Auch mit Eis aus Ziegenmilch: Agrarbetrieb im Klimawandel

Der Bauernhof Eibisch kämpft mit trockenen Sommern. Deshalb bauen die Neumarker ihr Ziegenkäserei-Angebot aus und setzen auf Hof-Tourismus.

Neumark.

Wenn Marco Eibisch im Gute-Laune-Radio die Freude über einen neuen Sonnentag hört, lacht er nicht. "Noch so einen Sommer, und es wird richtig eng. Wir haben jetzt schon wieder zu wenig Regen. Das kriegt bloß kaum einer mit, uns kann das die Existenz kosten", sagt der Chef des gleichnamigen Neumarker Landwirtschaftsbetriebs. Bereits in der Weidesaison 2018 mussten die Eibischs Stroh zufüttern und den Mutterkuh-Bestand reduzieren.

Der Betrieb steuert jedoch seit einigen Jahren mit angeschlossener Direktvermarktung und Ziegenkäserei gegen und verringert so das Risiko - dafür gab's vor zwei Jahren sogar den Innovationspreis der vogtländischen Landwirtschaft. "Not macht erfinderisch, heißt es. Und das ist wirklich so. Die Landwirtschaft passt sich den neuen klimatischen Bedingungen an", sagt Marco Eibischs Frau. Doreen Eibisch ist die Sennerin des Hofs, betreut die Herde mit Thüringer Waldziegen und vermarktet die tierischen und pflanzlichen Produkte in Neumark und auf Märkten der Region. Seit ein paar Tagen hat sie dabei ein weit und breit einmaliges Angebot dabei: Neben Eis aus Kuhmilch kommt bei den Kunden auch aus Ziegenmilch hergestelltes Eis an. "Das ging am Mittwoch trotz der eher kühlen Witterung beim Marktschwärmer-Treff in Reinsdorf weg wie warme Semmeln, alle Eisbehälter waren leer", berichtet Doreen Eibisch von dem Erfolg bei einem Markt, bei dem sich die Kunden bei einer Vielzahl regionaler Direktvermarkter eindecken.

Torsten Kleditzsch

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Das Eis aus Ziegenmilch - geschmacklich sind kaum Unterschiede zu herkömmlichem Eis auszumachen, es schmeckt vielleicht etwas süßer - ist eine köstliche Alternative für Kuhmilch-Allergiker oder Menschen mit Laktoseintoleranz. "Außerdem sind im Eis wie im Käse mehr Nährstoffe enthalten", sagt die Sennerin. Kuh- wie Ziegeneis gibt es an den Wochenenden auf dem Hof, die Woche über auf vielen Märkten - zum Beispiel am Mittwoch auf dem Reichenbacher Markt.

Neben dem Bauernhof-Eis setzen die Eibischs erstmals auch auf die nahtouristische Karte und bieten regelmäßig thematisch sortierte Familientage an. Start ist am 18. Mai mit "Frühling auf dem Bauernhof" mit Streichelgehege und Co. "Das Angebot wendet sich an Kinder und Erwachsene. Wir zeigen alles hautnah und wollen damit auch Verständnis und Akzeptanz für die heimische Erzeugung von Nahrungsmitteln fördern", sagt Marco Eibisch, während Jonas Eibisch mit dem Kopf nickt. Der Sohn des Paars lernt im ersten Jahr Landwirt und ist fest davon überzeugt, eines Tages den elterlichen Bauernhof zu übernehmen.

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