Der lange Weg zum eigenen Kleingarten

Ellefelds Ex-Bürgermeister Heinrich Kerber kennt die Gartensparte "Goldene Höhe" noch aus Kindertagen in den 1950er Jahren. Vier Generationen teilten sich damals in der Anlage eine Parzelle.

Ellefeld.

Zwischen dem Gestern und Heute können Welten liegen. Vieles war ganz anders, als Familie Kerber Mitte der 1950er Jahre nach einer grünen Freizeit-Oase am Rande ihrer noch neuen Heimat Ellefeld suchte. In der Kleingartenanlage "Goldene Höhe" wurde sie fündig. Vor der Pacht stand allerdings eine Wartezeit. Wie lang der Geduldsfaden sein musste, kann Heinrich Kerber heute nicht mehr sagen. Damals war er ein zehnjähriger Junge - und der Schrebergarten ein regelrechter Schatz.

"Dann hieß es, da wird was frei", beschreibt Heinrich Kerber die gemeinsame Vorfreude auf eine Parzelle. "Eingezogen" sind 1957 vier Generationen, die 1948 aus Ungarn ins Vogtland kamen: Kinder, Eltern, Großeltern und die Urgroßmutter. "Das Wort Leerstand kannte man damals gar nicht", berichtet der 72-Jährige. Seit dem Wechsel in den Ruhestand vor sechs Jahren hat Ellefelds ehemaliger Bürgermeister Heinrich Kerber öfter Gelegenheit, seinem Spartengarten in der Randsiedlung Besuche abzustatten. 1983 unterschrieb er den Pachtvertrag - nach etwa vier Jahren Wartezeit. Seitdem ist der Ellefelder obendrein Mitglied im Verein "Goldene Höhe". Vor fünf Jahren übernahm er jene Parzelle mit, die einst den vier Familien-Generationen gehörte.


Heinrich Kerbers Vereinskollege Werner Baumgartner erinnert sich an heute seltsam wirkende "Blüten" als Resultat der Schrebergarten-Knappheit. "Es gab auch Tauschgeschäfte: Suche Trabant, biete Garten. Oder umgekehrt", erzählt er. Baumgartner musste auf seine Parzelle nur ein Dreivierteljahr warten. Weil er sich bereit erklärt hatte, für die Wasserversorgung im Gelände den Hut aufzusetzen.

Dass es im Schrebergärtner-Leben nicht nur ruhig zugeht, bekamen Heinrich Kerber und seine Mit-Pächter zwar selten zu spüren. Aber wenn, dann ging es mitunter spektakulär zu. Zwei Zwischenfälle mit Seglern vom nahen Auerbacher Flugplatz verzeichnet die 90 Jahre alte Anlage. Ende der 1990er Jahre verfehlte das Schleppseil eines Flugzeuges nur knapp eine Frau im Liegestuhl. Ein ähnlicher Vorfall reicht noch viel weiter zurück. Zur DDR-Zeit wurde der Flugplatz von der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) genutzt, einer Massenorganisation in der ehemaligen DDR, in der eine vormilitärische Ausbildung stattfand. Ein ebenfalls durch die Sparte schleifendes Seil stutzte irgendwann sorgsam gepflegte Bäume. "Dann hat es jemand abgehackt. Allerdings musste man bei solchen Sachen aufpassen", schauen Heinrich Kerber und Werner Baumgartner auf die politisch riskante Reaktion eines Gartennachbars zurück.


Daten & Fakten

Die "Goldene Höhe" in Ellefeld ist eine von 158 Sparten im Regionalverband Göltzschtal der Kleingärtner. Ihre Zahl schrumpft zunehmend. 2018 existierten noch 161. Erstmals zählt der Verband auch weniger als 5000 Mitglieder. Um die 4900 sind es aktuell.

Die Ellefelder Kleingartensparte setzt sich aus etwas mehr als 80 Aktiven und 51 Gärten zusammen. Leerstände gibt es mit vier Parzellen bis dato weit weniger als anderswo. Vereinschef ist Ralf Stange (Foto). Im gesamten Regionalverband Göltzschtal stehen insgesamt 1600 Gärten ohne Pächter da. Sorgen bereiten nach wie vor Gartennomaden, die anvertraute Grundstücke in Müllhalden verwandeln und sich dann absetzen. Ähnliche Erfahrungen musste die "Goldene Höhe" vor kurzem mit zwei Pächtern machen. (dien)

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