Ärztehaus wird zum Wohnhaus

Ein Starnberger Unternehmer hat das denkmalgeschützte Eckhaus am sich wandelnden Solbrigplatz gekauft, im Frühjahr soll die erste Wohnung fertig sein. Es ist nicht das einzige Vorhaben des Investors in der Region.

Reichenbach.

Der Solbrigplatz verändert sein Aussehen. Da ist der schicke, sich mit Mietern füllende Neubau des Wohn- und Ärztehauses. Daneben werkeln Bauarbeiter am alten Finanzamt, oben thront der von der Wohnungsbaugesellschaft Woba mit Sanierungsabsichten ersteigerte Stadtpalast, und im nächsten Jahr soll die Neugestaltung des Platzes inklusive Mattheuer-Skulptur in Angriff genommen werden. Für Thomas Bürmann war der Kauf des einstigen Ärztehauses am unteren Eck des Platzes ein Glücksgriff. "Ehrlich gesagt, habe ich nicht wirklich gewusst, was sich hier tut, ich bin beeindruckt", sagt der Unternehmer aus dem bayerischen Starnberg und fragt nach, wer dieser Mattheuer denn eigentlich war.

Thomas Bürmann ist Unternehmensberater mit Büros in Bayern und Hessen. Seit ein paar Jahren ist der 53-Jährige zudem als Investor vorwiegend auf dem ostdeutschen Immobilienmarkt aktiv, kauft meist leerstehende Wohnhäuser und saniert diese. "Eingestiegen in dieses Metier bin ich, um eine stabile Altersvorsorge aufzubauen. Ich habe schnell gemerkt, dass mir das großen Spaß macht", erzählt der Unternehmer und spricht von mehreren Immobilien im Erzgebirge. "Die meisten Häuser behalte ich im Bestand, nur weniges wird verkauft. Hier braucht niemand Angst zu haben. Ich bin nicht der Immobilien-Hai vom Starnberger See. Auch dieses wunderschöne Haus am Solbrigplatz ist kein Spekulationsobjekt."

Auf das denkmalgeschützte Eckhaus, in dem sich einst die Mütterberatung, ein Kinderarzt, eine Urologiepraxis, die Impfstelle sowie ein Fotogeschäft befanden und in dem die Paracelsus-Klinik heute noch eine MVZ-Zweigstelle betreibt, war Thomas Bürmann im Internet gestoßen; in der Rubrik Sparkassen-Immobilien. "Ich hab gleich gewusst, das kauf ich." Als Voraussetzung dafür ist die Stadt von ihrem in diesem Fördergebiet geltenden Vorkaufsrecht zurücktreten. Wie Bauamtsleiter Sven Hörning sagt, haben die Referenzen des Interessenten sowie dessen konkrete Pläne den Ausschlag dafür gegeben. "Am Solbrigplatz ist alles unter der Überschrift Erhalt des Ensembles zu sehen. Was der Investor vorhat, das passt dazu."

Thomas Bürmann will in dem mit zwei Treppenhäusern ausgestatteten Haus mehrere Wohnungen ausbauen. "Ich schaue mir die Häuser vor dem Kauf immer genau an. Da muss es passen, oder es wird nichts. Hier hat es sofort gepasst", erzählt der Unternehmer mit Blick auf das weitgehend original erhaltene Treppenhaus zum Solbrigplatz hin. In den Räumen im Erdgeschoss, in dem einst Foto-Oertel firmierte, stapeln sich bereits Baumaterialien. Etwa 200 Quadratmeter mit fünf Zimmern und zwei Bädern wäre diese Wohnung groß - der Investor denkt da beispielsweise an eine Familie mit zwei, drei Kindern. "Ich weiß, da besteht in der Region Bedarf."

Auch die Grundrisse darüber entsprechen denen alter Stadtvillen. Wie viele Wohnungen es letztlich werden, hängt auch von der Nachfrage für das Dachgeschoss ab. In dieser mit großzügigen Ausblicken ausgestatteten und sehr individuell gestaltbaren Etage ist vieles möglich. Wohl noch nicht entschieden ist zudem, ob die MVZ-Zweigstelle bleibt. Thomas Bürmann rechnet eher nicht damit. Unabhängig davon soll die erste Wohnung im späten Frühjahr bezugsfertig sein.

Die Pläne des Investors kommen auch beim Hauptakteur des Solbrigplatz-Umbaus an. Mit der Woba will sich Thomas Bürmann im Hinblick auf die farbliche Gestaltung der Fassade in Verbindung setzen. Geschäftsführerin Daniela Raschpichler begrüßt diese Initiative, ist doch "die Attraktivität jedes einzelnen Hauses wichtig für die Gesamtwirkung des Platzes".

Für den Unternehmer soll dieses Engagement nicht das letzte in Reichenbach sein. Stichwort Senioren-WG. Ein solches Projekt hat Thomas Bürmann jüngst mit dem Arbeitersamariterbund im Erzgebirge umgesetzt - der Käufer und Investor tritt dabei als Vermieter, der Wohlfahrtsverband als Betreiber auf. "Das Objekt war sofort voll belegt. Diesen Bedarf sehe ich auch hier."

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