Oktoberfest: Kopie besser als das Original

Um gute Laune mussten sich die Musiker in Wernesgrün kaum bemühen, die brachten die Gäste mit. Bei Kleidung lagen traditionelle Teile vorn.

Wernesgrün.

Dirndl und Lederhosen - mehr braucht es nicht, um stilecht in Wernesgrün ein Oktoberfest zu feiern, wie es die Bayern in München seit etwa 200 Jahren tun. Mehrere Hundert Gäste sorgten zum wiederholten Mal für eine ausverkaufte Biertenne.

Es gibt sogar einen jungen Mann aus Kirchberg, für den die Lederhose überhaupt nicht typisch bayrisch ist: Kevin Rößler behauptet, dass dieses Kleidungsstück eine Erfindung der Erzgebirger und Böhmen sei. "Das habe ich recherchiert. Als Kind habe ich auch schon Lederhosen getragen." Und überhaupt: "Das Münchner Oktoberfest ist viel zu voll und überlaufen. Außerdem trinken wir gern Wernesgrüner Bier", schiebt er gleich noch zwei Gründe nach, warum es sich auf dem Dorf besser feiern lässt, als in der Millionenmetropole. Maximilian Albert, auch aus Kirchberg, findet die Mischung der Generation im Vogtland gut. Er hat schon voriges Jahr das Wernesgrüner Oktoberfest miterlebt. Marcus Wehlte aus Zwickau kann beiden Festen, dem Münchner und dem Wernesgrüner, Positives abgewinnen. Nach München fährt er öfter. "In Wernesgrün bin ich heute das erste Mal. Ich muss sagen: Es gefällt mir hier sehr gut."

Während die jungen Männer um die Ecke wohnen, hatten Alexandra Rieß und Lena Loos eine weitere Anreise. Alexandra steuerte aus Leipzig das Vogtland an, Freundin Lena aus Kaiserslautern. Die jungen Frauen kennen sich von früher. Auf dem Münchner Oktoberfest waren beide noch nicht. Der gute Ruf der Veranstaltung im Bierdorf war aber mittels moderner Kommunikationsmedien bis zu ihnen durchgedrungen. "Ich war seit acht Jahren nicht mehr hier. Endlich wieder einmal im Vogtland sein, das tut richtig gut. Ich liebe meine Heimat, die dunklen Wälder, die Hügel. Pilze suchen war ich auch schon." Ins Dirndl geschlüpft ist die junge Frau das erste Mal, denn: "Eigentlich bin ich kein Kleidertyp." Lena Loos dagegen war mit ihrem rosafarbenen Dirndl schon auf einem größeren Oktoberfest, überlaufen und mit vollen Zelten, wie sie berichtet. "Da ist mir dieses Fest hier lieber", weiß sie die fast familiäre Atmosphäre zu schätzen.

Sabine Richter und Tochter Schirin haben einen Verwandtschaftsbesuch mit dem Oktoberfest verbunden und waren 65 Kilometer aus Waldenburg angereist, extra um hier zu feiern. Mutter und Tochter waren noch kein einziges Mal in Bayern, geschweige denn auf dem Münchner Oktoberfest. Doch jetzt haben beide in schicke Dirndl investiert. Und die sollen nicht ewig ungenutzt im Schrank hängen. "Die Kleider heben wir auf. Geplant ist ein Besuch des Münchner Oktoberfestes." Tracht tragen empfinden die Frauen nicht als altbacken. Im Gegenteil: "Ich fühle mich in diesem Kleid sehr weiblich", sagt die Tochter und die Mutter ergänzt: "Dirndl sehen schick und sehr festlich aus und es ist mal etwas anderes."

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