Superläufe im Sog der Weltmeisterschaft

Ein fleißiges Häuflein hat Aktiven und Zuschauern der internationalen deutschen Titelkämpfe im Modellautosport eine Menge geboten. Belohnt wurden die Gelenauer mit einem Klassensieg.

Gelenau.

Uwe Sieber hat mit seinen Getreuen vom TSV Gelenau das Sportareal "Erzgebirgsblick" in eine super Wettkampfarena verwandelt und dafür eine Menge Applaus geerntet. Die Aktiven gleich mit. Die waren überrascht, sind so viele Zuschauer nicht gewöhnt. ",Die Stimmung ist hier ja wie im Fußballstadion', haben mir einige gesagt", war Sieber zufrieden. Der Aufwand für die Internationale Deutsche Meisterschaft hatte sich gelohnt - in zweifacher Hinsicht. Denn der Zuspruch lag weit über den Erwartungen, die Leute fieberten mit, klatschten und raunten, wenn es Führungswechsel oder Fahrfehler gab. "Und mit den Plätzen 1 und 3 haben wir auch sportlich gezeigt, dass wir wer sind", so der TSV-Gesamtleiter.

Allen voran sein Sohn Daniel. Der 29-Jährige zeigte Nerven wie Drahtseile. In der Modified-Klasse, das ist die mit den schnellsten Autos, gewann er nach Platz 2 im ersten der drei Finalläufe die beiden abschließenden. Er setzte Favorit Markus Mobers dermaßen unter Druck, dass dieser einmal von der Strecke flog und sich einmal kurz verbremste. Dies reichte dem Gelenauer, um vorbeizuziehen, die Gesamtwertung zu gewinnen und sich damit zugleich für die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Südafrika zu qualifizieren. "Natürlich bin ich zufrieden. Vor allem aber mit dieser tollen Kulisse, die uns richtig gepuscht hat", sagte der Gewinner.

Fast hätten die Gastgeber durch Moritz Hilbert einen zweiten Titel bejubeln dürfen. Doch an seinem Stock-Car machte sich ein Ritzel selbstständig. "Eine kleine Madenschraube hat sich gelockert und uns um den Sieg gebracht", sagte Vater Carsten angesäuert, nachdem das Hilbert-Car als Führendes einfach stehen geblieben ist. Die Technik ist eben eine Wissenschaft für sich, auch im Modellsport. Denn was die Bastler mit ihren kleinen Flitzern alles so anstellen, nötigt Respekt ab. Nicht nur, dass vor den Rennen die Halle mit Teppich ausgeklebt werden muss, Fahrerstände, Boxengasse und ein Schleifzimmer angeboten werden müssen. Nein, auch an den Autos ist eine Menge zu tun. Die Modifiedklasse erlaubt so ziemlich alles. "Da gibt es nahezu keine Beschränkungen. Reifen, Elektronik, Motor kann jeder frei wählen. Einzige Bedingungen: reiner Heckantrieb und Maßstab 1:12", klärt Uwe Sieber auf. Deshalb sind die Autos dieser Kategorie auch an die 100 Stundenkilometer schnell, während es die der Stock-Klasse nur auf Tempo 60 bringen. Grund dafür ist, dass die Motoren bestimmte Drehzahlen nicht übersteigen dürfen. Aber ansonsten suchen die Bediener immer nach dem Optimum, testen Öle, Stabilisatoren, Federn, Reifen. "Wer gewinnen will, kann nichts dem Zufall überlassen. Die Besten ziehen für jeden Lauf neue Reifen auf. Bei sechs Trainings, fünf Vorläufen und drei Finals gehen also 14 Sätze drauf. Ohne Quatsch", versichert Sieber. Dabei ist Reifen nicht gleich Reifen, Teppich nicht gleich Teppich. An jedem Ort sind die Bedingungen anders. Je nach Borstenhöhe werden die Pneus mit den 44 Millimetern Durchmesser geschliffen und dann mit Haftmittel bepinselt, um auf Maximaltempo kommen zu können. Die Erfolgreicheren haben dann - wie im richtigen Leben - dafür Sponsoren. "Denn selbst bei uns kostet ein Satz um die 20 Euro, macht an einem Rennwochenende allein 300 Euro. Dafür sind die Autos preiswerter als viele denken", sagt Sieber. Normale Modelle kosten um die 300 Euro, eine gute Fernsteuerung noch einmal rund 200. "Damit lässt sich richtig gut mitmischen. Aber nach oben gibt es wie überall nahezu keine Grenzen", sagt Uwe Sieber.


Ein verlorenes Ritzel macht den Gesamtsieg zunichte

Ein Raunen ging durch die Halle, als das führende Car von Moritz Hilbert stehen blieb. Den Youngster hat Thomas Schmidt anschließend befragt.

Sauer, dass ausgerechnet im ersten Finallauf die Technik versagt?

Klar, glücklich bin ich nicht. Aber so etwas ist Teil des Motorsports, im Großen wie im Kleinen.

Sie hätten aber gewonnen, so wie den letzten Lauf?

Hätte zählt nicht. Deshalb bin ich hinter dem Engländer Ollie Payne und Doppeleuropameister Jan Ratheisky nur Gesamtdritter geworden, weil die beiden je einmal Erster und Zweiter in den Finalläufen waren.

Seit wann fahren Sie mit Modellen?

Seit 2002. Damals in der Kinderklasse des Tamiya-Cups. Dann bin ich immer besser geworden.

Wo liegen die Ursachen?

Im häufigen Training, mindestens zweimal pro Woche, und indem ich mir von anderen viel abschaue. Deshalb habe ich meinen Vater als Fahrer überholt. Er ist aber meist dabei, macht für mich den Schrauber.

Und etwas Persönliches?

Ich bin 19 Jahre alt, wohne in Hormersdorf und lerne im dritten Lehrjahr im VW-Motorenwerk in Chemnitz.

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