fit auf der Matte steht. Schließlich gibt es ein neues Ziel: "Die Veteranenweltmeisterschaft 2020 in Griechenland. Dann gehöre ich zu den Jüngsten", sagt der erfahrene Stratege schmunzelnd.

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