"Aqua et Natura" erstmals mit Vortrag in Mylau

Die Veranstaltungsreihe "Live aus dem Wasserwerk" findet gewöhnlich im Park der Generationen statt. Dieses Mal gingen die Macher auf Reisen.

Mylau.

Noch etwas war anders als gewohnt: Aus einer Stunde heimatgeschichtlichen Vortrags wurden drei. Die Veranstaltungsreihe des Vereins "Aqua et Natura" hat jüngst in der Mylauer Stadtkirche Station gemacht. Für die Ausdehnung der Veranstaltungszeit sorgten drei Referenten, die anschließenden Erläuterungen zur Orgel mit musikalischer Demonstration und die Führung bis hoch in den Glockenturm.

Gotthold Lange, Pfarrer im Ruhestand, sprach zur Geschichte der Kirche, die zwischen 1887 und 1890 an Stelle eines kleineren Vorgängerbaus entstand. Der aufstrebende Industriestandort brachte Zuzug. Der Kirchenbauverein sammelte erst Geld, bevor es ans Ausgeben ging, einen so genannten Kirchenpfennig, den die Arbeiter von ihrem Lohn abgaben. 32 Jahre lang! Die Baukosten vom 130.000 Goldmark wurden eingehalten. In drei Jahren, die es für den Bau brauchte, sind heute nicht einmal die bürokratischen Hürden für ein so großes Projekt zu nehmen.

Gotthold Lange erwähnte auch die Zeit des Nationalsozialismus, als in Mylau eine starke kommunistische Bewegung auf eine große nazistische Bewegung traf. Beim Einzug der Amerikaner bekam die Kirche einen Schuss ab, der konserviert wurde. Lange: "Das ist ein Zeichen dafür, was Krieg für eine schreckliche Sache ist." Er erlebte die schlimmste Zeit für das Bauwerk, als zu DDR-Zeiten kein Baumaterial und Geld für die Sanierung vorhanden waren. Die Kirche war einsturzgefährdet.

Auch nach 1989 ging es nicht gleich an die Sanierung. Günter Kempe: "Ich habe mich seit meinem Ruhestand 2005 verstärkt um bauliche Dinge gekümmert." Der Rotschauer gehört zur Mylauer Gemeinde und war zeitweise im Kirchenvorstand. In der Funktion sprach er beim damaligen Bürgermeister vor und erreichte mit ihm die Aufnahme in das Förderprogramm städtebaulicher Denkmalschutz. Nachdem die Grundlagen geklärt waren, kam Bauingenieur Andreas Bechmann ins Boot, der die Kirchensanierung seitdem begleitet: "Ich wollte als Kind Seemann werden. So eine Kirche ist ein umgekehrtes Schiff, also wurde mir die Beschäftigung damit schon in die Wiege gelegt." Er ist ehrenamtlicher Denkmalschützer.

Die Sanierung der Mylauer Kirche zieht sich seit 2008 hin. Begonnen wurde mit der Turmsanierung, bei der auch die Kugel und das Kreuz abgenommen wurden. Die Kugel wurde erneuert, das Kreuz aufgearbeitet. Dann folgte die Innenraumsanierung. Nicht immer liefen die Arbeit in logischer Reihenfolge ab, was dem engen Korsett der Fördermittel geschuldet war. So wurden zum Beispiel die Feuchteschäden im Inneren saniert, bevor die Außenwand fertig war.

Gegenwärtig läuft der erste Bauabschnitt eines dreijährigen Projektes, bei dem in diesem Jahr an der Nordseite gearbeitet wird. Daher rührt die halbseitige Straßensperrung am Heubnerring. Die Südostflanke und die Seite mit der Photovoltaikanlage folgen in den kommenden Jahren. Beim Rundgang, den aufgrund der teilweise engen Treppen und Stiegen nicht alle Besucher mitmachten, waren die Arbeiten aus der Innenperspektive zu sehen. Gotthold Lange (85) ließ es sich nicht nehmen, bis in den Glockenturm zu steigen. "Ich war drei Jahre nicht hier oben", gestand er. Eine erfolgreiche Hüftoperation macht den Gang wieder möglich.

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