Das Rätsel von den sieben Toten

Weil eine Mylauerin in Auerbach nach ihrem hingerichteten Opa sucht, ist eine über 70 Jahre alte Meldung aufgetaucht. Ein grausiger Fund wurde damals an der Schallerbachstraße gemacht. Ist das die richtige Spur?

Auerbach/Mylau.

Für die damaligen Zeitungsschreiber war klar: "Allen Anschein nach sind diese aufgefundenen Toten durch die SS umgebracht worden", heißt es in einem Artikel der "Freien Presse" vom 31. Juli 1946. Der Polizeiarzt habe festgestellt, dass die Toten seit etwa 18 Monaten vergraben waren. Ein brisanter Eintrag im Auerbacher Stadtarchiv, der jetzt im Zuge eine Recherche aufgetaucht ist.

Zuerst war im Juli 46 nur eine Leiche gefunden worden. Unter Einheimischen heißt es, eine Hund habe sie aufgespürt. Am Ende war von sieben männlichen Leichen, "teilweise nur mit Unterwäsche und Strickwesten bekleidet" die Rede, wie es in dem Zeitdokument heißt.


Für Heike Kramer aus Mylau eine heiße Spur. Sie hatte vor zwei Monaten über die "Freie Presse" nach Zeitzeugen zu den Aktivitäten der sowjetischen Besatzer nach Kriegsende gesucht. Hintergrund: Ihr Großvater war im September 1945 als Kriegsverbrecher von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und hingerichtet, nach 1992 jedoch rehabilitiert worden. Die Daten dazu lagen verschlossen im Archiv des russischen Geheimdienstes in Moskau, früher KGB. Über die Stiftung Sächsische Gedenkstätten in Dresden ist Kramer an diese Informationen gelangt. Nur eins ist noch offen: Wo wurde Paul Petzolds Leiche verscharrt? Lediglich einen Anhaltspunkt haben ihr die übersetzten Archivunterlagen preisgegeben: sieben Kilometer südwestlich von Auerbach. Die 46-jährige Mylauerin hoffte auf Hinweise.

Tatsächlich weiß ein Forstwirt aus Auerbach von den Erzählungen eines alten Waldarbeiters zu berichten. In einem Steinbruch an der Schallerbachstraße seien NSDAPler von Russen verscharrt worden, so die Aussage. Sind diese Überlieferung und der Artikelfund aus dem Stadtarchiv identisch? Belegt ist das nicht, aber als Fundort wird in der Nachricht von den sieben Leichen "seitwärts der Schallerbachstraße in einem etwa drei Meter langen und 1,30 Meter tiefen Loch" angegeben.

Offen ist, welcher Steinbruch an der Schallerstraße gemeint ist. Denn es gebe zwei, erklärt Klaus Günther, ein Ortskundiger: einen in Brunn und einen in Hohengrün, der eine links, der andere rechts von der Schallerbacherstraße, wenn man Richtung Klingenthal fährt.

Über den Brunner Steinbruch weiß Günther, dass zur Zeit um 1945 einige Schauergeschichten kursieren. Da sei von KZ-Häftlingen die Rede, die dort zusammengetrieben wurden, und von Nazis, die nach Kriegsende zur Strafarbeit rangezogen wurden. Doch im Stadtarchiv findet sich dazu bislang nichts weiter, unbekannt ist auch, was mit den sieben Leichen passiert ist.

Das interessiert auch Heike Kramer. Sie war auch schon im Staatsarchiv Chemnitz und hat dort Unterlagen gewälzt: "Es findet sich ganz viel zu Auerbach aus dieser Zeit, Schlimmes, mit zahlreichen Toten", berichtet sie. "Aber keine Hinweise zu meinem Opa, die vorhandenen Unterlagen betreffen lediglich das Geschehen in den letzten Kriegsmonaten", ergänzt sie. Zur Zeit nach Kriegsende sei nichts vorhanden.

Die Dokumentation der Nachkriegszeit scheint in russischen Archiven verschwunden zu sein. Könnte es deshalb auch sein, dass es sich bei den Toten von der Schallerbachstraße nicht um SS-Opfer handelt, wie damals angenommen oder vielleicht propagiert, sondern um von den Sowjets Hingerichtete?

Fakt ist, dass der Fundort der Leichen nicht zur Beschreibung der Lage passt, an dem Paul Petzold verscharrt worden sein soll. Denn Brunn liegt nicht südwestlich, sondern südöstlich von Auerbach. Heike Kramer hatte Neustadt, nahe des Bezelbergs, als passendes Areal ausgemacht. Und auch dazu gab es nach ihrem Leseraufruf einen Hinweis ...


Mysteriöser Graben

Ist das die Spur eines Massengrabes? Von einem Graben, der Fragen aufwerfe und vielleicht im Zusammenhang mit Geschehnissen von 1945 stünde, berichtete Babett Richter aus Siebenhitz nach dem Aufruf von Heike Kramer. Sie dokumentiert dies mit Fotos. Ihre Ortsbeschreibung dazu: Von der ehemaligen Bahntrasse Falkenstein-Oelsnitz (Vogtlandradweg) aus gesehen, geht es zwischen B 169 Richtung Bahnhof Bergen zirka zehn Meter nach dem Kilometerstein 26/6 nach links auf dem alten Fußweg nach Neustadt entlang. Nach 220 Metern befinde sich der Graben links.

Für Heike Kramer interessant, da diese Lage zur Beschreibung passt, wo ihr Großvater verscharrt worden sein soll: sieben Kilometer südwestlich von Auerbach. Momentan versucht sie den Waldeigentümer ausfindig zu machen. (suki)

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