Autopionier August Horch im Mittelpunkt

Die Reichenbacher Zeit des Visionärs währte nur wenige Jahre. Doch noch wird dazu Neues bekannt, war in einem Vortrag im Alten Wasserwerk zu erfahren.

Reichenbach.

Wer dachte, dass ein Vortrag über den Autopionier August Horch keine neuen Erkenntnisse mehr bringen kann, der wurde am Dienstag im Alten Wasserwerk in Reichenbach eines Besseren belehrt. Das lag an den Filmausschnitten, die der Referent Wolfgang Richter mitgebracht hatte, zum anderen an Wortmeldungen.

Zum Beispiel berichtete der Horch-Experte Bernd Czekalla aus Lengenfeld von den gegenwärtigen Aktivitäten des Fördervereins vom August-Horch-Museum in Zwickau. Dort entsteht eine Replik des ersten in Zwickau gebauten Horch-Wagens, ein so genannter Horch 14-17. Dieses Fahrzeug wurde noch in Reichenbach entwickelt, ein Muster auch in Reichenbach gebaut. Der Fachmann stellte klar, dass der dem Deutschen Museum gehörende Horch kein richtiges Original ist: "Er wurde aus noch vorhandenen Restbeständen nach Gründung der Auto Union gebaut und dem Museum geschenkt." Zahlen zu Horch-Fahrzeugen seien mit Vorsicht zu genießen, da sie öfter mehr dem Wunsch als der Realität entsprächen. "Von den 14-17 wurden vielleicht 15 gebaut, 51 Aufträge waren erwartet worden", sagte er. Ein Grund für das wirtschaftliche Dilemma, mit dem der Techniker Horch zu kämpfen hatte: Ein Kaufmann war er nie.

Christoph Ulrich

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Wolfgang Richter hatte zuvor Eckdaten aus Horchs Leben und seiner kurzen Reichenbacher Zeit in Wort und Bild präsentiert. Einige der rund 50 Besucher erinnerten sich noch an die erste Horch-Veranstaltung 1999 anlässlich des Jubiläums "100 Jahre Gründung des ersten Horch-Unternehmens Horch & Cie in Köln-Ehrenfeld". Filme von Uwe Schirmer, die damals im Regionalfernsehen liefen, verdeutlichten die Rolle von Hans-Jürgen Löffler bei der Bewahrung des Horch-Erbes in Reichenbach. Auf seine Initiative wurde das Schild an der Fabrikruine in der Oberen Dunkelgasse erstellt. Er lenkte die Horch-Rundfahrt über Reichenbach und nahm das Risiko der Festveranstaltung mit Audi-Big-Band und Vortrag von Peter Kirchberg auf sich. Weitere dieser Veranstaltungen folgten, zum Beispiel zu "100 Jahre Horch in Reichenbach". Der Vorschlag für die Namensgebung des August-Horch-Weges an der Zwickauer Straße kam von ihm. "Die anderen Ideen lauteten An der Lehmpfütze oder so ähnlich", erklärte er den Besuchern. Der frühere Besitzer des Autohauses Löffler hat quasi den umgekehrten Weg wie Horch eingeschlagen. Er kam von Zwickau nach Reichenbach, weil er keinen Gewerbeschein in Zwickau bekam. Horch ging von Reichenbach nach Zwickau, weil er in Reichenbach seine Anlagen nicht erweitern konnte. Wer weiß, ob ohne die Aktivitäten von Löffler und der Horch-Freunde vom Reichenbacher Oldtimerclub die ehemalige Horch-Fabrik gerettet und als Domizil der Awo Vogtland/Reichenbach saniert und ausgebaut worden wäre. Die Awo pflegt das Erbe mit dem Erinnerungspavillon und verschiedenen Aktivitäten weiter.

Heute wird wohl keine Lehrerin mehr sagen, dass Horch nichts mit Reichenbach zu tun habe, wie es Löfflers Sohn mit seiner Lehrerin in den 1990er-Jahren passierte. "Er sollte etwas über eine Persönlichkeit in Verbindung mit Reichenbach schreiben. Ich habe ihm Horch vorgeschlagen. Dann kam er ganz traurig aus der Schule", erzählte er. Er sprach mit der Lehrerin und klärte auf. "Damals wussten nur ein paar Insider von Horchs Reichenbacher Zeit. Inzwischen ist das anders", sagte er und erhielt viel Beifall für sein Engagement.

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