Blick auf Zeugen der Geschichte

Ein Buch von Petra Steps beleuchtet ausgewählte historische Bauten im Freistaat von verschiedenen Seiten - mit dem Sinn fürs Besondere.

Netzschkau.

Wo steht dieses Schloss oder jene Burg, welche Bewandtnis hat es damit, wie finde ich hin und was bekomme ich dort das Jahr über geboten? Das und so manches andere mehr ist in Petra Steps' neuem Buch "Sachsen - Schlösser und Burgen" für 32 geschichtsträchtige Bauten zu erfahren. Und zwar jeweils auf einen Blick.

Mehr als zwei Buchseiten braucht die Autorin nicht, um alles Nötige über Kleinode wie Moritzburg, Pillnitz, Lichtenwalde, Rochlitz oder Mylau zu sagen.

Dabei haben wir es jedoch keinesfalls mit einem schnell produzierten Reiseführer im Telegrammstil zu tun. Die Lambzigerin weiß sich sicher kurz zu fassen, schreibt aber - wo immer sich die Gelegenheit bietet - packend und mit Sinn für das Besondere, Attraktive, Einprägsame.

So geht die Autorin bei der Vorstellung der über der Zschopau thronenden Burg Scharfenstein auch auf Karl Stülpner ein, der am Fuße der Zeugin der Geschichte aufwuchs und in der Gegend so manchen seiner überlieferten Husarenstreiche vollbrachte. Die vergleichsweise wenigen Sätze entwerfen ein wunderbar plastisches und auch absolut glaubhaftes Bild des Volkshelden.

Eine ähnliche Qualität gehaltvoller Kürze zeigt Steps, wenn ein Bauwerk - etwa Schloss Colditz oder Schloss Wildeck - eine kaum noch zu überblickende, an Kuriositäten und Wechselfällen reiche Geschichte aufzuweisen hat. Man erfährt mühelos alles Wesentliche von der sagenumwobenen Frühzeit bis in die Gegenwart. Immer wieder werden zudem Dinge aufgespürt, die selbst für den heimatgeschichtlich interessierten Leser neu oder staunenswert sein dürften.

Da erfährt man etwa, dass das Netzschkauer Schloss mit einer rührenden Liebesgeschichte in Verbindung steht. 1614 lernt der 17-jährige, nach Frankreich reisende Carol von Bose im Odenwald Anna Maria von Wambolt kennen. Er entflammte leidenschaftlich für die 16-Jährige und versprach, sie zu heiraten. Als der Sohn des Netzschkauer Schlossherrn zehn Jahre später aus der Fremde zurückkehrt, erfüllt er das Versprechen. Dem glücklichen Paar wurden im Vogtland acht Kinder geschenkt. Und bei der Betrachtung des Mühltroffer Schlosses erinnert Petra Steps daran, dass zu den Familien, die im 14. Jahrhundert erbittert um die Besitzung stritten, auch das Geschlecht der von Guttenbergs gehörte. Die Edlen aus Franken machten in jüngerer Zeit Furore durch den bedeutenden Dirigenten Enoch von Guttenberg und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

"Sachsen - Schlösser und Burgen" zeichnet sich ferner durch hohen Ansprüchen gerecht werdende, oft auch die zugehörige Landschaft wirkungsvoll würdigende Fotografien aus. Zu den Bildautoren zählen dabei auch Petra und Carsten Steps.

Das Buch Petra Steps. Sachsen - Schlösser und Burgen. Wartberg-Verlag GmbH. Gudensberg-Gleichen. 2020. 72 Seiten. 16,90 Euro. ISBN 978-3-8313-3254-0.

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