Bürgerfest diesmal ohne Bierzelt: Betreiber erklärt seinen Ausstieg

Getränkefachhändler Bernd Hiemer war viele Jahre lang Reichenbachs Partner. Er sagt: "Das Minus wurde zu groß."

Reichenbach.

Das Bierzelt auf dem Markt gehört zum Bürgerfest wie der Wasserturm zu Reichenbach. Und doch wird es zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober diesmal keins geben. Weil die Stadt sparen muss und weil sich kein Betreiber fand, wird kein Bierzelt aufgestellt - und damit fällt auch der Publikumsmagnet Blasmusikfest weg.

Doch warum findet sich kein Bierzelt-Betreiber? "Die Gebühr ist exorbitant hoch", sagt Bernd Hiemer. Der Reichenbacher Getränkefachgroßhändler war zwei Jahrzehnte lang verlässlicher Partner der Stadt, doch diesmal hat er die Reißleine gezogen. "Unter den derzeitigen Bedingungen geht es nicht mehr", sagt Bernd Hiemer bedauernd. "Seit 20 Jahren habe ich die Veranstaltung als unser Stadtfest gesehen", erklärt der Unternehmer. Es ließ sich einigermaßen erwirtschaften, aber neben Wetterrisiken haben auch zurückgehende Besucherzahlen den Umsatz gedrückt. "Das Minus wurde zu groß", betont Hiemer. Und den an anderen Veranstaltungen orientierten Bierpreis - drei Euro für den 0,4-Liter-Becher - wollte er auch nicht anrühren.

Bernd Hiemer schließt sich all denen an, die das von der Stadtspitze herbeigeführte Aus des Blasmusikfestes 2018 bedauern. "Das hat zu unserem Stadtfest gehört", meint der 52-Jährige. Das Bierzelt war voll, die Gäste hingegen nicht. Blasmusik sprach ein eher älteres, freundliches Publikum an und sorgte tagsüber für Belebung, der Umsatz im Bierzelt stieg indes erst bei den Programmpunkten am Abend deutlich an.

Hiemer war, um all das unter einen Hut zu bekommen, der passende Partner. "Wir waren in all den Jahren mit ihm zufrieden", sagt Reichenbachs Ex-Oberbürgermeister Dieter Kießling. Mehrfach habe die Stadt die Betreibung ausgeschrieben, immer wieder habe er das beste Konzept vorgelegt, sagt Kießling. Bernd Hiemer zieht sich aber nicht in den Schmollwinkel zurück. Grundsätzlich bleibe er bereit für eine Zusammenarbeit und ein Sponsoring für die Stadt, ob nun beim Bürgerfest oder anderen Veranstaltungen. Probleme mit derartigen Events gebe es auch in anderen ähnlich großen Städten. Hiemer: "Das Bürgerfest braucht neue Ansätze."

Und die soll es nun bald geben. Nachdem Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) und sein Büroleiter Tobias Keller am 25. Juni im Verwaltungsausschuss wegen ihres zögerlichen Handelns und eines oberflächlichen Veranstaltungskonzeptes auf breiter Front Kritik ernteten, wollen sie zur nächsten Sitzung des Gremiums am 27. August ihre Vorstellungen darlegen. Kernfrage: Wie lässt sich ein würdiges Bürgerfest feiern, obwohl ein Defizit von 25.000 Euro im Raum steht? Immerhin war es lange Zeit weit und breit das größtes Event am Tag der Deutschen Einheit.

Am Tag nach der nächsten Verwaltungsausschusssitzung, kündigte Stadtsprecherin Heike Keßler auf Anfrage an, soll auch die Reichenbacher Öffentlichkeit erfahren, was am 3. Oktober geboten wird.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...