Aus auch fürs Public Viewing

Mit der Niederlage von Deutschland gibt es auch keine Fortsetzung der Übertragungen auf den Marktplatz mehr. Die einzigen, die gestern ganz zufrieden dreinschauten, waren die Caterer.

Reichenbach.

So schnell wie gestern nach dem verpatzten WM-Spiel der Deutschen hat sich der Marktplatz beim Radio-Wettbewerb jüngst um den Sachsenmeistertitel nicht geleert. Seinerzeit hatte Volksfeststimmung trotz des verpassten Sieges bei dem Gaudi geherrscht. Gestern wollte keiner mehr die Auswertung des Elends an der LED-Wand verfolgen, das sich zuvor in Form von uninspirierten 99 deutschen Minuten über die wenigen Hundert Zuschauer ergossen hatte. Man war bedient. Auch Sven Hörning von der Stadtverwaltung. "Man muss halt sagen, dann haben sie es auch nicht verdient", sagte der Bauamtsleiter am Grill stehend.

Dort und an den anderen Versorgungsständen war die Stimmung nicht ganz so im Keller. Das lag auch am lange gegen die Südkoreaner gehaltenen Spielstand von 0:0. Am Getränkestand Hiemer floß das Greizer Pils da noch in Strömen. Danny Schott zapfte eins nach dem anderen. "Was ich hier vom Spiel mitkriege? Nur die Akustik, aber das reicht schon." Ein paar Meter weiter am Softeiswagen hatten auch Jürgen Buchwald und ein Mitarbeiter gut zu tun. "Normalerweise stehen wir hier nur Dienstag und Donnerstag, wenn Fußball ist, sind wir natürlich auch da, es läuft gut bei uns, sicher so wie beim Bier."

Und nicht nur auf dem Markt läuft die Eismaschine. Jürgen Buchwald, der auf dem Rodewischer Anger seit mehr als 30 Jahren einen Softeiswagen betreibt, ist seit Mai neuer Betreiber der Tramway im Park der Generationen. "Wir haben dort das Angebot ein wenig umgestellt, auch das läuft." Zu denen, die gestern auch am Eiswagen zugeschlagen haben, gehört das Blechbläser-Quintett der Musikschule. Normalerweise hätten die talentierten Musiker um Musikschullehrer Ekkehard Krien zur Zeit des Fußballspiels Unterricht gehabt. "Aber bei der letzten Stunde vor den Ferien kann man schon mal eine Ausnahme machen", sagte der Lehrer. Warum es bei den deutschen Kickern im WM-Turnier so viele Dissonanzen gab? "Beim Fußball wie in der Musik kommt es auf Harmonie, auf ein gutes Zusammenspiel an." Und da hat es gewaltig geklemmt.

Das fand auch Michael Knabe. Vor dem Spiel hatte der Fotografenmeister ein 3:1 für die Deutschen getippt. Sein Kommentar nach dem Debakel: "Das war nichts." Aber das mit der LED-Wand auf dem Markt, das war was. "Respekt, dass es in einer Stadt wie Reichenbach so ein tolles Angebot gibt." Besser gesagt, gegeben hat. Denn mit dem Ausscheiden der deutschen Elf aus dem Turnier findet das Public Viewing keine Fortsetzung. Ein Schelm, der gestern nach dem Abpfiff seine Fassung schnell wiedererlangt hatte, sagte dazu: "Da sparen die Sponsoren jetzt viel Geld."

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