2018 ein Jahr der Schmetterlinge

Mit dem heißen und trockenen Frühjahr hatten viele Tiere und Pflanzen ihre Probleme. Anderen half das Wetter.

Lengenfeld.

Nach vielen Jahren mit wenigen Schmetterlingen holt die Natur dieses Jahr zum großen Wurf aus. So viele Schmetterlinge wie in diesem Sommer waren schon lange nicht mehr im Vogtland unterwegs. Es sind zwar nicht die ganz großen und seltenen Arten, die sich häufig beobachten lassen, aber zumindest die Kohlweißlinge, die auch ein Laie erkennt, tanzen in großen Mengen über Feldern und Blumen.

Auch andere Arten sind häufig anzutreffen. Der Entomologe Steffen Pollrich aus Claußnitz bei Chemnitz nennt Tagpfauenauge und Distelfalter. "Auch einen seltenen Schillerfalter habe ich dieses Jahr schon in meinem Garten beobachtet", berichtet Pollrich.

Der Insektenkundler hat für die vielen Tagfalter eine einfache Erklärung: "Das Wetter hat mitgespielt. Das Frühjahr war warm und trocken. Solche Bedingungen gefallen den Schmetterlingen. Auch einen harten Winter mit tiefen Temperaturen überstehen die Falter problemlos. Da kann es schon einmal passieren, dass sich aus einem Gelege mit 100 Eiern nicht nur, wie gewöhnlich, zwei Schmetterlinge entwickeln, sondern eben zehn oder 20", sagt der Entomologe.

Die Gelege der Schmetterlinge seien allerhand Bedrohungen ausgesetzt. "Pilze zerstören die Eier oder Schlupfwespen legen ihre Eier hinein. Dann schlüpfen eben Schlupfwespen und keine Schmetterlingsraupen oder die Raupen werden von Vögeln gefressen. Das alles dient dazu, das natürliche Gleichgewicht zu erhalten", so der Entomologe.

Die Kohlweißlinge haben den Vorteil, dass ihre Futterpflanzen häufig wachsen und auch in der Landwirtschaft vorkommen. Kohlweißlinge stehen auf Kreuzblütengewächse. Dazu gehören der Raps und natürlich der namensgebende Kohl. "Wenn nicht gespritzt wird, können sich die Raupen gut entwickeln", sagt Pollrich. Hobbygärtner können ein Lied davon singen. Wächst Kohl in ihrem Garten, finden sich garantiert auch die Raupen des Kohlweißlings darauf.

Andere Schmetterlinge haben es da schon schwerer, die passenden Futterpflanzen zu finden. Distelfalter brauchen Disteln. Doch die sind weder auf den Äckern der Landwirte noch in die Gärten erwünscht. Ein Schwalbenschwanz legt seine Eier in Gärten gern an Dill, Möhren oder Fenchel ab. Ein Kaisermantel sucht nach Veilchen, weil seine Raupen die benötigen. "Je spezieller die Ansprüche eines Schmetterlings sind, desto schwerer hat er es, zu überleben", sagt Pollrich. Viele der Nahrungspflanzen bleiben außerdem nicht so lange stehen, wie die Raupen daran fressen. "Wenn mehrmals im Jahr gemäht wird, dann fehlt den Faltern die Nahrungsgrundlage", sagt Pollrich.

Etwa 100 Schmetterlingsarten gibt es derzeit noch in Sachsen. Insgesamt seien die Bestände rückläufig, aber es gebe auch Ausnahmen, wie es das Jahr 2018 zeige. "Das heißt eben auch, dass es für die Schmetterlinge noch nicht zu spät ist. Es gibt sie noch, und man könnte sie auch retten. Wir brauchen dafür aber eine abwechslungsreiche Natur, Waldsäume und Wiesen mit einer großen Pflanzenvielfalt und Blütenpflanzen", erklärt Pollrich.

Er und andere ehrenamtliche Entomologen melden ihre Beobachtungen an eine sächsische Datenbank. Das Umweltforschungszentrum Leipzig arbeite gerade an einem Tagfalteratlas für Deutschland. In dieses Werk fließen auch die Beobachtungen vieler Ehrenamtlicher aus Sachsen und dem Vogtland ein.

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