Bei Internet-Präsenz und Online-Shops ist Luft nach oben

Anstatt nur als Bedrohung verstehen Händler in der Reichenbacher Innenstadt den Online-Handel zunehmend als eigene Chance. Der Citymanager weiß nach einer Umfrage mehr.

Reichenbach.

Wo kaufen Sie lieber ein? Im Laden in der Stadt, wo es persönliche Beratung und einen Plausch kostenlos dazu gibt? Oder daheim von der Couch aus beim Stöbern in Online-Shops? Viele mögen beides. Auch bei den Händlern hat ein Umdenken eingesetzt. Der stationäre Einzelhandel erschließt digitale Vertriebswege. Online- und Offline-Welt verschmelzen. Auch in Reichenbach.

Eine Vorreiterin ist Barbara Kurpiers, die seit 1990 mit dem Schicki-Micki einen Laden für Geschenkartikel und Wohnaccessoires in der Zenkergasse betreibt. Weithin bekannt ist sie als Zuckertütenkönigin, weil sie Schultüten in alle Welt verschickt. "Meinen Online-Shop habe ich schon seit 1. Mai 2004. Ich wollte damals ein zweites Standbein aufbauen", erklärt sie. Mit entsprechender Werbung auf Google und anderen Plattformen lief der Shop super an, generierte die Hälfte des Umsatzes. "Inzwischen kamen aber viele andere auch auf den Trichter. Online-Shops schossen wie Pilze aus der Erde", sagt sie. Rund 30 Prozent des Umsatzes erziele sie heute online. Der Shop auf schultuete.com ist dabei schon für Smartphone-Nutzer angepasst, während schicki- micki.de noch im althergebrachten Layout daherkommt. Die Online-Shops betreut sie selbst. Die Programmierung hat sie ihrem Sohn übertragen, der Informatik studiert hat. "Wenn ich eine Firma beauftragen müsste, könnte ich es mir nicht leisten", sagt sie. Mit ihren Waren ist sie auch bei Amazon vertreten.

Bezüglich Internet-Präsenz fällt einem in Reichenbach der Auftritt von Forbriger Backwaren ins Auge. Die Brasserie in der Innenstadt ist nur eines der 21 Fachgeschäfte des Unternehmens. Auf der Webseite www.baeckerei-forbriger.de fühlt man sich gut über Firma, Sortiment, Gastronomie oder Catering informiert. Die Facebookseite der Brasserie wirbt neu mit hausgemachten Knödeln und Wildgulasch. "Der Internetauftritt ist mittlerweile das moderne Schaufenster eines Unternehmens. Gerade in der Gastronomie schauen die Leute, was sie im Internet und speziell auf Facebook finden. Wenn es gelingt, dort Lust zu machen, gehen die Leute auch hin. Gerade die jüngere Generation ist ja zu 100 Prozent aufs Netz orientiert", erklärt Geschäftsführer Jan Forbriger. Je bildhafter und interessanter, umso mehr werde geklickt. Drei, vier Mitarbeiter von Forbriger Backwaren haben Zugriff auf die Internetinhalte. "Wir haben die Internetseite seit 2012. Ich bin damit glücklich und zufrieden", so Forbriger. Eigentlich müsste man sie alle drei Jahre aktualisieren, aber das sei zu aufwändig. Integriert ist seit fünf Jahren ein Online-Shop für Stollen, Lebkuchen und anderes Gebäck. Traffic und Umsatz zu pushen, sei jedoch mit Kosten verbunden. "Wir haben die kleinste Variante. Wir pflegen den Shop selbst. Das ist ein Versuchsfeld", sagt Jan Forbriger.

Bei der Händlerbefragung, die der von der Stadt beauftragte Citymanager Severin Zähringer im Juli in der Innenstadt startete, war das Thema Digitalisierung einer von vier Komplexen. "Freie Presse" fragte bei ihm nach und erfuhr: 44 Fragebogen kamen ausgefüllt zurück. "30 Händler und Dienstleister haben eine eigene Webseite, das sind 68 Prozent. 23 betreiben eine Facebook-Businessseite, die neun davon wöchentlich oder mehrfach pro Woche aktualisieren. Sieben Geschäfte sind auch auf Instagram präsent", fast Zähringer zur Internet-Präsenz zusammen. 16 der teilnehmenden Händler und somit 36 Prozent sind selbst im Online-Handel aktiv, jeweils zwei verkaufen dabei via Amazon und Ebay. Über ein elektronisches Warenwirtschaftssystem, das als Voraussetzung für einen Onlineshop gilt, verfügen nach eigenen Angaben 15 Betriebe.

In einigen deutschen Städten, beispielsweise in Wuppertal und Siegen, bieten lokale Einzelhändler ihre Waren mittlerweile in einem Online-Versandhaus an. Auch in Reichenbach wurde daher gefragt: Wie stehen Sie zu einem Online-Kaufhaus Reichenbach? Würden Sie Ihre Waren gern über eine gemeinsame Plattform anbieten? "17 Händler sagten dazu Nein, 11 Ja, 13 waren unentschlossen und 3 machten keine Angaben", erklärt Zähringer.

"Es ist noch Luft nach oben", zieht der Citymanager ein erstes Fazit. Nicht immer brauche es einen Online-Shop. Aber es sei hilfreich, mit einer Webseite und einer Angebotsübersicht präsent zu sein, um von potenziellen Kunden gefunden zu werden. Je nach Branche unterscheiden sich die Anforderungen. So könnte für einen Friseur ein Online-Buchungstool interessant sein.

Alle Ergebnisse der Händlerbefragung will der Citymanager kommenden Dienstag, 19 Uhr, beim Gewerbestammtisch des Oberbürgermeisters dem Gewerbeverein und der Wirtschaftsvereinigung Nördliches Vogtland in der Brasserie Forbriger vorstellen.

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