Bester Blick vom Zahnarztstuhl

Regina Scherbaum stellt in der Reichenbacher Praxis Kirsten aus. Außergewöhnlich sind Ölbilder in Trockenpinseltechnik.

Reichenbach.

Die Zahnarztpraxis Kirsten in der Reichenbacher Stockmannstraße hat einen extra Klingelknopf, auf dem Ausstellung steht. Der wird zurzeit wieder öfter gedrückt. Der Grund: Es hat sich herumgesprochen, dass im Eingangsbereich und in der Praxis selbst sehenswerte Bilder hängen.

Sie stammen von Regina Scherbaum, einer Vogtländerin aus Klingenthal, die seit acht Jahren in Plauen wohnt. Mit dem Ruhestand entdeckte die frühere Büroangestellte das Malen als ihr Hobby. "Ich habe schon als Kind gern gemalt, dann aber nie wieder. Aber ich hatte mir vorgenommen, im Ruhestand wieder anzufangen", verriet die Hobbykünstlerin, die seit 2012 zu den Plauener Mittwochsmalern unter Anleitung von Andreas Claviez gehört.

Dort hat sie mit Aquarellen begonnen. Einige der Blumenmotive sind als Beispiel ausgestellt. Um die zu sehen, muss man jedoch am besten auf dem Zahnarztstuhl Platz nehmen. Einfacher ist es mit den farbenfrohen Acrylbildern, die nach einem Island-Urlaub entstanden sind. Ein Teil befindet sich im Foyer, der andere im Wartezimmer. Zu sehen sind Wasser, Landschaft, Himmel oder zwei putzige Papageientaucher.

Ganz außergewöhnlich sind hingegen die Ölbilder, die in Trockenpinseltechnik gemalt wurden. "Ich habe einen Workshop bei Nadja Sasch in Leipzig besucht und war von der Technik sofort begeistert. Jetzt male ich unheimlich viel in dieser Technik", erklärte Regina Scherbaum zu den Kinderporträts im Praxis-Foyer. Gemalt wird mit Ölfarbe auf spezielles Papier. Der Pinsel wird ausgestrichen, sodass im Grunde nur noch die Pigmente verwendet werden. Die Farbe kommt dann in sehr dünnen Schichten auf den Malgrund und kann wegradiert werden. Diese Maltechnik ist in den 1980er-Jahren bei Straßenmalern in der Moskauer Fußgängerzone Arbat entstanden. Auf diese Art und Weise entstehen ganz spezielle und sehr lebendig wirkende Bilder, bei der Wahl-Plauenerin zumeist in Schwarz-Weiß.

Möglich sind jedoch auch andere Kombinationen einer Farbe mit dem Papier, zum Beispiel Sepia-Bilder, die an alte Fotografien erinnern. "Ich zeichne nach Fotos. Bei der Trockenpinseltechnik sind es Menschen, aber auch Tiere. Dabei muss man genau beobachten, um die Mimik so original wie möglich festzuhalten", so die Hobbykünstlerin. Dass die feinen Linien und weichen Schwünge ohne Vorzeichnung und mit großen Pinseln gemalt werden, ist kaum zu glauben.

Regina Scherbaum hat noch viele Ideen und Motive, die sie malen will. Bei privaten Reisen oder Malreisen mit den Mittwochsmalern kommen ständig neue dazu. Die Vogtländerin kann bereits auf mehrere Ausstellungen zurückblicken. Sie war beteiligt an der Sonderschau "Naturgewalten" in der Kunstwandelhalle Bad Elster, zeigte ihre Bilder in Ruderitz, in der Kapelle Neuensalz, im Schloss Leubnitz oder in der Sparkasse Vogtland.

Bei einer Veranstaltung in Pöhl traf sie den Reichenbacher Michael Kirsten und kam mit ihm auf ihr Hobby zu sprechen. Der Termin für die kleine Schau war schnell vereinbart. "Wir bekommen sehr viel positives Feedback von unseren Patienten, denen die Arbeiten gut gefallen. Manche meinen sogar, so schöne Bilder hatten wir noch nie", sagte der Zahnarzt. Die Ausstellung soll bis zum Jahresende hängen. Sie kann während der Sprechzeiten montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr besichtigt werden.

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