Training für Körper und Geist

Karate: Seit 30 Jahren wird in Zschopau Kampfkunst unterrichtet - Im Erzgebirgskreis gibt es 15 Vereine

Zschopau.

Vor 30 Jahren ist der Karateverein Zschopau gegründet worden. Seit Anfang an ist Wolfgang Langer nicht nur dabei, sondern er leitete den Verein auch in all den Jahren. Mit dem 60-jährigen Diplomlehrer für Geschichte, der am IAJ Annaberg unterrichtet, hat sich Olaf Wirth anlässlich des Jubiläums unterhalten.

Freie Presse: Herr Langer, in diesen Tagen hätten Sie und der Verein Grund zum Feiern?

Wolfgang Langer: Stimmt, vor 30 Jahren etablierte sich in Zschopau eine Sportart, welche dieser Bezeichnung nur bedingt gerecht wird, die Kampfkunst Karate. Genau am 15. Mai 1990 haben 26 Sportfreunde den Karateverein Zschopau gegründet.

Warum einen Karateverein in der erzgebirgischen Provinz?

Inspiriert von asiatischen Kampfsportfilmen wollten ein paar Leute eine exotische Sportart trainieren. Innerhalb der Lehrlingssportgemeinschaft Judo an der Kommunalen Berufsschule Zschopau entstand im Oktober 1986 eine kleine Karate-Übungsgruppe.

Kam das bei den DDR-Oberen damals gut an?

Nur bedingt. Karate war damals eher unerwünscht. Aber wir haben nach einem Lehrbuch des deutschen Karate-Pioniers Albrecht Pflüger trainiert. 1988 gab es dann erste Kontakte zu Übungsgruppen in Ostberlin, Magdeburg und Leipzig, aber auch schon zum Deutschen Karateverband sowie zu Landesverbänden der alten BRD.

Lohnte sich diese Mühe?

Ja, wir wurden mit ersten Lehrgängen in Leipzig, Annaberg-Buchholz und Thalheim belohnt, welche zum Teil durch Karatelehrer aus der alten Bundesrepublik geleitet wurden.

Und dann?

Im September 1989 gründeten wir eine Trainingsgruppe Karate innerhalb des DTSB der DDR, am 15. Mai 1990 folgte schon die Vereinsgründung. In den Folgemonaten stand das Erlernen der Kampfkunst Karate im Mittelpunkt. Wir trainieren seitdem die Stilrichtung Goju Ryu des Stilbegründers Miyagi Chojun.

Wie viele Mitglieder hat denn der Karateverein Kunbukan Zschopau heute?

Aktuell sind wir 24 Mitglieder, darunter 19 Kinder und Jugendliche.

Gab es Höhepunkte im 30-jährigen Vereinsleben?

Natürlich. Neben den normalen Aktivitäten zählen die beiden jährlichen Gürtelprüfungen dazu. Unvergessen bleibt unser erster großer öffentlicher Auftritt zum Stadtfest in Zschopau 1992. Gern gesehen sind wir auch zu Schul- und Heimatfesten in umliegenden Gemeinden. Mit Akira Shiomi aus Tokio, der den 8. Dan trägt und im japanischen Karateverband JKF Goju Kai zahlreiche hohe Ämter bekleidete, hatten wir zudem mehrmals sehr prominente Anleitung für das Training.

Worin liegt das Besondere am Karate?

Karate ist eine gute Möglichkeit, um Körper und Geist zu trainieren, in Form zu bleiben und sich in einer gefährlichen Situation zu schützen. So zumindest beschreibt es Stilbegründer Miyagi Chojun.

Verfolgen Sie mit Ihrer Kampfkunst auch andere Aspekte?

Auf jeden Fall, denn zu unseren Vorhaben zählt die Vermittlung von Werten wie Höflichkeit, Bescheidenheit, Respekt, Selbstbeherrschung und Mut.

Wie ist die Kampfkunst Karate generell im Erzgebirge aufgestellt?

Ich denke mal, ganz gut. Im Erzgebirgskreis gibt es 15 Vereine, unter anderem in Annaberg-Buchholz, Burkhardtsdorf, Marienberg, Oelsnitz, Olbernhau und Schwarzenberg. In ihnen tummeln sich 586 Karateka. Zudem ist unser ehemaliges Zschopauer Gründungsmitglied Ingolf Bartsch seit 1993 Geschäftsführer und Schatzmeister des Sächsischen Karatebundes SKB. Ich wiederum habe mich im SKB von 1991 bis 1998 ehrenamtlich als Präsident engagiert.

Gibt es eine Zusammenarbeit zwischen den Vereinen?

Historisch bedingt geschieht dies eher weniger. Die Vereine trainieren in unterschiedlichen Stilrichtungen und folgen verschiedenen japanischen Meistern. Zu Meisterschaften und Pokalkämpfen trifft man sich allerdings und tauscht sich dabei natürlich aus.

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