Alkohol-Dieb muss 16 Monate hinter Gitter

Zwei Auerbacher haben einen Kasten Radeberger und zwei Flaschen Wodka gestohlen. Einer der beiden ist gestern zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden - nicht nur deswegen.

Auerbach/Zwickau.

Den Kontakt zu den alten Freunden habe er abgebrochen, er wohne bei seiner "Verlobten" in Auerbach und besuche von Montag bis Donnerstag einen Lehrgang in Plauen, schilderte der 36-jährige Angeklagte gestern vor dem Landgericht Zwickau: "Keinen Tag habe ich gefehlt." Und Alkohol trinke er deutlich weniger als früher, "höchstens zehn Bier pro Woche". Alles, was er sich in den letzten Monaten aufgebaut habe, stehe auf dem Spiel, wenn er ins Gefängnis müsse, beschwor er den Richter: "Da bin ich schon zu oft gewesen, ich hab' keinen Bock mehr."

Doch die Strafkammer ließ sich davon nicht beeindrucken: Im Berufungsverfahren bestätigte sie das Urteil des Amtsgerichts Auerbach, das den Mann im September zu einem Jahr und vier Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt hatte. Wegen eines "räuberischen Diebstahls", den der Auerbacher im August 2017 gemeinsam mit einem Komplizen in zwei Märkten an der Bahnhofstraße verübt hatte: Zunächst stahlen sie zwei Flaschen Billig-Wodka für je 4,99 bei Aldi, anschließend ließen sie vor einem benachbarten Getränkemarkt einen Kasten Radeberger (17,09 Euro) mitgehen. Als eine Verkäuferin dem Duo den Weg versperrte, drohten die Männer ihr Schläge an - sie ließ sie ziehen. Die Polizei stellte die Beute wenig später in einer Wohnung sicher.

Sechzehn Monate Haft für Alkohol-Diebstahl im Wert von rund 27 Euro und für eine drohend erhobene Faust - das klingt nach einem harten Urteil. Doch die Kammer unter Vorsitz von Torsten Sommer sah keinen Spielraum für eine Bewährungsstrafe: Im Bundeszentralregister sind seit 1998 (da war der Angeklagte 16) insgesamt 14 Vorstrafen vermerkt.

Die kriminelle Laufbahn des Mannes aus Frankfurt/Oder begann mit versuchter Nötigung und Körperverletzung, ging weiter mit Hehlerei und Diebstahl, setzte sich fort mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und versuchter sexueller Nötigung. Immer wieder stahl der Mann kleine Dinge, auch Lippenstift oder Parfüm für Freundinnen. Wenn man ihn erwischte, wurde er rabiat, attackierte zum Beispiel einen Ladendetektiv per Kopfstoß. Vor einem Fußball- stadion griff er einen Ordner auf die gleiche Weise an. Einen behinderten Saufkumpan schlug er ins Gesicht und stahl ihm den Rucksack. Immer war Alkohol im Spiel.

Lange zeigte die Justiz Nachsicht, stellte Verfahren ein, ahndete ihn mit Geldstrafen und Arbeitsstunden, verurteilte ihn immer wieder auf Bewährung. Dann ging er doch in Haft, was aber auch nichts änderte. Noch 2016 sah ein Gericht in Leipzig bei ihm "positive Ansätze" und äußerte die Hoffnung, der Angeklagte werde künftig "straffrei durchs Leben gehen". Wenig später startete der Mann in Auerbach seinen jüngsten Raubzug.

"Sie setzen fort, was Sie schon immer praktiziert haben", so Richter Torsten Sommer. "Ich kann beim besten Willen keine günstige Prognose erkennen, für eine Bewährungsstrafe gibt es keinen vernünftigen Grund." Sichtlich erbost verließ der Angeklagte den Gerichtssaal. Ein Kumpel holte ihn ab. Seine Verlobte war nicht gekommen.

Gegen das Urteil kann noch Revision eingelegt werden.

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