Bürger sorgen für mehr Licht

Vor 160 Jahren wurden die Straßen in Reichenbach mit Gaslicht erhellt. Das durfte nicht auf Kosten der Kommune geschehen.

Reichenbach.

Die Straßenbeleuchtung ist eine heute selbstverständliche Einrichtung. Das gipfelt zur Weihnachtszeit dann stets in festlicher Beleuchtung. Das war nicht immer so. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es im Stadtzentrum von Reichenbach nur eine spärliche Beleuchtung mit Öllampen. Der Durchbruch für eine moderne Straßenbeleuchtung kam erst mit dem Bau des Gaswerkes in der Reichenbacher Altstadt. Am Abend des 15. Dezember 1859 erstrahlten die ersten Gaslaternen im vollen Licht. Auch die Öllampen wurden nun auf Gas umgestellt. 265 Gaslaternen erhellten bald die Stadt.

Nach einem Jahr waren es über 800 "Privatflammen" in den Wohnungen. Deshalb gab es bereits am 15. Dezember 1859 ein festliches Konzert in der damaligen Gastwirtschaft im Erdgeschoss des Rathauses. Möglich war die damals moderne Beleuchtung durch die Gründung eines Gasbeleuchtungs-Actienvereins zu Reichenbach. Das bürgerschaftliche Engagement zur Gaserzeugung in der Stadt machte es möglich. Allerdings durfte durch Entscheid der Königlichen Kreisdirektion in Zwickau der Bau einer Gasanstalt nicht auf Kosten der Kommune erfolgen. Deshalb wurde die private Aktiengesellschaft im Januar 1859 gegründet. 1000 Aktien zu je 50 Talern wurden zum Kauf angeboten. Die Stadtverwaltung erwarb 300 Aktien für 15.000 Taler. Damit war der Bau und der Betrieb der Gasanstalt gesichert.

Als Baugrundstück wurde ein Teil der Kantoratswiese an der Reichsstraße von der Kirchgemeinde Peter-Paul verkauft. Im November 1859 standen die ersten Gasbehälter.

Der Transport der nötigen Steinkohle aus dem Zwickauer Revier erfolgte mit Pferdefuhrwerken vom seit 1846 in Betrieb befindlichen Bahnhof Reichenbach. Zum Anzünden der Laternen und zum Putzen der Gläser verdienten sich Handwerksgesellen ein Zubrot. Bald wurde ein zweiter Gasbehälter erforderlich, da das Gas auch zum Kochen und Heizen benutzt wurde. 1907 ging das Gaswerk in städtischen Besitz über, da der befristete Vertrag ausgelaufen war. Der Gasbeleuchtungsverein wurde aufgelöst.

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