Bürgermeisterwahl in Neumark: Dust-Allianz erntet Gegenwind

Wer wird am Sonntag neuer Bürgermeister? 13 Neumarker unterstützen öffentlich Kandidat Andreas Dust. Doch einige Namen bergen Zündstoff.

Neumark.

Gestartet ist Andreas Dust als Einzelbewerber. Das heißt: Er wollte unabhängig von einer Partei zum neuen Bürgermeister von Neumark gewählt werden. Ende vergangener Woche lief schon der offizielle SPD-Kandidat Jürgen Börner zu ihm über. Nun bekommt er offenbar weitere parteipolitische Unterstützung.

Sein Faltblatt "Die richtige Entscheidung" zum zweiten Wahlgang an diesem Sonntag thematisiert nicht nur die Unterstützung durch SPD-Bewerber Börner. Es vereint auch Stimmen von 13 Bürgern, die Dust unterstützen. Neben Annett Müller, die auf der SPD-Liste für den Gemeinderat kandidierte, befinden sich darunter vier Vertreter der CDU - was allerdings auf dem Flyer nicht erwähnt wird. Jens Schäfer und Marcus Wanka zogen für die CDU in den neuen Gemeinderat ein, Marie-Therese Singer und Nico Trommler standen auf der CDU-Liste.


Eine offizielle Wahlempfehlung des CDU-Ortsverbands gebe es aber nicht, sagte Ortsvorsitzender Benno von Römer der "Freien Presse". Bei einer Mitgliederversammlung habe sich die Mehrheit dagegen ausgesprochen, dass sich die CDU als Partei nach dem Zurückziehen ihrer eigenen Kandidatin Kathrin Krause für einen anderen Bewerber ausspricht. "Trotzdem kann jeder einzelne einen Kandidaten unterstützen", so von Römer. "Es ist ja auch nicht so, dass sich die CDU gegen Andreas Dust positioniert hat."

Dust seinerseits weist eine Nähe zu den Christdemokraten strikt zurück. "Ich stehe der CDU nicht nahe", sagt er gegenüber der "Freien Presse". Dies war offenbar nicht immer so. Bei der Bürgermeisterwahl 2015 wollte er als offizieller CDU-Kandidat gegen Amtsinhaber Ralf Fester antreten. "Ja, er stand damals zur Disposition", räumt CDU-Chef von Römer auf Nachfrage ein. Nominiert wurde damals Marcus Wanka.

Zu der Allianz, die Andreas Dust vor dem entscheidenden Wahltag schmiedet, meint FDP-Bewerber Sven Köpp: "Fair finde ich das nicht, wenn sich der Dritte und Vierte des ersten Wahlganges zusammentun und auch noch die CDU im Boot ist." Er selber wolle auf Facebook noch ein paar Worte posten und auf seinen Plakaten auf den zweiten Wahlgang hinweisen. Dass Jean Paul Biedermann auf dem Flyer Dust dafür lobt, dass dieser zu 100 Prozent hinter der SpVgg Neumark stehe, hebt Köpp als Vorstandsmitglied der SG Reuth nicht an: "Ich habe mich im Vorfeld auch mit dem Neumarker Verein getroffen. Als Bürgermeister wäre ich ohnehin für alle da", sagt er und fügt mit Blick auf Dust hinzu: "Es muss jeder für sich selbst ausmachen, zu welchen Mitteln er greift."

Die Unterstützung von SPD- und CDU-Mitgliedern für Dust findet Einzelbewerber Jens Sölle "schon ein bissel eigenartig". "Das ist doch nicht mehr parteilos. Und was Jürgen Börner gemacht hat, ist ein Schlag ins Gesicht für die Wähler. Einige haben ja schon per Briefwahl gewählt." Was hält er davon, dass auf dem bewussten Flyer auch seine Ex-Frau die Werbetrommel für Dust rührt? "Da stehe ich drüber", sagt Sölle. "Er kämpft halt ums Amt. Auch mit Mitteln, die ich geschmacklos finde." Sowohl Dust als auch Kerstin Sölle weisen die Kritik zurück. Kerstin Sölle ist Andreas Dusts Tante. Nur in dieser Eigenschaft mache sie Wahlkampf für ihn, sagen beide unisono. "Ich wollte keinesfalls für Zündstoff sorgen, sondern den Bürgermeister-Kandidaten Andreas Dust nicht nur als Tante, sondern aus Überzeugung unterstützen, da er für mich der geeignetste Kandidat ist", sagt Kerstin Sölle.

Mitbewerber Stefan Schönfeld (Einzelbewerber) steht staunend daneben. Für ihn sei das Ganze unglaubwürdig, aber er wolle sich da raushalten. "Mich hat man auch gefragt, ob ich zurückziehe", sagt er. "Aber ich bin neutral und parteilos und will auch so gewählt werden. Ich werde mich an keine Partei dranhängen." Zu seinen eigenen Chancen meint er: "Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte."

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