Wo die Grenze durch die Gaststube verlaufen ist

Auflösung Fotorätsel 1279: Gasthaus zum Schimmel mit besonderer Geschichte

Bad Brambach/Kleedorf.

Grenz-Gaststätten gab es viele im vogtländischen Gebiet um Klingenthal und Bad Brambach, aber keine war so berühmt wie das Gasthaus zum Schimmel. Schon seit den 1960er- Jahren ist es geschlossen, aber seine eigenartige Geschichte ist bis in die Gegenwart erhalten. Der Name dieser Schänke und der Ort sollten genannt werden. "Schimmel" stand auf den meisten Zuschriften und der Zusatz, dass dort die Grenze mitten durch die Gaststube verlaufen sei. Der Wirt habe optisch mit einem Kreide-Strich das Wirtshaus in einen deutschen und tschechischen Teil getrennt. Das wird wohl ein Gag gewesen sein, wie auch 1924 dort die Ausrufung einer "Republik Fichtenhof". Tatsache ist, dass in diesem Gebiet bis 1937 ein sehr schmaler Zipfel der Tschechoslowakei ins deutsche Territorium hineinragte. Das Gasthaus "Zum Schimmel" gehörte damals zum Dorf Niederreuth (Dolny Paseky) und befand sich hart an der Grenzlinie innerhalb dieses Zipfels. Das könnte den Wirt zu diesem Kreidestrich bewogen haben, um den Umsatz zu steigern und die Besonderheit seines Hauses darzustellen. Dass in dieser Gaststube auch geschmuggelt wurde, dürfte keine Erfindung sein. Durch einen Staatsvertrag zwischen beiden Ländern wurde im Oktober 1937 ein Gebietsaustausch vorgenommen, die "Schimmel-Zunge" mit 93 Hektar wurde deutsch, dafür bekam die andere Seite ein gleichartiges Waldgebiet im Erzgebirge bei Rautenkranz. Das frühere Wirtshaus ist heute ein Wohnhaus unmittelbar am Vogtland-Panorama-Weg zwischen Raun und Bad Brambach. "Einkehren" kann man am Schimmel direkt am Wanderweg auf einer überdachten Bank mit Tisch. (ta)

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