71 haben das Abitur in der Tasche

Für die Angehörigen des Abschlussjahrgangs des Goethe-Gymnasiums in Reichenbach ging die Schulzeit festlich zu Ende. Zum Abschied gab ihnen der Schulleiter noch einige gute Ratschläge.

Reichenbach.

Ihre Zeugnisse haben am Samstagvormittag im Reichenbacher Neuberinhaus 71 Abiturienten erhalten. Den Jahrgang, der mehrheitlich 2006 eingeschult wurde, zeichnete vor allem der Zusammenhalt, die Anerkennung untereinander sowie die musische Begabung aus. Dabei hatten die Schüler manche Bewährungsprobe zu bestehen, zum Beispiel als eine Mitschülerin 2015 bei einem Unfall verstarb.

22 Schüler erreichten einen Durchschnitt bis 2,0 und erhielten die Medaille für hervorragende Leistungen des Goethe-Gymnasiums. Vier von ihnen hatten die Traumnote 1,0 erreicht und konnten die Medaille in Gold in Empfang nehmen. Der Jahrgangsdurchschnitt lag bei 2,3, die Spanne zwischen 1,0 und 3,4. Die Preise des Fördervereins für die besten schriftlichen Arbeiten erhielten Emily Steinmüller (Deutsch), Frederic Konrad, Sarah Kuhlenkamp, Tom Luckner, Moritz Schaller, Annelie Lorbeer (Mathematik) sowie Bruno Hartwig, Cheyenne Heimrath, Frederic Konrad und Florian Seidel (Physik).

Bei der Schulentlassungsfeier wurden Zitate von den antiken Griechen über die Klassiker bis zu Sigmund Freud und zum Grundgesetz der Bundesrepublik aufgefahren, von den Abiturienten genauso wie von Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) oder Schulleiter Lutz Niepold. Letzterer bewegte sich an der Grenze zwischen Humor und Sarkasmus, als er erklärte, dass die namentliche Begrüßung der Ehrengäste aus Datenschutzgründen nicht möglich sei. Er benutze das generische Maskulinum, also nur eine Geschlechterform, obwohl beide Geschlechter gemeint seien und die Datenschutzerklärung von allen Anwesenden zu unterschreiben sei.

Niepold erinnerte die Abiturienten an den Beginn ihrer Schulzeit. Diese fiel in das Jahr des Sommermärchens mit Deutschland als Fußball-Weltmeister im eigenen Land. Zudem trat während der Schulzeit eine Rechtschreibreform in Kraft, die die Rechtschreibung nicht besser werden ließ. Auch damals sei es um Atomwaffen, den Iran sowie Klimaerwärmung gegangen. Leider habe er den Eindruck, die Welt drehe sich um sich selbst. In der Politik gehe es nie um Demokratie und Menschenrechte, wie schon Egon Bahr bemerkt habe. Das Grundgesetz und das Grundrecht "Die Würde des Menschen ist unantastbar" sollten jedoch stets Maßstab sein. Er sei überrascht, wie leichtfertig Menschen ihre Rechte zugunsten autokratischer Lösungen aufgeben, und das in einem Land, das so frei wie nur ein geringer Teil der Weltbevölkerung ist. Seine Warnung: "Misstrauen Sie einfachen Antworten! Die Welt ist zu multipolar geworden, als dass es einfache Antworten geben könnte."

Der Schulleiter forderte die Schüler auf, sich selbst ein Bild von der Welt zu machen, so wie Jakob Schumann, der am 1. August einen internationalen Freiwilligendienst im christlichen Dorf Nes Ammim in Israel beginnt. Er war mit dem Jugendpfarrer und Religionslehrer Falk Klemm in Israel, wo sein Interesse für das Land geweckt wurde. Jetzt will er es besser kennenlernen und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun.

In ihrer Abschlussrede kamen Sarah Kuhlenkamp und Frederic Konrad zu dem Schluss, dass die Schule, egal in welchem Fach und was auch immer für abstrakte Aufgaben zu lösen waren, doch eine "universell anwendbare Lektion für das spätere Leben" geboten hat. Kritisiert wurde, dass beim Übergang zur Klasse zwölf zwei Kurse zusammengelegt werden mussten. Frederic Konrad sagte: "Das sächsische Bildungswesen ist starr. Die menschliche Komponente wird vernachlässigt, um selbst verschuldeten Lehrermangel so leicht wie möglich zu beheben."

Der Reichenbacher Oberbürgermeister gab den Abiturienten mit auf den Weg: "Es geht nicht nur um gute Noten, sondern auch darum, menschlich zu leben, Verantwortung für sich und andere zu tragen." Am Abend fand der Abiball im Neuberinhaus statt, bei dem die Schüler eine Art Preisverleihungs-Gala inszenierten.

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