Das Dorf der Vereine feiert 825-Jähriges

Ab dem heutigen Freitag wird über eine Woche lang in Straßberg gefeiert. Der südwestlich von Plauen gelegene Ortsteil hat Einzigartiges zu bieten, und das sind nicht nur die vielen rührigen Einwohner und der legendäre Fasching in der Turnhalle.

Straßberg.

Von den eingemeindeten Ortsteilen Plauens gehört Straßberg zu den ältesten. Chrieschwitz ist wie die Stadt im Jahre 1122 erstmals erwähnt worden, Straßberg dann aber bereits im Jahre 1194. Die weithin sichtbare Kirche aus dem Jahre 1576 stellt ein Zeugnis längst vergangener Jahrhunderte dar. Das Gotteshaus ist für viele Dorfbewohner etwas ganz Besonderes, etwas Unverwechselbares, das sie nicht missen möchten und für das sie sich einsetzen. Zu diesen Straßbergern gehört Christine Frost. Sie ist die Vorsitzende des Orgelvereins - einer von vielen das Dorfleben prägenden Gemeinschaften im Ortsteil.

Die zwölf Mitglieder des Orgelvereins kümmern sich um die aus dem Jahre 1804 stammende Trampeli-Orgel in der Straßberger Kirche. Christine Frost, die Betreiberin der Gaststätte Gambrinus an der Hauptstraße, steht dem Zusammenschluss seit seiner Gründung im Jahre 1997 vor. Damals musste das Instrument restauriert werden. "An der Orgel ist immer mal wieder was zu reparieren", sagt die Straßbergerin und verweist auf Schimmelbefall an manchen Stellen, dem man demnächst zu Leibe rücken müsse. Anlässlich des Jubiläums veranstaltet der Verein mehrere Konzerte in dem Gotteshaus.


Ohne den Heimatverein mit Sitz im denkmalgeschützten Heimathaus an der Hauptstraße, einem ehemaligen Gehöft, ginge in den nächsten zehn Tagen nicht viel: "Wir sind der Hauptträgerverein der Veranstaltungen zum Jubiläum", erinnert Wolfgang Lückert, der bis Anfang diesen Jahres zehn Jahre lang der Vorsitzende der zirka 40 Frauen und Männer zählenden Truppe gewesen ist und von Armin Kelz abgelöst wurde. Wolfgang Lückert lebt seit 1993 im Ort und für ihn ist das besondere "der Zusammenhalt hier und die gute Zusammenarbeit der Vereine". Der Unternehmer nennt auch den legendären und viele Auswärtige anlockenden Fasching in der Turnhalle als etwas Herausragendes von Straßberg.

Diesen Fasching organisiert der Sportverein. Der Veranstaltungsreigen in der fünften Jahreszeit zieht schon viele Auswärtige an, bestätigt Udo Dög vom Vorstand. Für die 330 Mitglieder ist die Fastnacht eine wichtige Einnahmequelle. "Die Anlagen gehören ja alle uns", sagt der Straßberger. Daher müsse man auch für deren Unterhalt sorgen.

Eine andere Art der Unterhaltung ist allerdings in den kommenden zehn Tagen am Sportplatz zu erleben. Auf dem Gelände der SG finden sieben der insgesamt 13 Veranstaltungen statt. Die Sportler tragen also die Hauptlast. "Alle Abteilungen sind im Einsatz", berichtet der zweite Vorstand. An Abteilungen gibt es Fußball, Kegeln, Tischtennis, Volleyball, Frauengymnastik, Aerobic und Fasching. Die Mitglieder bauen für das Konzert mit der Vogtlandphilharmonie alles auf und alles wieder ab, und das tun sie auch für die anderen Veranstaltungen auf dem Gelände.

Im Einsatz ist ebenso die Freiwillige Feuerwehr. "Wir haben einen Kilometer Wimpel aufgehängt", sagt ihr Leiter Rico Gerstner. Er und seine 19 Mitstreiter in der Wehr sowie sechs Jugendliche in der Jugendabteilung haben dem Dorf ein Festkleid verpasst. Puppen wurden gebastelt und auf die Wiesen gesetzt, eine Lokomotive gebaut. Außerdem verteilten die Floriansjünger die Faltblätter für das Jubiläum, bei dem sie dann für Absperrmaßnahmen und vieles andere zuständig sind.

Dieter Blechschmidt ist seit 20 Jahren im Ortschaftsrat, seit 18 Jahren dessen Vorsitzender. Er kennt den Ort also gut und sagt: "Das Besondere hier sind die vielen aktiven Menschen". Der Gemeinschaftssinn mache ihm Freude. Viele Bewohner sind in mehreren Vereinen aktiv und untereinander daher gut vernetzt, ergänzt Udo Dög. Die Einwohnerzahl ist seit der Wende von 500 auf jetzt 800 gestiegen.

Christine Frost vom Orgelverein hat ein knapp 50-seitiges Kochbuch mit alten Rezepten von Straßbergern verfasst. "Das ist die einfache Küche von früher, ohne Pizza", sagt sie und nennt Vogtländischen Karpfen als eines der Rezepte. Das Rezept stammt von einer Straßbergerin, die von 1906 bis 1999 im Dorf lebte. "Ich habe das von ihrem Sohn bekommen", erklärt sie. Das Kochbuch ist am 27. August beim Stricknachmittag im Gambrinus zu haben. Die Kirchgemeinde bringt mit finanzieller Unterstützung der Bürgerstiftung eine CD mit Musik von der Straßberger Trampeli-Orgel heraus. "Es wurden genau 825 Exemplare hergestellt", informiert Blechschmidt. Der Kantor der Johanniskirchgemeinde Plauen, Heiko Brosig, bringt darauf die Königin der Instrumente zum Klingen. Simone Ditt-Baumgarten singt und Lutz Hildebrandt spielt Trompete. Die CD gibt es erstmals beim Festgottesdienst am Sonntag.


Das Festprogramm

Freitag, 23. August: 18 Uhr, Turnhalle und Sportplatz, sportlicher Auftakt, Freundschaftsspiel der SG Straßberg gegen Kreisauswahl Vogtland Ü 35. Außerdem: Tischtennisturnier und Biergartenbetrieb.

Samstag, 24. August: 10 Uhr, Dorfplatz am Anger: Geführte Wanderung mit Bettina Dög in und um Straßberg mit Streiflichtern zur Ortsgeschichte mit Ziel auf dem Sportplatz gegen 14 Uhr; 10 Uhr, Turnhalle: Kinder- und Jugendsportfest mit Kinderfußballturnier, Schnupperkegeln, Tischtennis unter fachkundiger Anleitung, lustigen Spielen und Wettkämpfen, Biergartenbetrieb und Kaffeetrinken und gegen 13 Uhr Kegeln der SG Straßberg gegen SVV Plauen I. 20 Uhr, Turnhalle: Tanzveranstaltung/Party mit der Band Zeitlos, sieben Euro Eintritt.

Sonntag, 25. August: 14 Uhr, Kirche, Festgottesdienst, nach dem Gottesdienst Kaffeetrinken im Heimathaus. 17 Uhr, Kirche: Kirchenkonzert zum Ortsjubiläum mit den Hallenser Madrigalisten.

Montag, 26. August: 18 Uhr, Turnhalle, Tischtennis und Kegeln für Jedermann unter fachkundiger Anleitung.

Dienstag, 27. August: 14 Uhr, Gaststätte Gambrinus (Hauptstraße 21), Strickcafé - Hobby-Stricker und Interessierte treffen sich.

Mittwoch, 28. August: 18 Uhr, Turnhalle, Schlager-Aerobic-Party mit Monika Rosenbusch. Die Straßberger Sportfrauen laden alle herzlich ein zu Musik, Sport und Spaß. Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 29. August: 18 Uhr, Turnhalle, Historischer Heimatabend mit Gunter Valtin. Musikalische Umrahmung durch den Gemischten Chor Klingende Runde Plauen unter Leitung von Rosemarie Herold. Für Speisen und Getränke ist gesorgt. Der Eintritt ist frei.

Samstag, 31. August: 10 Uhr, Heimathaus (Hauptstraße 35), "Auf den Spuren der alten Bergleute" - Geführte Wanderung über Hutteich, Kupferberg und Zottner zu Frühgeschichte und Bergbau rund um Straßberg. Danach gemütliches Beisammensein im Heimathaus. 20 Uhr, "Rock meets Classic", Open-Air-Konzert mit der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach und internationalen Stars. Parkplatz am Sportplatz.

Sonntag, 1. September: 10 Uhr, Anger, Mühlengelände, Heimathaus, Fest- & Familiensonntag für Jedermann, Bühnenprogramm, Livemusik, Kinderprogramm, Kreativ-Markt, Feuerwehr-Wettbewerb, Mühlenführungen und mehr. (pa)


Aus der Geschichte

Im Jahre 1194 taucht der Ortsname "Strazberc" erstmals auf, womit ein Ort an einem Berg oder einer Burg gemeint ist, an der eine Straße verläuft. Wie im Buch "Plauen und das mittlere Vogtland" von 1986 aus dem Akademieverlag beschrieben wird, trägt der Felssporn mit der Kirche den Flurnamen "Die Burg". Damit ist eine Burg gemeint, die dort einst stand. Es war die Burg der Vögte von Straßberg. Sie ist im Jahre 1280 allerdings bereits zerstört oder verfallen gewesen. Gut vorstellen kann man sich diesen Anblick der Burg auf dem Felsen aber auch heute noch.

Die Vögte Ekkehard und Heinrich von Straßberg bezeugten 1194 eine Schenkungsurkunde durch Otto von Lobdaburg. Ihre Burg war die auf dem Gelände der heutigen Kirche und des alten Friedhofes. Die Errichtung soll im Zuge der deutschen Ostsiedlung um 1100 passiert sein. Der Vogtstitel stand wohl mit dem Zisterzienserkloster Waldsassen in der Oberpfalz in Verbindung. Dort besaßen die Straßberger ein Erbbegräbnis. Die Herren kamen also aus Franken. Ab 1267 nannten sie sich aber nicht mehr nach Straßberg, sondern nach ihren Burgen.

Ab 1276 tritt Heinrich I. von Plauen als Besitzer auf. Er war der älteste Sohn Juttas von Straßberg, der Stifterin und ersten Priorin des Dominikanerklosters Cronschwitz zu Wünschendorf an der Elster.

Zu Straßberg gehörte der Bergbau. Im Jahre 1276 soll es zwei Schmiedewerkstätten gegeben haben, die in Verbindung mit dem Bergbau standen. Am Berg Zottner auf der anderen Seite des Elsterufers wurde einst Brauneisenerz gewonnen. Auch Kupfererze sind in der Nähe aus dem Boden gefördert worden. Die Namen "Hutteich" und "Kupferwiese" erinnern noch daran.

Das ehemalige Rittergut befand sich direkt an der Weißen Elster - am Fuß des Berges mit der 1576 erbauten Kirche. Zu dem Rittergut gehörten einst stattliche Gehöfte mit Fachwerk- und Umgebinde-Elementen. Die waren an der durch das Dorf verlaufenden Hauptstraße sowie an der Moorengasse zu finden.

Das Gotteshaus ist ein Schmuckstück für sich. Es steht unter Denkmalschutz und gehört zu den ersten evangelischen Kirchenbauten in Sachsen. Einen eigenen Pfarrer hatten die Gläubigen früher nicht. Es kamen Landdiakone. Einer davon war von 1671 bis 1685 auch Georg Samuel Dörffel, bekannt geworden durch seine astronomischen Forschungen.

Die erste Schule entstand 1647. 1875 wurde die Bahn durch den Ort gebaut. Einen Haltepunkt gibt es aber erst seit 2006. Seit 1999 gehört Straßberg als Ortsteil zu Plauen. (pa)

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