WC-Posse: OB will nicht ins Schwarzbuch der Steuerzahler

Lebhafte Kommunalpolitik gibt's mitunter in Plauen zu erleben. Die Debatte um den Caravan-Stellplatz geht in die nächste Runde.

Plauen.

Und täglich grüßt das Murmeltier ... Die Plauener Variante des US-Filmklassikers, in dem Bill Murray in der Rolle eines arroganten Wetterfrosches in einer Zeitschleife gefangen immer und immer wieder denselben Tag durchleben muss, heißt "WC-Debatte".

Im Frühjahr 2020 kommt der seit vielen Jahren immer wieder aufflammende Streit um das Fehlen öffentlicher Toiletten im Bereich des Neustadtplatzes als Anhängsel eines anderen Themas daher. Das heißt "Touristische Infrastruktur im Bereich Auenstraße und Neustadtplatz" und dreht sich um einen Reisemobil-Stellplatz zwischen Auenstraße, Gerberstraße und Skatepark.

Beide Themen haben mindestens eine Gemeinsamkeit: Die Stadträte als Souverän beauftragen die Verwaltung, doch das Rathaus liefert nicht wie gewünscht. So ging es im Wirtschaftsförderungsausschuss vorige Woche Montag beim Caravan-und-WC-Thema zur Sache. Letztlich stimmte er einem Gemisch aus der Rathaus-Vorlage und einem CDU-Einwand zu. Demnach soll die Kommune nun für das vorgesehene Areal acht Standard-Reisemobilstellplätze planen, Fördermittel beantragen, Betreiberkonzept entwickeln und dem Stadtrat bis Juni vorlegen. Soweit herrscht Einigkeit. Doch während das Rathaus ein Fertigteil-WC auf dem gut 100 Meter entfernten Neustadtplatz aufstellen wollte, weil der von Touristenbussen angesteuert wird, rückt das Klo im Mehrheitsbeschluss des Ausschusses als Massivbau-Variante zurück zum Caravan-Stellplatz.

In der Debatte hielt CDU-Stadtrat Ingo Eckardt der Verwaltung Verzögerung vor: "Wir reden zum wievielten Mal darüber?" Er forderte gemäß Beschlusslage eine hochwertige Anlage, um ein attraktives, zahlungsfreudiges Tourismus-Klientel nach Plauen zu locken. "Hätten unsere Vorfahren so gebaut wie wir heute, gäbe es keine Friedensbrücke."

SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch schlug in die gleiche Kerbe. Er hatte kürzlich dem Rathaus die "Note 6" erteilt und meinte diesmal lapidar: "Wenn's eine 7 gäbe, würde ich die vergeben." Monika Mühle (CDU) forderte "klotzen statt kleckern". Moderate Worte schlug Dieter Blechschmidt (CDU) an: "So weit sind wir doch nicht auseinander."

André Bindl (FDP) outete sich als Caravanfan. Er hält die Variante eines Standard-Caravan-Platzes ohne WC für angemessen, denn: "Der Standardplatz ist in Deutschland Standard." Und jeder Caravan hat eine Toilette. Lediglich sollte in den Planungen die Stellplatzlänge von 10 auf 12 oder 13 Meter verlängert werden, da es sonst für Gespanne knapp werden könnte. Tobias Rüdiger (Linke) ließ den Ausschuss wissen: "Am liebsten gehe ich aufs eigene Klo." Und warum sollten Caravanfahrer anders ticken? Danny Przisambor beschrieb die Camper als vielschichtige Spezies: Nicht jeder brauche allen Luxus. Für Gerald Schumann (AfD) sind "alle Argumente nachvollziehbar".

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) verteidigte den Verwaltungsfavoriten Neustadtplatz als Standort und ging gelassen mit den Angriffen um. "Es geht doch nicht um Leben und Tod", sagte er, sondern um eine "maßvolle Ergänzung" der Angebote. Zu den im Raum stehenden Varianten, vor allem WC-Standorten am Caravan-Platz und am Neustadtplatz, will Oberdorfer den Sächsischen Rechnungshof befragen. "Ich will doch nicht ins Schwarzbuch der Steuerzahler."

Derweil geht die Auseinandersetzung in die nächste Runde: Der Stadtbau- und Umweltausschuss muss in seiner nächsten Sitzung einen bereits getroffenen Beschluss wiederholen. Laut Oberdorfer habe es ein Ausschussmitglied versäumt, seine Befangenheit zu erklären.


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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Tauchsieder
    15.03.2020

    Man hat übrigens mit der Beseitigung dieser Bäume und den Büschen quasi ein "Toilettenhäuschen" entsorgt. Dieses innerstädtische Grün wurde gern von Zeitgenossen als Ersatz für ein fehlendes "Örtchen" benutzt. Mal sehen welche Ecke jetzt dran glauben muss, nur mit dem "Grün" wird es in der Stadt langsam eng.

  • 1
    5
    MPvK87
    14.03.2020

    Interessant wofür die CDU das Nicht vorhandene Geld ausgeben möchte.

    Für ne Toilette.

  • 3
    2
    Tauchsieder
    14.03.2020

    Zitat: - Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP)...."Es geht doch nicht um Leben und Tod", sagte er, - Zitat Ende.
    Bei manchen schon, scheinbar verspürte er noch nie solch einen "Druck" und hatte kein "Örtchen" zur Hand. Der "Toilettenkrieg" zu Plauen. Die Einen verspüren einen gewissen Druck, die Anderen Sch..... drauf.