Als die Nixen in die Dose kamen

Auf Burg Mylau stellt die Keramikwerkstatt des Kulturbundes ab heute ihre Werke aus. Ihr Leiter Thomas Petzoldt blickt zurück.

Reichenbach.

Wenn heute Nachmittag im Museum auf Burg Mylau die Ausstellung "28 Jahre Keramikwerkstatt" des Kulturbundes Reichenbach eröffnet wird, so ist darin ein ganz besonderes Werk des Werkstatt-Gründers und Leiters Thomas Petzoldt zu sehen. "Sardinien" ist es betitelt. In einer Sardinendose aus dickem Stahlblech mit messingglänzender Beschichtung, die mit einem Schlüssel zu öffnen war, tummeln sich vier wohlgeformte Nixen. Petzoldt hat das erotische Quartett aus Ton modelliert, gebrannt, verziert, glasiert und von unten in die Dose eingepasst, deren Boden dafür zwischenzeitlich weichen musste.

"Sardinien" war in den 1980er-Jahren in der letzten Bezirksausstellung für bildnerisches Volksschaffen vor der Wende im Museum am Theaterplatz in Karl-Marx-Stadt zu sehen. "Ich wollte dort unbedingt etwas von mir ausstellen und hatte fünf Werke eingereicht. Zwei schafften es: Außer den Nixen eine Sauna mit drei Figuren", erinnert sich Petzoldt. Die Nixen in der Dose wurden auf einer freistehenden Säule präsentiert - und die Dose festgeleimt, damit sie keiner entwenden konnte. Das Werk schlug ein: "Von da an kannten mich alle", sagt Petzoldt.


Schon als Kind hatte er Figuren aus Plastelina modelliert. Mit der Töpferei ging es 1979 los. Als Mitarbeiter des Kreiskulturkabinetts Reichenbach am Markt 18 war er verantwortlich für das Bildnerische Volksschaffen. "Da gab es viele Gruppen in den Betrieben und den Wunsch, eine Keramikwerkstatt zu gründen. Doch außer Harald Haluza, der eine Keramikwerkstatt in der Parkstraße betrieb, hatte keiner einen Brennofen", erzählt Petzoldt. Er bewarb sich schließlich am Bezirkskabinett für Kulturarbeit für einen Keramiklehrgang und wurde, weil er einen geforderten Topf wohl ganz gut hinbekam, angenommen. "Drei Jahre bin ich dann auf eine Spezialschule gegangen. Der praktische Teil fand in der renommierten Keramikwerkstatt von Peter Tauscher in Waldenburg statt", berichtet er. In Karl-Marx-Stadt habe er zudem eine exzellente Anleitung durch Keramiklehrerin Helga Jank genossen.

Bis in Reichenbach eine Hobby-Keramikwerkstatt entstehen sollte, gingen noch einige Jahre ins Land. Im Februar 1989 erfolgte die Gründung mit 25 Interessenten. Doch es gab keinen Raum, keinen Ton und keinen Ofen. Im Foyerkeller der Tonhalle in der Dr.-Külz-Straße, dem damaligen "Kulturhaus Wilhelm Pieck", wurde letztlich eine Möglichkeit gefunden. Für den Ton musste ein Bilanzanteil beim Rat des Bezirkes beantragt werden. "Das Tonmehl haben wir damals säckeweise mit dem Gütertaxi aus Heinersdorf bei Bad Lausick geholt", erinnert sich Petzoldt. So richtig los ging es Ende 1989, als der Brennofen in Betrieb genommen wurde. Die Begeisterung war groß, oft reichten die Arbeitsplätze und die Brennkapazität des Ofens nicht mehr aus.

Heute befindet sich die Keramikwerkstatt im Neuberinhaus. Mit Hilfe von Spenden-, Eigen- und Fördermitteln erwarben die Mitglieder der Werkstatt vor 17 Jahren einen großen Türbrennofen. Die 25 Hobbytöpfer treffen sich mittwochs 15 bis 21 Uhr zum Gestalten, Brennen und Bemalen ihrer selbst gefertigten Tongegenstände. Ohne Töpferscheibe werden alle Gefäße oder Figuren Stück für Stück mit der Hand frei modelliert. Das erfordert Geduld und Konzentration, Übung und Fingerspitzengefühl. Seit 28 Jahren steht Thomas Petzoldt an jedem Werkstatttag den Hobbykeramikern mit Rat und Tat zur Seite. Ein Teil der unzähligen Kunstwerke, die im Laufe der Zeit entstanden, wird nun auf Burg Mylau ausgestellt.

Ausstellung Der Kulturbund Reichenbach lädt für heute, 16 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung "28 Jahre Keramikwerkstatt" ins Museum Burg Mylau ein. Sie ist bis 7. Mai zu sehen. Di-Do, Sa, So 11-17 Uhr.

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