30 Leute bei Klimastreik: "Aber wir werden mehr, so wie 1989"

Der erste Demozug durch Reichenbach seit der Wende war noch keine Machtdemonstration. Doch auch für den Ex-OB ist es in Sachen Klima fünf vor zwölf.

Reichenbach.

Ist der Vergleich zwischen der aktuellen Klimaschutz-Bewegung um Greta Thunberg mit dem Protest im Herbst vor 30 Jahren nicht zu gewagt? "Das finde ich nicht, wie damals ist es fünf vor zwölf. Wie damals sind wir alle gefordert etwas zu tun", sagt Reichenbachs Ex-OB Dieter Käppel und beglückwünscht Andreas Alders zu seinem Vorstoß, mit der ersten Teilnahme der Kirchgemeinde an einem globalen Klimastreiktag auch im Vogtland ein Zeichen gesetzt zu haben. Der Pfarrer war damit einem Aufruf des Jugendpfarramtes der Landeskirche gefolgt, seiner Einladung unter dem Motto "Prayers for Future" kamen am gestrigen Freitag 30 Menschen nach.

"30 Menschen, das ist ein Anfang. Aber wir werden mehr, so wie wir im Herbst 1989 mehr geworden sind. Diese beiden Ereignisse lassen sich durchaus vergleichen", sagte Andreas Alders in der ersten Klima-Streik-Andacht in der Peter-Paul-Kirche. Die Teilnehmer der dann folgenden und von der Polizei eskortierten Kerzen-Demo zum Rathaus waren fünf vor zwölf mit Glockengeläut begrüßt worden. In der Kirche und am Rathaus bekundeten die Demonstranten ihre mit den Zielen der Fridays for Future-Bewegung korrespondierende Forderung an Politik und Gesellschaft, sich konsequent und schnell für einen wirksamen Klimaschutz zu engagieren. Andreas Alders in seiner Andacht: "Wir sind noch zu träge, um wirklich ernst zu machen mit unserer Wertschätzung, die Gottes Schöpfung verdient."

Der Pfarrer kündigte bei der anschließenden Demo an, zum fünften globalen Klimastreiktag - der Termin steht offenbar noch nicht fest - erneut einladen zu wollen. "Wenn deutlich mehr Menschen kommen, ist dann auch eine Kundgebung auf dem Markt denkbar." In vielen anderen Städten war das am Freitag Wirklichkeit. Allein in Deutschland beteiligten sich etwa 500 Städte von Aachen bis Zwickau, weltweit waren es 2400 in 157 Ländern. Diesmal wurde der Protest nicht nur auf die Straße, sondern auch vor Parteizentralen oder vor Firmen gebracht. Für Deutschland fordert die inzwischen generationsübergreifende Bewegung den sofortigen Subventionsstopp für fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas, eine deutliche Drosselung der Kohlekraft sowie die Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2035.

Auch Pfarrer Alders zielt das Klimaschutzpaket der Bundesregierung nicht weit genug. Die Politik, aber auch die Gesellschaft müsse schnellere und deutlichere Antworten geben. Alle Akteure müssten ihrer Verantwortung gegenüber nachkommenden Generationen jetzt gerecht werden. "Eines Tages werden wir alle gefragt, was wir getan haben, um die Schöpfung für alle Menschen zu bewahren als dies noch möglich war. Ich möchte meinem Enkel nicht sagen müssen, tut mir leid, ich hatte gerade keine Zeit, tut mir leid, ich war zu bequem."

Oder tut mir leid, ich war am Black Friday shoppen. Passend dazu lagen in der Kirche Zettel aus, die dazu aufforderten, aus dem Konsumrausch-Tag einen "Kauf-nix-Tag" zu machen. Diese ebenfalls mit Fridays for Future korrespondierende Anregung zum Verzicht als einer Facette verantwortungsvollen Handelns kam auch bei Michael Eckl aus Heinsdorf gut an: "Warum ich heute hier bin? Deshalb", sagte der Gemeinderat und zeigte auf Enkelin Emilia, die mit ihren knapp zwei Jahren zu den jüngsten Teilnehmern der Future-Demo gehörte.

3Kommentare
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  • 11
    6
    Zeitungss
    01.12.2019

    Ich hoffe, die Parkplätze haben ausgereicht für die Umweltaktivisten. Das Bild mit der Fahrzeugflotte der Teilnehmer hätte daneben gehört.

  • 9
    14
    Vogtlander3110
    30.11.2019

    Gute Aktion! Menschen die sich für eine der wichtigsten Aufgaben der Menscheit, nämlich den Erhalt der Lebensgrundlagen auf unserer Erde, einsetzen! Jeder Einzelne kann etwas tun, aber nur gemeinsam können wir die notwendigen Veränderungen voranbringen, weil es alle betrifft. Junge, Alte, Politik, Wähler*innen, Wissenschaft, Wirtschaft, Konsumenten, Medien, Kunst, Kultur und auch Religion.

  • 18
    6
    Tauchsieder
    30.11.2019

    Man muss sich schon entscheiden, ist man gegen den Klimawandel und dazu gehört eine intakte Natur, oder kann man damit leben?
    Da wäre der Alt-Bürgermeister, hier in vorderster Front. Betreibt er nicht eine Freizeitanlage mitten in einem FFH-Gebiet bei Schneidenbach und will diese auf Kosten der Schutzgebietsflächen erweitern?
    Da muss sich schon Hr. Käppel entscheiden auf welcher Seite er steht, beides geht nicht. Stellt sich dem Außenstehenden natürlich die Frage über den Sinn seiner Aktion. Hat er doch auch im damalige Kreistag der Vernichtung von Naturschutzflächen in einem weiteren FFH-Gebiet bei Adorf zugestimmt, dem Schwarzbau eines Radwegs durch das LRA.
    Aus meiner Sicht ist dies hier purer Aktionismus!



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