Brotkauf per Karte nun auch im Vogtland

Auch im Vogtland kann man neuerdings Semmeln, Brot und Kuchen ohne Münzen und Scheine bezahlen. Zum Verschwinden des Bargelds und weiteren Trends im Zahlungsverkehr gab es jetzt eine Diskussionsrunde.

Falkenstein/Rodewisch.

Seine Verkaufswagen sind im Raum Plauen ebenso unterwegs wie in Klingenthal oder Oelsnitz. Im heimischen Falkenstein hat die Bäckerei und Konditorei von Marcel Weidenmüller zwei Läden. Seit kurzem bieten Läden und Wagen einen für die Branche noch ungewöhnlichen Service: Semmeln, Brot, Kuchen oder Torte können bargeldlos bezahlt werden - egal ob mit EC-Karte oder per Handy-App, ohne Mindestbetrag. "Noch ist die Resonanz überschaubar, aber es wird immer mehr", sagt der Inhaber. Bisher nutzten vor allem junge Leute die neue Möglichkeit, Weidenmüller geht es aber auch um die ältere Generation, gerade auf dem Land. Denn dort wird die Bargeld-Beschaffung schwierig, seit die Sparkasse ihr Filial-Netz ausgedünnt hat. "Wir haben gemerkt, dass Leute sich beim Kaufen zurückhalten, weil sie aufs Sparkassen-Auto warten", so Weidenmüller. Und gerade im Winter falle das manchmal aus. Aber auch so sei das Ganze ein Trend: "Man darf die Zeit nicht verpassen", glaubt Weidenmüller. Pro bargeldlosem Zahlvorgang würden knapp zwei Cent fällig - das müsse man halt einpreisen. Andererseits mache gerade Münzgeld auch viel Arbeit, insofern spare man wieder.

Ähnliche Erfahrungen wie Weidenmüller sammelt der Grünbacher Bäcker Tobias Frisch bereits seit einem Jahr mit dem bargeldlosen Bezahlen. Sein Familienunternehmen ist auch in Treuen, Auerbach, Tannenbergsthal, Falkenstein und Klingenthal aktiv. "Es hat eine Weile gedauert, bis es anlief - aber inzwischen wird die neue Möglichkeit gerade bei größeren Bestellungen gern genutzt", sagt Frisch. Mit dem kontaktlosen Zahlen und Apps wie Google Pay oder Apple Pay werde das Ganze noch einfacher. Weidenmüller und Frisch sind Vorreiter - bei den meisten Bäckern im Vogtland geht ebenso wie bei der Mehrzahl der Fleischer nichts ohne Bargeld. Doch das allmähliche Verschwinden von Münzen und Scheinen sei nicht aufzuhalten, glaubt der Dresdner Wirtschaftsberater Friedbert Damm.

Er sprach vor einigen Tagen in der Rodewischer Volkshochschule über "die Zukunft des Geldes". Die Landeszentrale für politische Bildung hatte das Ganze organisiert, ein knappes Dutzend Zuhörer waren gekommen - überwiegend ältere Jahrgänge. Sie bestätigten Damms Feststellung, dass gerade ältere Generationen am Bargeld hängen. Warum? Bei Kartenzahlung kaufe man schneller und mehr als mit Bargeld, verliere man leicht den Überblick, so die Meinung der vogtländischen Hörer. Zudem werde der Bürger durch das bargeldlose Zahlen leicht kontrollierbar.

Das ist auch für Damm ein Argument: Er verwies auf chinesische Dissidenten, denen der Staat einfach das Konto sperren kann - und das in einem Land, in dem fast nur noch per Smartphone gezahlt wird. Trotz aller Bedenken sei "eine Welt ohne Bargeld möglich", meint Damm. Wegen seiner überalterten Bevölkerung werde Deutschland bei dieser Entwicklung unter den Schlusslichtern sein. Trotzdem: "Erstmals ist 2018 vom Volumen her in der Bundesrepublik mehr mit Karte gezahlt worden als bar." Obwohl bei 75 Prozent der Zahlvorgänge Bargeld geflossen sei - überwiegend bei "Mikrokäufen", wie sie klassisch beim Bäcker oder Fleischer anfallen.

Ex-Banker Damm hob hervor, dass durch neue Dienste wie Paypal die Macht von Banken und Sparkassen gebrochen werde. Und Kryptowährungen wie der Bitcoin seien politischem Einfluss entzogen. Längst könne man an Automaten "normales" Geld in Bitcoins wechseln - und umgekehrt. Über künftige Bedeutung und Struktur des Geldes müsse gesprochen werden. Letztlich sei eine Zukunft komplett ohne jede Form von Geld denkbar, so der aus dem Westen stammende Damm: "Die meisten von Ihnen kennen das: Karl Marx hat dasselbe gesagt."

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